Lange mussten die Berliner darauf warten, nun ist der Traum Wirklichkeit geworden: Die Mokka-Milch-Eisbar in der Karl-Marx-Allee unweit des Alexanderplatzes ist wieder da! Am Mittwoch wurde der Neustart gefeiert – und auch wenn hier vieles anders und neu geworden ist, können die Besucher hier in Erinnerungen an den beliebten Treffpunkt in Ost-Berlin schwelgen. Aber: Wie war es damals in der Mokka-Milch-Eisbar? Im KURIER erinnert sich Yvonne Kempa (65), die damals in der Eisbar arbeitete, an die Zeit vor der Wende und die Verkaufsschlager des Ladens.
Mokka-Milch-Eisbar wird anders als in der DDR
Die Mokka-Milch-Eisbar ist wieder da – allerdings etwas anders als zu DDR-Zeiten. Der Laden in der Karl-Marx-Allee öffnete am Mittwochabend seine Pforten, heißt jetzt allerdings nur noch Mokka Milch. Auf der Speisekarte stehen „Speisen der mediterranen Wohlfühlküche“, hieß es von den Betreibern Natacha und Alexander Neumann. Aber: Natürlich stehen auch Mokka und Eis auf der Karte. Ganz wie früher ist das neue Lokal trotzdem nicht – doch das tut der Freude über die Rückkehr der kultigen Mokka-Milch-Eisbar aus Ost-Berlin keinen Abbruch.
Auch Yvonne Kempa freut sich darüber – die Berlinerin arbeitete vor der Wende in der Mokka-Milch-Eisbar. „Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es das in der Form noch einmal geben wird“, sagt sie. Schon ein paar Tage vor der eigentlichen Eröffnung war sie neugierig, ging zum neuen Lokal, das aber noch geschlossen hatte.
Kempa klopfte an die Tür – und wurde eingelassen. Der Chef selbst habe sie durch den Laden geführt, sie erzählte von früher. „Bald bekommen wir Besuch von einem Bekannten aus Leipzig – da gehen wir dann auf jeden Fall noch mal hin!“

Kempa kennt das Lokal noch von früher, denn sie arbeitete von 1984 bis nach der Wende in der Mokka-Milch-Eisbar. „Ich bin eigentlich Ostseekind und komme von der Insel Rügen“, sagt die Rentnerin. „Ich wollte aber nach Berlin, in die Hauptstadt. Also zogen wir 1984 um.“ Sie kam mit ihrem Mann her, suchte sich eine Arbeit – und landete in dem bekannten Lokal. Gastronomie war für sie kein neues Pflaster: Kempa hatte im Kurhaus in Binz gelernt und gearbeitet. „Ich war 48 Jahre bis zur Rente in der Gastronomie.“
Kino International spülte Gäste in die Mokka-Milch-Eisbar
Am 16. Mai 1984 fing sie in der Mokka-Milch-Eisbar an, erst als Kellnerin. Später gehörte sie zum Team am sogenannten Buffet, also an der Bar – und stieg bis zur Barleiterin auf. „Ich habe so gern da gearbeitet“, sagt sie heute. „Wir waren ein richtig tolles Kollektiv, vom Spüler bis zur Putzkraft. Und wir hatten richtig viel zu tun. Dadurch, dass das Kino International daneben ist, war vor und nach der Vorstellung immer ordentlich was los.“

Rund 30 Mitarbeiter arbeiteten in der Mokka-Milch-Eisbar, servierten unter anderem Kaffee, Kuchen und Eis. Es gab auch Spezialitäten wie den Schwedeneisbecher, aber auch Sahneshakes. „Dazu Cocktails und im Winter sogar Glühwein und Grog.“ Besonders beliebt seien aber die Milchshakes gewesen – und der Eiskaffee. „Der war der Renner. Der kam immer 2,25 Mark, daran erinnere ich mich noch“, sagt Kempa.
Mit der Mangelwirtschaft hatte man hier kaum Probleme, da die Mokka-Milch-Eisbar eine Gaststätte der Handelsorganisation der DDR (HO) war. Vor allem Filterkaffee wurde serviert, aber es gab auch Spezialitäten wie holländischen Kaffee mit Eierlikör oder Irish Coffee mit Whisky. Während Kaffee teilweise schwer zu bekommen war, versiegte die Quelle hier nicht. „Nur mir frischem Obst wie Erdbeeren und Bananen hatten wir natürlich auch Schwierigkeiten.“
Auch Silvester wurde in der Mokka-Milch-Eisbar gefeiert
Schöne Erinnerungen hat Kempa auch an die Silvesterpartys in der Mokka-Milch-Eisbar. „Da wurde ordentlich gefeiert, es gab Essen, Getränke und natürlich Eis. Außerdem wurde geschmückt – und um Mitternacht haben alle angestoßen, Gäste und Personal.“

Doch mit der Wende endete auch das Kapitel Mokka-Milch-Eisbar. Bis 1991 hatte der Laden noch offen. Überraschend sei das Ende für die Mitarbeiter nicht gewesen. „Wir wussten ja, dass sich alles verändert. Und mir war klar, dass es irgendwie weitergeht. Ich wusste, ich finde einen neuen Job.“ Sie arbeitete 15 Jahre lang in einem Hotel, ging erst im vergangenen Jahr in Rente.

Mokka-Milch-Eisbar: „Bin froh, dass ich dabei war“
An die Zeit in der Mokka-Milch-Eisbar denkt Yvonne Kempa trotzdem gern zurück. „Ich bin schon froh, dass ich dabei war. Ich war glücklich, dass ich da arbeiten konnte“, sagt die ehemalige Mitarbeiterin des Kult-Lokals aus der DDR heute. Sie ist sicher: Wenn die Wende nicht gekommen wäre, hätte sie bis zur Rente Eisbecher serviert – und ganz bestimmt auch den einen oder anderen Eiskaffee.



