Das Kult-Eiscafé, die Mokka-Milch-Eisbar in Berlin: Aktuell freuen sich viele Berliner darüber, dass es diesen besonderen Ort mit Geschichte wieder gibt. Schon vor Wochen wurde in der Karl-Marx-Allee die Neueröffnung gefeiert, jetzt unter dem Namen „Mokka Milch“. Zu DDR-Zeiten war der Laden vor allem für Eiskaffee, für Eisbecher und Milchshakes bekannt, immer mit ordentlicher Sahnehaube. Doch halt: Wussten Sie, dass bei der Schlagsahne in der Mokka-Milch-Eisbar geschummelt wurde? Weil Sahne Mangelware war, behalf man sich anders – mit Sahna-Schlagkrem! Wir verraten das Geheimnis.
Mokka-Milch-Eisbar machte DDR-Bürger glücklich
Auf einen Eisbecher, einen Eiskaffee oder einen süßen Milchshake in die Mokka-Milch-Eisbar: Das lieben zu DDR-Zeiten in Ost-Berlin viele. Der Laden in der Karl-Marx-Allee war Kult und oft gut gefüllt. Alle genossen hier die Spezialitäten, deren Rezepturen von offizieller Stelle vorgegeben waren. Das Ministerium für Handel und Versorgung der DDR brachte im Jahr 1961 sogar einen Leitfaden heraus, in dem geschrieben stand, wie die Milch- und Eisbars in der Deutschen Demokratischen Republik zu funktionieren hatten.
Der Grund: Man wollte das Netzwerk der Milch- und Eisbars als besondere Ergänzung zur bisherigen Gastronomie weiter ausbauen – und damit auch die DDR-Bürger glücklich machen. „In den letzten Jahren hat sich in der Deutschen Demokratischen Republik die Milchbar als ein neuer Gaststättentyp durchgesetzt“, heißt es im Vorwort.
Bis zu diesem Zeitpunkt habe die Milch als Getränk in den DDR-Gaststätten nur eine untergeordnete Rolle gespielt. „Erst in jüngster Zeit wurde, den Wünschen der Bevölkerung entsprechend, eine Reihe von Milchbars eröffnet.“

Doch der Mangel in der DDR ging auch an den Läden nicht spurlos vorbei. Ein klassisches Beispiel wird in dem Leitfaden mehr als deutlich: Fetthaltige Milchprodukte waren in der DDR zeitweise nur schwer bis gar nicht zu bekommen. Die Versorgung mit Butter und die damit einhergehende Wut der DDR-Bürger rief sogar die Stasi auf den Plan (KURIER berichtete).
Und auch Sahne war Mangelware. Weil sie aber auf jeden Eisbecher und jeden Milchshake gehörte, wurde man erfinderisch – und so gab auch das DDR-Ministerium den Milchbar-Betreibern die „Sahna-Schlagkrem“ an die Hand.
Sahna-Schlagkrem: Das steckt hinter dem Sahne-Ersatz
Sie findet sich in dem Leitfaden zum Betrieb der Milch- und Eisbars überall. Kam auf den Milchshake, den Eiskaffee, in die Eisschokolade – und natürlich wurden auch die Eisbecher mit „25 Gramm Sahnakrem-Tupfern“ garniert, ob Birne Helene oder Pfirsich Melba. Aber: Was ist das für ein Wunderzeug, das damals die Sahne ersetzte?
Es handelt sich um Milch, die mit geschmolzener Margarine versetzt wurde. Man versetzte die Milch also künstlich mit Fett und verarbeitete sie so zu einer Mischung, die die gleichen Eigenschaften wie Sahne hatte und sich auch so aufschlagen ließ.

„Sahna-Schlagkrem ist ein neues Produkt, welches sich infolge der leichtbekömmlichen Eigenschaft bei der Bevölkerung immer mehr durchgesetzt hat“, schreibt das Ministerium. Dass es Sahne nicht in rauen Mengen gab, wird verschwiegen.
Die Milch-Fettmischung sei „schlagfähig, wohlschmeckend und preisgünstig“ und obendrein „durch Fachleute erprobt“. Die fertige Sahna-Schlagkrem könne man zur Geschmacksverbesserung bei Milchshakes eingesetzt werden, aber auch zur Herstellung von Eis, als Garnitur bei Eisbechern und zum Füllen von Windbeuteln. Sogar ganze Cremetorten wurden mit dem Sahne-Ersatzprodukt hergestellt.
Sahna-Schlagkrem aus der Mokka-Milch-Eisbar: Rezept
Für die Herstellung wurden 1 Liter Milch verwendet, außerdem 500 Gramm Sahna-Margarine, 150 Gramm Zucker und 2 Gramm Vanillezucker. Die Milch wurde im Wasserbad erhitzt, die Sahna musste schmelzen. Dann wurde die Margarine mit der Milch gemischt. „Diese Mischung bis etwa 85 Grad Celsius erhitzen und auf etwa 40 Grad Celsius abkühlen. Dann die Masse viermal durch den Elmix (Emulgator) durchlaufen lassen.“ Im Emulgator verbinden sich Flüssigkeit und Fett.

Unter gelegentlichem Rühren sollte die Sahna-Schlagkrem dann 18 bis 24 Stunden lang gekühlt werden. „Die weitere Behandlung ist wie bei der Schlagsahne“, stellte das Ministerium für Handel und Versorgung der DDR fest. Für die Herstellung von Torten und Gebäck wurde die Sahna-Schlagkrem außerdem mit weiteren Zutaten angereichert, beispielsweise mit Erdbeermark und Zucker, Kuvertüre, gehobelten oder gerösteten Nüssen.


