Enthüllt

Der Schabowski-Zettel: Ein geheimnisvoller Deal hinter dem Mauerfall

Ein Stück Papier, das die Mauer zu Fall brachte: Nun kommen Details zum jahrelang geheim gehaltenen Verkauf des Schabowski-Zettels ans Licht.

Author - Paula Hitzemann
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Günter Schabowski gibt am 9. November 1989 während einer Pressekonferenz die Öffnung der innerdeutschen Grenze bekannt. Die Worte las er stammelnd von dem berühmten Zettel ab.
Günter Schabowski gibt am 9. November 1989 während einer Pressekonferenz die Öffnung der innerdeutschen Grenze bekannt. Die Worte las er stammelnd von dem berühmten Zettel ab.dpa

Es war ein Stück Papier, das Geschichte schrieb. Doch hinter dem legendären Schabowski-Zettel, der am 9. November 1989 den Fall der Berliner Mauer einleitete, verbirgt sich ein bislang weitgehend unbekannter Deal. Jetzt zeigen Dokumente, wie der Schabowski-Zettel wirklich verkauft wurde. 

Der Zettel, der die Mauer öffnete

„Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“
Mit diesen Worten, gehalten auf der legendären Pressekonferenz am 9. November 1989, löste SED-Politbüromitglied Günter Schabowski (†86) damals eine Kettenreaktion aus.

Eigentlich sollte die Reiseregelung erst später für die DDR-Bürger gelten, doch die Nachricht verbreitete sich und Tausende Menschen machten sich noch in der Nacht auf den Weg zur Mauer. Was dann geschah, kennt jeder.

Mitarbeiter stülpen am 15. April 2015 in Bonn im Haus der Geschichte eine Glasvitrine über den Schabowski-Zettel.
Mitarbeiter stülpen am 15. April 2015 in Bonn im Haus der Geschichte eine Glasvitrine über den Schabowski-Zettel.Oliver Berg

Der berühmte Zettel, der Geschichte schrieb, galt jahrelang als verschollen. Nun ist er im Bonner Haus der Geschichte zu sehen. Wie er dahin kam? Die Familie Schabowski erhebt schwere Vorwürfe. Sie geht davon aus, dass das Dokument ursprünglich nur verliehen worden war – und nie zurückgegeben wurde. „Das ist der kaltblütige Verkauf einer gestohlenen Sache“, hieß es bereits damals.

Jahrelang ein Geheimnis

Als das Bonner Haus der Geschichte 2015 verkündete, den Zettel für 25.000 Euro gekauft zu haben, blieb eine entscheidende Frage unbeantwortet: Wer verkaufte das Dokument?

Die Stiftung hielt die Identität der Beteiligten über Jahre geheim. Ihre Begründung: Eine Offenlegung würde „Friede und das Lebensglück“ der Verkäufer gefährden. Nun die Enthüllung: Nach jahrelangem Rechtsstreit und einer erfolgreichen Klage liegen jetzt erstmals Kaufverträge vor, berichtet BILD.

Verbindungen zur DDR-Elite

Laut BILD sollen hinter dem Verkauf Personen mit engen Verbindungen zur DDR-Führung stehen. Erstverkäufer war demnach der Sohn des bekannten Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski. Der Zweitverkäufer war der Schwiegersohn des SED-Wirtschaftsstrategen Günter Mittag. Besonders brisant: Der Erstverkäufer war selbst Stasi-Hauptmann.

Das Haus der Geschichte in Bonn: Hier ist der Schabowski-Zettel zu sehen.
Das Haus der Geschichte in Bonn: Hier ist der Schabowski-Zettel zu sehen.Marc John/imago

Der ursprüngliche Kaufvertrag zeigt: 12.650 Euro bar gezahlt, nur 3500 Euro Rest, verrechnet über Schulden und Sachwerte (u.a. Container). Kurios: Die Gesamtsumme lag sogar über dem vereinbarten Preis – offenbar ein Fehler im Vertrag.

Zudem hätten die Beteiligten vereinbart, dass der Gewinn bei einem Weiterverkauf geteilt werden solle. Damit würde der Erstverkäufer auch später noch am historischen Dokument profitieren.

Hohe Kosten für Geheimhaltung

In dem Rechtsstreit um die Erlangung des Schabowski-Zettels soll das Museum versucht haben, die Namen der Verkäufer geheim zu halten. Dafür sollen mehr als 121.000 Euro für Anwälte geflossen sein.

Der Stiftung des Hauses der Geschichte sei selbst der prominente Hintergrund des Verkäufers zunächst unbekannt gewesen: „Dem Haus der Geschichte war zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht bekannt, dass der Zweitverkäufer der Schwiegersohn des DDR-Politbüromitglieds Günter Mittag war“, erklärte eine Sprecherin gegenüber BILD.

Ein Detail, das heute umso überraschender wirkt und zeigt: Auch hinter diesem historischen Dokument steckt eine Geschichte von Macht, Geld und einem Deal, der lange im Verborgenen blieb.

Sind Sie überrascht von der Enthüllung? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.