Gute Nachrichten für alle Fans des SEZ. Es war die größte und wichtigste Sport-, Spiel- und Freizeiteinrichtung der DDR. Noch im März soll es komplett abgerissen werden, um Platz für ein neues Stadtquartier mit über 500 Wohnungen und einer Schule zu schaffen. Erste Arbeiten hatten schon begonnen. Doch nun ist der Abriss des SEZ von offizieller Seite gestoppt worden.
Baustopp beim Abriss des SEZ
Die NaturFreunde Berlin und „Gemeingut in BürgerInnenhand“ haben auf juristischem Weg einen Abriss-Stopp des Berliner Sport- und Erholungszentrums (SEZ) durchgesetzt. Das geht nun aus einer Pressemitteilung hervor.
„Nach der für heute von dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg angekündigten behördlichen Untersagung muss der von der landeseigenen WBM zum 2. März 2026 angezeigte Abriss des denkmalwürdigen Gebäudeensembles wegen der schwerwiegenden Versäumnisse beim Artenschutz unterbleiben“, schreiben sie am Donnerstagmorgen.

Damit habe das Bezirksamt dem 40-seitigen Antrag entsprochen, den der Rechtsanwalt der Berliner NaturFreunde in der vergangenen Woche unter Fristsetzung bis zum gestrigen Mittwoch an die Behörde gerichtet hatte.
Mit dem SEZ würde auch viel Umwelt plattgemacht werden
Uwe Hiksch von den NaturFreunden Berlin erklärt dazu: „Wir halten den Abriss des SEZ aus ökologischen und sozialen Gründen für falsch. Aber auch beim Umwelt- und Artenschutz müssen sich die Wohnungsbaugesellschaft WBM und das Land Berlin an die Gesetze halten.“
Die NaturFreunde mahnen: „Der Abriss würde dazu führen, dass streng und besonders geschützte Arten einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko ausgesetzt sind, dass diese Arten in der ab März beginnenden Balz-, Brut- und Aufzuchtzeit gestört werden, dass geschützte Lebensstätten beschädigt oder zerstört werden.“
Gehört das SEZ denkmalgeschützt?
„Gemeingut in BürgerInnenhand“ habe bei der Vorbereitung der Klage im Bereich Denkmalschutz mitgearbeitet. „Der Baustopp gibt dem Landesdenkmalamt die Möglichkeit, seine bisherige Position zu korrigieren. Denkmalschutz sollte allein nach denkmalfachlichen Kriterien erfolgen, diese sind für das SEZ in allen vier Kriterien erfüllt“, mahnt Carl Waßmuth, Sprecher von Gemeingut.
An den Direktor des Landesdenkmalamts Berlin gerichtet, sagt er: „Dr. Rauhut wäre gut beraten, wenn er das SEZ umgehend in die Liste der Denkmäler Berlins aufnimmt. Damit vermeidet er, vor Gericht zu so einer Einstufung verpflichtet zu werden.“

Die NaturFreunde Berlin und Gemeingut setzen sich auch zivilgesellschaftlich gegen den Abriss des SEZ ein. Sie fordern von SPD und CDU ein Moratorium mit anschließender breiter Bürgerbeteiligung.
Würde Berlin sich mit dem SEZ-Abriss strafbar machen?
Der Rechtsanwalt der NaturFreunde, Dr. Philipp Schulte, sieht ein Problem auch in unzureichenden Prüf- und Beteiligungsverfahren für Behörden und Umweltverbände: „Durch den Abriss wäre es zu schwerwiegenden, teils strafbaren Verstößen gegen das Artenschutzrecht gekommen.“
Der Jurist erklärt: „Weil die Berliner Bauordnung höchstens eine einfache Anzeige und keine Freigabe durch die Behörde vorschreibt, sind hier zwingende rechtliche Vorgaben durchs Raster gefallen und mussten nun nachträglich durchgesetzt werden.“
„Dies zeigt, dass die populistische Stimmungsmache gegen gesetzliche Prüf- und Beteiligungsverfahren oft gerade keine Beschleunigung, sondern eher zusätzlichen Aufwand oder sogar schwerwiegende Rechtsverstöße zur Folge hat“, kritisiert er abschließend.
Menschenkette für den Erhalt des SEZ
Wie wichtig manchen Menschen das Bestehen des DDR-Baus ist, zeigt diese geplante Aktion der Bürgerinitiative „SEZ für alle!“: Am Samstag wollen sie ab 14 Uhr mit einer Menschenkette für den Erhalt des SEZ protestieren und so den Abriss verhindern: „Mit einer symbolischen Menschenkette um das Gebäude setzen wir ein starkes Zeichen.“
Außerdem findet am Montag, dem 2. März, eine weitere Demo vor dem Berliner Abgeordnetenhaus statt – Start ist um 8.45 Uhr vor der wichtigen Anhörung zum SEZ, die dort um 9:30 Uhr beginnt. Ob die Anhörung nun aufgrund der Anordnung zum Baustopp des Bezirksamts von Friedrichshain-Kreuzberg verschoben wird, ist unklar.


