Erinnern Sie sich noch an die Mokka-Milch-Eisbar in der Berliner Karl-Marx-Allee? Das Lokal, in dem es unter anderem Kaffee, Milchshakes und Eisbecher gab, war für viele Jugendliche der Treffpunkt schlechthin. Schlagersänger Thomas Natschinski besang das Lokal – und landete mit „Mokka-Milch-Eisbar“ den ersten Pop-Hit der DDR. Doch mit der Wende endete die Geschichte. Einige Relikte aus der damaligen Zeit existieren aber noch. KURIER hat das geheime Rezeptbuch der Eisbar ausgebuddelt – und verrät heute, wie Sie Ihren Kaffee wie in der Mokka-Milch-Eisbar zubereiten.
Mokka-Milch-Eisbar in Berlin kehrt dieses Jahr zurück
In der Wendezeit wurde die Mokka-Milch-Eisbar in der Karl-Marx-Allee geschlossen, ab 1993 auf verschiedene Weise genutzt. Jahre später folgte eine denkmalgerechte Sanierung, danach wurden in dem Gebäude Büroräume vermietet.
Nun kehrt die Mokka-Milch-Eisbar aber zurück: Noch im Frühling soll in dem Haus ein neues Café eröffnen, außerdem soll eine Fläche für Veranstaltungen geschaffen werden. Und: „Natürlich wird es auch Eis und Mokka geben“, sagte Alexander Neumann, der die DDR-Institution zusammen mit seiner Partnerin zurückbringt, dem KURIER.
Apropos Mokka: Wie bereitete man den Kaffee in der Mokka-Milch-Eisbar in der DDR überhaupt zu? Im Auftrag des Ministeriums für Handel und Versorgung der DDR erschien im Jahr 1961 ein Leitfaden für den Betrieb von Milch- und Eisbars.
„Die bisher eingerichteten Milch- und Eisbars erfreuen sich unter der Bevölkerung immer größerer Beliebtheit“, heißt es in dem Buch, das nach der Zentralen Gaststättenkonferenz im Jahr 1960 in Leipzig herausgegeben wurde. Man wollte deshalb die vorhandenen Milchbars ausbauen – und neue „Kleinstmilchbars“ schaffen.

KURIER suchte das Buch mit Seltenheitswert – und fand es bei einem Händler für alte Bücher im Netz. Es zeigt nicht nur die Inneneinrichtung der Milchbars und schreibt vor, wie die Arbeit in Lokalen wie der Mokka-Milch-Eisbar organisiert sein sollte, sondern zeigt auch eine Vielzahl von Rezepten.
Erklärt wird beispielsweise, dass jede Mokka-Milch-Eisbar über ein ordentliches Sortiment an Heißgetränken verfügen sollte. „Gerade in den Wintermonaten muss sich der Milchbarleiter Gedanken machen, wie er seine Gäste zufrieden stellen kann“, heißt es im Kaffee-Kapitel.
Mokka-Milch-Eisbar: Die Rezepte sind aufgelistet
Aufgelistet sind die Rezepturen sämtlicher Kaffeespezialitäten, die in einer Milchbar auf der Karte stehen konnten. Hier zeigt sich, dass für eine Tasse Bohnenkaffee exakt 6,5 Gramm Kaffeepulver mit Wasser aufgebrüht wurde.
Bei einem Kännchen waren es exakt 13 Gramm. Verfeinert wurde der Kaffee, wenn man ihn nicht schwarz trinken wollte, mit 8 Gramm Kaffeesahne pro Tasse und 6 Gramm Zucker. Ein Kännchen Kaffee „komplett“ enthielt entsprechend 16 Gramm Kaffeesahne und 12 Gramm Zucker. Wer es stärker möchte, konnte zum „Mokka-double“ greifen – hier steckten 10 Gramm Bohnenkaffee in der Tasse.
Noch spannender wird es bei den Kaffeespezialitäten. Der „Kaffee verkehrt“ enthielt neben den 6,5 Gramm Bohnenkaffee satte 70 Gramm Vollmilch und – wenn es gewünscht war – 6 Gramm Zucker. „Kaffee verkehrt kann auch von 13 g Bohnenkaffee und anstelle von Vollmilch mit Sahne hergestellt werden“, rät das Buch dazu. „Dieses Getränk ist unter ,Schale gold‘ bekannt.“ Unter einem „Kaffee Francaise“ verstand man eine Mischung aus 13 Gramm Bohnenkaffee, 10 Gramm Zucker und 2 cl Weinbrand, der in einem Teeglas serviert wurde.

Beim „Kaffee Punsch“ brühte man eine halbe Tasse Kaffee mit 13 Gramm Bohnenkaffee und servierte diesen vermischt mit 10 Gramm Zucker und 4 cl Dessertwein in einem Teeglas.
Der „Kaffee türkisch“ ging gänzlich anders: 13 Gramm Bohnenkaffee wurden zu Staub zermahlen und mit 6 Gramm Puderzucker karamellisiert, bevor alles in einer Kupferkasserole aufgebrüht, aufgekocht und sofort serviert wurde.
Für den „Kaffee Mexicaner“ wurden eine halbe Tasse Kaffee und eine halbe Tasse Kakao vermischt. Und besonders pfiffig klingt auch der „Zitronenkaffee“: Hier brühte man eine Tasse Kaffee aus 6,5 Gramm Bohnenkaffee und warf ein Stück Zucker hinein, „welches vorher an der Schale einer Zitrone gerieben wurde“.
Mokka-Milch-Eisbar: Hier gab es auch Rezepte mit Schuss
Manche Kaffeespezialitäten wurden sogar mit Ei serviert. Der Kaffee Wiener Art zum Beispiel: Benötigt wurden 6,5 Gramm Bohnenkaffee, 50 Gramm Vollmilch, 6 Gramm Zucker und ein Eidotter. „Das Eidotter wird mit einigen Tropfen Wasser verrührt und heiße Milch daruntergequirlt“, schreibt das Buch zur Mokka-Milch-Eisbar vor. „Der heiße, süße Kaffee wird, bis sich eine Schaumhaube gebildet hat, untergerührt.“
Außerdem rät das Buch, schwarzen Kaffee doch einmal mit verschiedenen Spirituosen zu kombinieren – etwa „2 cl Kirschwasser, div. Weinbrände, Jamaika-Rum-Verschnitt, Wodka, Cherry-Brandy“. Im besten Fall nicht alles auf einmal.



