Es ist der pure Wahnsinn, was sich da gerade beim Spargel abspielt. Die Preise scheinen in einigen Regionen Deutschlands gewaltig durch die Decke zu schießen. So soll auf dem Münchner Viktualienmarkt ein Händler 50 Euro für ein Kilo Spargel verlangt haben. Das andere Extrem: Der Saisonstart beim Spargel ist noch nicht einmal eine Woche alt, da wird in Supermärkten in Berlin bereits der Preissturz eingeläutet. Unter 10 Euro ist dort schon das Kilo Spargel zu haben. Doch beim Billig-Angebot sollte man aufpassen.
Spargel: Mondpreise in München, Preissturz in Berlin
Die explodierenden Preise beim Diesel, der gestiegene Mindestlohn (von 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde) und natürlich das Wetter: Es gibt gerade genug Gründe, den Spargel zum Saisonstart preislich in die Höhe schießen zu lassen, weil noch zu wenig Stangen geerntet werden. Aber während in München Mondpreise aufgerufen werden, purzeln in Berlin und Brandenburg die Preise.
Zum Beispiel auf dem Spargelhof Jakobs in Beelitz: Dort startete man in der vergangenen Woche mit einem Kilopreis von um die 18 Euro in die Saison. Jetzt liegt der Preis bei 15 Euro – trotz gestiegenem Mindestlohn und Mehrkosten von Tausenden Euro wegen der gestiegenen Dieselpreise.
In den Supermärkten wird der heimische Spargel dagegen noch etwas teurer verkauft. Mit 20 Euro pro Kilo ging es los. Jetzt gibt es losen Spargel aus der Region für ca. 17 Euro.

Doch in manchen Supermärkten findet bereits ein drastischer Preissturz beim „weißen Gold“ statt. Unter anderem in einem Markt in Berlin-Wannsee: Da gab es 500-Gramm-Bündel weißen Spargel für nur 4,49 Euro. Ein Kilopreis weit unter 10 Euro – krasser geht es derzeit wirklich nicht. Klar, dass da die Kunden sofort zugreifen und die heimische Ware liegen lassen.
Ist der abgepackte Spargel mit 8,98 Euro für das Kilo nun schlechter als der in den Kisten für 17 Euro pro Kilo? Er kam vor allem von woanders her. „Aus Griechenland“ steht als Herkunftsland auf dem Preisschild.
Warum ist Spargel aus Griechenland so billig?
Spargel aus Griechenland, aus Spanien oder sogar aus Peru machen derzeit dem „weißen Gold“ aus Deutschland Konkurrenz. Die dortigen Landwirte haben nicht den enormen Kostendruck wie die Spargelbauern in Deutschland.
Es ist kein Geheimnis, dass griechische Spargelstecher schlechter bezahlt werden. Mindestlohn ist in diesem EU-Land offenbar ein Fremdwort. Der Anstieg des Mindestlohns in Deutschland hat unter anderem dafür gesorgt, dass einige Spargelbauern ihr Geschäft aufgegeben haben. Etwa in Brandenburg, wo 3400 Hektar Anbaufläche verschwanden. 2025 wurden fast 19.000 Tonnen Spargel geerntet.
Nicht nur die Importware aus Griechenland, Spanien oder Peru setzt die brandenburgischen Spargelbauern unter Druck. Die Niedrigpreis-Konkurrenz kommt auch aus dem Nachbarland Polen.

Von 2015 bis 2020 hat sich dort die Anbaufläche mehr als vervierfacht. Zwar steigen auch in Polen die Energiepreise. Doch die Produktionskosten der Spargelbauern im Nachbarland sind vergleichsweise geringer als in Deutschland.
„Import-Spargel im Supermarkt ist sechs Tage alt“
Trotz des Preissturzes in den Supermärkten: Die brandenburgischen Spargelbauern geben sich selbstbewusst. Bei Kilopreisen unter zehn Euro können sie sicher nicht mithalten. „Aber dafür ist unser Produkt qualitativ besser und vor allem frischer“, sagt Mirko Kramer (38), Restaurant-Chef auf dem Jakobs-Spargelhof in Beelitz.



