Legendärer DDR-Treffpunkt

Neustart der Mokka-Milch-Eisbar in Berlin

Ab Mai gibt es wieder Eis und Mokka an der Berliner Karl-Marx-Allee. Ein Ort der Begegnung soll entstehen, kein Hipster-Café.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Natacha und Alexander Neumann in der Mokka-Milch-Eisbar
Natacha und Alexander Neumann in der Mokka-Milch-EisbarHildebrandt

In der DDR traf man sich gern in der Mokka-Milch-Eisbar auf der Karl-Marx-Allee. Nach jahrelanger Sanierung und Leerstand zieht endlich wieder neues Leben in den beliebtesten Treffpunkten Ost-Berlins ein. Mit Natacha und Alexander Neumann haben sich Pächter gefunden, die die DDR-Ikone in die Zukunft führen wollen. 

DDR-Designklassiker wieder am Start

Walter Franeks Bau, in dem die Mokka-Milch-Eisbar seit den 1960ern ein buntes Publikum anzog, ist heute ein Design-Klassiker. Mit der offenen Galerie, dem tollen Blick auf den Fernsehturm und den geraden Formen wirkt es modern und zeitlos. Nach der Wende wurde die Mokka-Milch-Eisbar geschlossen, später zog das Restaurant Alberts mit dem darunter liegenden Nachtclub A-Lounge ein.

Seit 2019 wurde der Bau denkmalgerecht saniert. „Man hat das sehr aufwendig gemacht“, sagt Natacha Neumann bei einem Besuch des KURIER. Alles, was an historischen Elementen erhalten werden konnte, wurde erhalten und kongenial integriert. Seit Ende 2025 stand die Mokka-Milch-Eisbar für 30.160 Euro Miete im Monat wieder auf dem Immobilienmarkt zur Verfügung.

So soll die neue Mokka-Milch-Eisbar aussehen. Es wird ein Café und Flächen für Veranstaltungen geben.
So soll die neue Mokka-Milch-Eisbar aussehen. Es wird ein Café und Flächen für Veranstaltungen geben.Rendering Mokka Milch

Neustart für Mokka-Milch-Eisbar im Frühling

Wie viel die neuen Betreiber Alexander und Natacha Neumann wirklich zahlen müssen, wollen sie nicht verraten. Sicher ist aber, dass die beiden erfolgreichen Unternehmer sich sofort in den Bau verliebt haben. Für ihre Idee, einen dritten Ort zu schaffen, an dem Menschen sich begegnen können, scheint die Mokka-Milch-Eisbar wie gemacht. Wer mit den beiden durch die noch leeren Räume geht, sieht die Vision mit Leben gefüllt.

Am Tag gibt es ein Café, mittags ein Lunch-Angebot. Die Schachspieler sind an diesem Ort ebenso willkommen, wie Menschen, die größere Events veranstalten wollen. Mit einem Mix aus Restaurant- und Cafébetrieb, Coworking und Eventflächen soll hier ein Ort für Optimisten entstehen. Natacha und Alexander werden selber in den Büroräumen im Obergeschoss arbeiten, andere Firmen können sich Office-Fläche mieten.

Natacha und Alexander Neumann beleben die Mokka-Milch-Eisbar neu.
Natacha und Alexander Neumann beleben die Mokka-Milch-Eisbar neu.Hildebrandt

Restaurant mit eigenem Gemüse

Herzstück ist und bleibt aber ein Café-Betrieb, der vom Morgenkaffee bis Abendcocktails alles anbieten wird. „Natürlich wird es auch Eis und Mokka geben“, sagt Alexander Neumann. Mit 100 Plätzen draußen, unter den großen Bäumen und den gestreiften Markisen wollen die Neumanns an die Geschichte der Mokka-Milch-Eisbar anknüpfen. Im Restaurant mit offener Küche soll außerdem eigens angebautes Gemüse vom eigenen Hof in Petershagen serviert werden.

„Wir wollen einfache, gute Produkte servieren“, sagt Alexander Neumann. Das Restaurant solle eine mediterran angehauchte Wohlfühlküche anbieten.

Volles Haus in der Mokka-Milch-Eisbar an der Karl-Marx-Allee im Jahr 1973.
Volles Haus in der Mokka-Milch-Eisbar an der Karl-Marx-Allee im Jahr 1973.imago

Mit gesunder Küche kennt sich das Ehepaar bestens aus. Mit gesunden Snacks für Kinder unter dem Namen „Freche Freunde“ sind die Neumanns super-erfolgreich. Getrieben von der Frage, was die Gesellschaft gerade umtreibt, wollen sie nun mit der Mokka-Milch-Eisbar eine Antwort auf zunehmende Vereinsamung, die Auslagerung ins Digitale bieten. „Dieser Ort ist analog im besten Sinn und er lädt ein, sich wieder echt zu begegnen.“

„Wir bauen einen Ort für Communitys“, sagen die Neumanns und haben unzählige Idee, wie die Räume an der Karl-Marx-Allee genutzt werden können. Tanz im Untergeschoss, eine Tischtennisplatte auf dem Gehweg, Kunstevents und vielleicht einmal im Monat ein Essen an der ganz langen Tafel?

Kein weiteres Hipster-Café

„Es soll kein Hipster-Café werden“, sagt Alexander Neumann, sondern ein Ort, an dem Menschen Lust auf den Austausch mit anderen Menschen haben. Laptops sind daher im Café verboten. Man soll sich in die Augen gucken und nicht hinter dem Bildschirm verschanzen.

Manchmal braucht es in einer Stadt wie Berlin, in der man leicht in der Anonymität versinken kann, einen Schubs, um sich anderen und der Welt wieder mehr zu öffnen. Gemeinsam lässt sich vieles von den Krisen, die auf uns hereinprasseln besser bewältigen. Die Mokka-Milch-Eisbar will Wohnzimmer sein, Salon und Ort, an dem man zusammenkommt.

Das Kino International in Berlin soll im Frühjahr 2026 wieder eröffnen.
Das Kino International in Berlin soll im Frühjahr 2026 wieder eröffnen.Hildebrandt

Eröffnung im Mai

Schon im April ist die Mokka-Milch-Eisbar wieder am Start. Mit Coworking und ersten Events starten die Neumanns und testen erste Abläufe. Im Mai dann soll der normale Betrieb starten. Der Zeitpunkt für eine Neubelebung ist günstig, im Frühjahr 2026 soll auch das Kino International nebenan nach einer umfassenden Sanierung wieder öffnen.

Im Haus der Statistik in Richtung Alexanderplatz tut sich viel und am Alex selber wird in einigen Jahren vieles anders, ja besser sein, ist Natacha Neumann überzeugt. Die Pioniere von der Karl-Marx-Allee sind gerade dabei sie neu als Allee der Optimisten zu erfinden.

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