Kultprodukt aus dem Osten

Von Senfsuppen bis Dessert: Die kulinarische Bedeutung von Bautz'ner Senf in der DDR

Mit jährlich 1,5 Kilogramm pro Person wurde dieser Senf zum Symbol der ostdeutschen Küche. Bis heute bleibt er in vielen Haushalten unverzichtbar.

Author - Sebastian Krause
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Bautz'ner Senf ist eine Traditionsmarke aus dem Osten und bei vielen Menschen noch immer sehr beliebt.
Bautz'ner Senf ist eine Traditionsmarke aus dem Osten und bei vielen Menschen noch immer sehr beliebt.BREUEL-BILD/imago

Es gibt nur wenige Produkte, die einen so unverwechselbaren Geschmack haben wie Bautz’ner Senf. Einen Klecks der gelben Soße verbinden viele mit einer angenehmen Schärfe, einer leichten Würze und einer gewissen Vertrautheit. Kurzum: Bautz'ner Senf ist einer der Klassiker der DDR.

Bautz'ner Senf bringt Erinnerungen an die DDR

Für viele Menschen aus dem Osten ist Bautz'ner Senf noch heute ein Stück DDR-Erinnerung. Denn der Senf aus der Oberlausitz ist kein Zufall, er ist längst ein Markenprodukt. Mit einem unverwechselbaren Geschmack.

In der DDR wird sehr viel Senf gegessen

Senf und die DDR – das gehört irgendwie zusammen. Im Durchschnitt aßen die Menschen damals rund 1,5 Kilogramm pro Person im Jahr. Zum Vergleich: In der alten Bundesrepublik waren es nur etwa 90 Gramm. Senf war in der DDR kein Luxus, sondern Massenware. Ein Grundnahrungsmittel sozusagen.

Und genau so hat es der Staat auch gesehen. Er subventionierte Senf über Jahrzehnte, was die Preise nach unten drückte. Hätte ein Glas Bautz'ner Senf eigentlich 55 Pfennig gekostet, waren es im Geschäft tatsächlich nur 37. Und der Rest? Den bezahlte der Staat.

Bei vielen Grillfesten gehört Bautz'ner Senf einfach dazu.
Bei vielen Grillfesten gehört Bautz'ner Senf einfach dazu.anjapanse.de

Senf ist Bestandteil von vielen DDR-Rezepten

Der Grund: Viele Gewürze waren knapp oder nicht erhältlich. Senf dagegen war verfügbar. Kein Wunder also, dass Senf auch in vielen DDR-Kochbüchern eine große Rolle spielt. Dort taucht er nicht nur als Beilage, sondern häufig als wichtiger Bestandteil des Rezepts auf. 

Wer erinnert sich nicht an Senfsuppen, Senfsoßen und Senfeier? Sogar Senf-Desserts sind in alten Kochbüchern zu finden. Manche Menschen strichen Senf auch einfach aufs Brot.

Geschichte von Bautz'ner Senf beginnt bereits 1866

Die Geschichte von Bautz'ner Senf begann lange vor der DDR. Bereits 1866 – also vor 160 Jahren – stellten Britze & Söhne in Bautzen Senf her. Damals hieß das Produkt Mostrich. Es war handgemacht, wurde in kleinen Mengen produziert und überwiegend in der Region verkauft.

Der Mostrich hatte mit dem heutigen Bautz'ner Senf aber kaum etwas zu tun. Es gab keinen einheitlichen Geschmack, keine feste Rezeptur, keine Marke. Dass aus dieser kleinen Herstellung einmal der bekannteste Senf der DDR entstehen würde, ahnte zu dieser Zeit noch niemand.

Bautz'ner Senf übersteht die Wende unbeschadet

Der eigentliche Startschuss fiel erst 1953. Mit der Verstaatlichung des Betriebes entstand in einer einheitlichen Rezeptur der mittelscharfe Senf. In hellgelben Plastikbechern abgefüllt, wurde er unter dem Namen Bautz’ner Senf verkauft. Fortan standen die Becher in jeder Kantine und in vielen Haushalten.

Nach der Wende hätte dem Bautz’ner Senf das Aus drohen können, doch es kam anders. Viele Ostdeutsche hielten dem Produkt die Treue – und tun es heute noch. Sogar im Westen fand der Senf seine Anhänger.

Geschmack noch so wie vor vielen Jahrzehnten

1992 kaufte der bayerische Senf‑ und Feinkosthersteller Develey Senf & Feinkost das Werk in Bautzen und investierte in eine neue Produktionsanlage. Die Marke blieb erhalten, auch die Herstellung vor Ort. Seit 2008 gibt es am Bautzener Fleischmarkt sogar ein eigenes Senfmuseum, in dem historische Senfdosen, Menagen und seltene Kochbücher ausgestellt sind.

Auch in der Stadt selbst wird der Senf gefeiert: Bei Veranstaltungen wie den „Bautzener Senfwochen“ steht der Kultklassiker regelmäßig im Mittelpunkt. Die Firma legt nach eigenen Angaben großen Wert auf Qualität und Tradition. So wurde nach Unternehmensangaben bewusst darauf verzichtet, die Rezeptur an westdeutsche Geschmacksrichtungen anzupassen. Und genau deshalb schmeckt der Senf auch heute noch so, wie ihn viele in Erinnerung haben.

Was verbinden Sie mit Bautz’ner Senf? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com