Stadion mit Geschichte

Am Donnerstag fallen ikonische Flutlichtmasten im Jahnsportpark

Zwei Flutlichtmasten sollen am Donnerstag im Jahnsportpark gesprengt werden. Vor Ort regt sich Widerstand, auch wegen der Asbestbelastung.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Nach der Tribüne sollen nun auch die beiden Lichtmasten im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark weichen.
Nach der Tribüne sollen nun auch die beiden Lichtmasten im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark weichen.Oliver Mehlis/dpa

Am Donnerstagvormittag werden zwei Sprengungen den Mauerpark erschüttern. Zwei der ikonischen Flutlichtmasten im Jahnsportpark sollen dem Erdboden gleichgemacht werden. Im Vorfeld der Aktion regt sich scharfe Kritik.

„Der Senat setzt auf Eskalation statt Verantwortung“, heißt es von der Bürgerinitiative Jahn-Sportpark, sie fordert ein Asbest-Monitoring, den Verzicht auf die Sprengung und ein planerisches Umdenken.

In der Mitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen wird noch vom „Rückbau der Flutlichtmasten im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark“ gesprochen. Dabei soll am Donnerstag ein großer Rumms zwei der Flutlichtmasten, die die Skyline im Osten jahrzehntelang prägten, niedermachen.

„Der Senat inszeniert hier einen kolossalen Knall, statt wirklich Verantwortung zu übernehmen. Was euphemistisch als ‚Rückbau‘ angekündigt wird, ist in Wahrheit das demonstrative Amputieren eines wichtigen Landmarks – völlig geschichtsvergessen und taktlos gegenüber den Gefühlen und Interessen vieler Menschen im Kiez“, sagt Sprecher der BI, Alexander Puell.

Kurze Einschränkung für Tram M10 und Verkehr

Für die Sprengungen, die kurz nacheinander stattfinden sollen, wird ein weiträumiger Sperrkreis angekündigt, der den Jahnsportpark, die Max-Schmeling-Halle sowie einen Teil des Mauerparks betrifft. In der Zeit von 7 Uhr bis ca. 12 Uhr ist keine Durchquerung des Parks möglich.

Anwohnerinnen und Anwohner in den Nachbargebäuden können aber in ihren Wohnungen bleiben. Es werden Absperrungen und eine klar definierte Sicherheitszone eingerichtet, um Gefahren durch Splitterflug auszuschließen. 

Zum Schutz der Verkehrsteilnehmer im fließenden Verkehr wird dieser ebenfalls am Donnerstag kurzzeitig durch die Polizei eingeschränkt. Hiervon kann auch die Tramlinie M10 betroffen sein. Auch die Parkplätze im Sperrkreis sind am 12. Februar 2026 gesperrt.

Halteverbotsschilder am Jahnsportpark. Hier darf am Donnerstagvormittag keiner zum Auto.
Halteverbotsschilder am Jahnsportpark. Hier darf am Donnerstagvormittag keiner zum Auto.Stefanie Hildebrandt

Zeitplan für die Sprengung im Jahnsportpark

Sperrkreis am Jahnsportpark: Die rot markierten Punkte sind die Flutlichtmasten, die fallen sollen.
Sperrkreis am Jahnsportpark: Die rot markierten Punkte sind die Flutlichtmasten, die fallen sollen.Senatsverwaltung Bauen

Bis 10 Uhr wird im festgelegten Sicherheitskreis durch das Ordnungsamt geräumt. Die eigentliche Sprengung findet dann gegen 11 Uhr statt. Danach werden voraussichtlich um 11.30 Uhr die Sicherungsmaßnahmen wieder aufgehoben.

Die Sprengung wird durch akustische Warnsignale angekündigt: Beim 1. Signal heißt es „Deckung suchen“, nach zwei kurzen Tönen erfolgt unmittelbar die Sprengung und drei kurze Töne hintereinander zeigen an, dass die Sprengung beendet ist.

Noch stehen sie: Die beiden östlichen Flutlichtmasten im Jahnsportpark weden gesprengt.
Noch stehen sie: Die beiden östlichen Flutlichtmasten im Jahnsportpark weden gesprengt.Stefanie Hildebrandt

Protest gegen „brachiales Vorgehen“

Die Bürgerinitiative Jahn-Sportpark protestiert gegen das  brachiale Vorgehen der Behörden. „Die Flutlichtmasten sind kein ‚Schrott‘, sondern Wahrzeichen, Orientierungspunkte und Träger von kollektiver Erinnerung für Nachbarn und Nutzer des Ortes“, heißt es in einer Mitteilung. Die Sprengung sei keine neutrale Baumaßnahme, sondern führe zu einem irreversiblen Verlust, der das Quartier weiter entfremde und die Geschichte dieses Stadions buchstäblich in die Luft jage.

Asbest ernst nehmen

Die Bürgerinitiative fordert auch aus anderem Grund einen Verzicht auf die geplanten Sprengungen. „Bei vorherigen Abrissarbeiten wurde wiederholt und ‚überraschend‘ Asbest gefunden – vermutlich sogar freigesetzt. Vor diesem Hintergrund ist das geplante Vorgehen per Sprengung aus Sicht der Bürgerinitiative fahrlässig.“

Die Senatsverwaltung setze die Gesundheit der Sporttreibenden und Anwohnenden leichtfertig aufs Spiel, anstatt Alternativen zu wählen, die eine Freisetzung von Asbest sicher ausschließen können.

Die Sprengung der beiden östlichen Flutlichtmasten gilt als die wirtschaftlichste Form des Rückbaus. Zwei weitere Masten sollen im neuen Entwurf für das Stadion umgesetzt und integriert werden.

Am Fuße der Masten im Jahnsportpark werden am Dienstagmittag Bigpacks aufgestapelt.
Am Fuße der Masten im Jahnsportpark werden am Dienstagmittag Bigpacks aufgestapelt.Stefanie Hildebrandt

Wenig Staub bei Sprengung erwartet

„Da es sich um Stahlmasten handelt und nicht um ein Gebäude, wird die Menge an aufgewirbeltem Staub vergleichsweise gering ausfallen“, prohgnostiziert die Senatsverwaltung. „Die jeweiligen Fallbetten absorbieren zudem einen Großteil der Aufprallenergie. Dadurch werden Erschütterungen in angrenzenden Bereichen stark reduziert.“

Ikonische Flutlichtanlage im Jahnsportpark

Die vier stadtweit sichtbaren Flutlichtmasten wurden im Rahmen des Stadionumbaus zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 errichtet. Es sind Stahlkonstruktionen aus drei aufeinander zulaufenden Stahlrohren, die auf Betonfundamenten stehen. In 38 Metern  Höhe sind noch zwei Stahlrohre V-förmig mit sechs Beleuchtungsebenen angeordnet. Die Masten sind rund 50 Meter hoch und wiegen je Flutlichtmast 39 Tonnen. Die Flutlichtmasten stehen nicht unter Denkmalschutz.

Weiter Kritik am Abriss des Jahnstadions

Die Bürgerinitiative kritisiert darüber hinaus erneut die überdimensionierte Planung eines Stadionneubaus im Jahnsportpark: „Anstatt sich auf die berlinweit dringend notwendige Sportstättensanierung zu konzentrieren, forciert die Senatsverwaltung ein teures Prestigeprojekt in einem hochverdichteten Bezirk. Dabei werden hunderte Millionen Euro an Steuergeldern verschwendet, die an anderer Stelle weitaus dringender gebraucht würden.“

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