500 Meter lang

Mega-Förderbrücke in Jänschwalde gesprengt

Der Kohle-Koloss wurde nach über 45 Jahren  kontrolliert gesprengt. Damit endet ein Stück Lausitzer Braunkohle-Geschichte.

Author - Tobias Esters
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Die Förderbrücke F60 hat über 45 Jahre Braunkohle freigelegt.
Die Förderbrücke F60 hat über 45 Jahre Braunkohle freigelegt.Rainer Weisflog/IMAGO

Ein gewaltiger Knall, eine riesige Staubwolke und dann Stille. Im ehemaligen Tagebau Jänschwalde ist die legendäre Förderbrücke F60 am Donnerstagvormittag gesprengt worden. Innerhalb weniger Sekunden brach das über 500 Meter lange Stahlmonster in sich zusammen. Tausende Menschen verfolgten das spektakuläre Ende eines Industrie-Giganten per Livestream im Internet. Mit dem Einsturz endet ein wichtiges Kapitel der Lausitzer Bergbaugeschichte.

Förderbrücke F60 in Jänschwalde kontrolliert gesprengt

Schon Minuten vor der Sprengung lag Spannung in der Luft. Dann ein dumpfer Knall und die Förderbrücke F60 sackte kontrolliert zusammen. Eine riesige Staubwolke legte sich über das Gelände. Was jahrzehntelang die Landschaft geprägt hatte, war plötzlich nur noch ein Trümmerfeld. Hier sehen Sie die Sprengung im Video:

Über mehr als 45 Jahre hinweg war die Förderbrücke das Herz des Tagebaus. Die F60 hatte rund 3,5 Milliarden Kubikmeter Erde bewegt und damit Millionen Tonnen Braunkohle freigelegt. Für viele Beschäftigte war sie nicht nur ein Arbeitsgerät, sondern Teil ihres Lebens.

So lief die Vorbereitung der Sprengung ab

Die Aktion galt als technisch extrem anspruchsvoll. Eine Förderbrücke dieser Größe ist in Deutschland noch nie zuvor gesprengt worden. Wochenlang hatten Experten den Einsturz vorbereitet, Sprengladungen millimetergenau platziert und Sicherheitszonen eingerichtet. Das gesamte Gelände wurde weiträumig abgesperrt. Verantwortlich war der Energiekonzern Leag, der von einer der aufwendigsten Sprengungen in der Region sprach.

Die Förderbrücke nach der kontrollierten Sprengung in Jänschwalde
Die Förderbrücke nach der kontrollierten Sprengung in JänschwaldeYoutube/Niederlausitz Aktuell

Mit dem Verschwinden der F60 wird der Wandel der Lausitz nun auch optisch deutlich. Der Tagebau Jänschwalde war bereits seit Ende 2023 stillgelegt. Jetzt verschwindet auch sein bekanntestes Wahrzeichen. Auf den ehemaligen Abbauflächen sollen in den kommenden Jahren Seen entstehen, dazu große Wind- und Solaranlagen. Die Region richtet sich zunehmend auf erneuerbare Energien aus.

Nach dem spektakulären Abriss in Jänschwalde sind in der Lausitz nur noch wenige dieser Mega-Maschinen im Einsatz. Drei weitere Förderbrücken vom Typ F60 aus dem früheren TAKRAF-Werk Lauchhammer arbeiten noch in den Tagebauen Welzow-Süd, Reichwalde und Nochten.

Eine vierte F60 ist heute ein echtes Technik-Denkmal: Im Besucherbergwerk Lichterfeld bei Finsterwalde können Besucher den Stahlriesen nicht nur bestaunen, sondern sogar erklimmen. Die Konstruktion trägt den Spitznamen „der liegende Eiffelturm“.