Geheime Rezepte entdeckt

DDR schrieb es vor: So wurde Eiskaffee in der Mokka-Milch-Eisbar gemacht

Das Kult-Lokal ist wieder da – und darf heute selbst über die Speisekarte entscheiden. In der DDR gab es für den Betrieb von Milch- und Eisbars einen Leitfaden.

Author - Florian Thalmann
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In der Mokka-Milch-Eisbar wurde besonders gern Eiskaffee geschlürft. Doch wie wurde er zubereitet? DAs verrät ein Leitfaden aus dem Ministerium für Handel und Versorgung der DDR.
In der Mokka-Milch-Eisbar wurde besonders gern Eiskaffee geschlürft. Doch wie wurde er zubereitet? DAs verrät ein Leitfaden aus dem Ministerium für Handel und Versorgung der DDR.H. Blunck/imago

Die Mokka-Milch-Eisbar ist wieder da! Diese Woche öffnete das berühmte Café in der Karl-Marx-Allee endlich wieder seine Pforten. Der Laden, zu DDR-Zeiten ein beliebter Treffpunkt, heißt jetzt nur noch „Mokka Milch“ – trotzdem schwelgen viele in Erinnerungen an die damalige Zeit. So verriet die Berlinerin Yvonne Kempa, die hier früher als Kellnerin und später als Bar-Leiterin arbeitete, dass der Eiskaffee der absolute Renner war. Wie man ihn machte? Das gab das zuständige DDR-Ministerium vor – in einem Leitfaden für den Betrieb der Milchbars. Wir haben das geheime Rezept.

Mokka-Milch-Eisbar war beliebter Treffpunkt im Osten

Vor der Wende war die Mokka-Milch-Eisbar ein beliebter Treffpunkt – im Sommer wurde in dem Kult-Lokal besonders viel Eiskaffee geschlürft, verriet die ehemalige Kellnerin und Barleiterin Yvonne Kempa (65) dem KURIER. „Der war der Renner. Der kam immer 2,25 Mark, daran erinnere ich mich noch“, sagt sie im Interview. Vielleicht lag es auch daran, dass Kaffee zu manchen Zeiten Mangelware war. Doch in der Mokka-Milch-Eisbar versiegte die Quelle nie, weil das Lokal zur Handelsorganisation der DDR (HO) gehörte.

Was in Milchbars wie der Mokka-Milch-Eisbar in der DDR auf die Karte kam, dafür gab es sogar einen Leitfaden. Herausgegeben vom Ministerium für Handel und Versorgung standen in „Die Milch- und Eisbar“ nicht nur Vorgaben zur Einrichtung und zum Umgang mit den Gästen, sondern auch Rezepte und Anleitungen für die Herstellung von Speiseeis. „Die bisher eingerichteten Milch- und Eisbars erfreuen sich unter der Bevölkerung immer größerer Beliebtheit“, heißt es schon im Vorwort des Heftchens, das heute eine Rarität ist. Der Ausbau des Milchbar-Netzes sei deshalb notwendig.

Die Mokka-Milch-Eisbar in der Karl-Marx-Allee war zu DDR-Zeiten ein beliebter Treffpunkt. Diese Woche machte das Café wieder auf.
Die Mokka-Milch-Eisbar in der Karl-Marx-Allee war zu DDR-Zeiten ein beliebter Treffpunkt. Diese Woche machte das Café wieder auf.H. Blunck/imago

In der Deutschen Demokratischen Republik hätte sich die Milchbar als neuer Gaststättentyp durchgesetzt, heißt es weiter. „Bis zu diesem Zeitpunkt spielte Milch als Getränk in den Gaststätten eine untergeordnete Rolle“, schreiben die Autoren der Broschüre. „Erst in jüngster Zeit wurde, den Wünschen der Bevölkerung entsprechend, eine Reihe von Milchbars eröffnet.“ Die berühmte Mokka-Milch-Eisbar in Berlin wurde Anfang der 1960er-Jahre eröffnet, bestand bis zum Jahr 1991. Und wurde mit dem Lied „Mokka-Milch-Eisbar“ sogar im ersten Pop-Hit der DDR besungen.

Speiseeis war in der Mokka-Milch-Eisbar wichtig

In dem Heft wird auch erklärt, wie der Eiskaffee zuzubereiten ist – denn solche Getränke sollten zum Standardprogramm der Milch- und Eisbars in der DDR gehören. Die Milch müsse dem Gast „gemeinsam mit anderen wertvollen Rohstoffen und unter Anwendung einer breiten Geschmacksskala“ auch in Form von Speiseeis angeboten werden – und zwar „in einer besonders leckeren und erfrischenden Form“.

In der Mokka-Milch-Eisbar kann man jetzt wieder sitzen und KAffee schlürfen. Allerdings sieht es hier natürlich nicht mehr ganz so aus wie zu DDR-Zeiten.
In der Mokka-Milch-Eisbar kann man jetzt wieder sitzen und KAffee schlürfen. Allerdings sieht es hier natürlich nicht mehr ganz so aus wie zu DDR-Zeiten.Emmanuele Contini/Berliner KURIER

Vor allem Vollmilchspeiseeis müsse in den Sorten Vanille und Schokolade in jeder Milchbar vorhanden sein. Das Vanilleeis sollte laut dem Leitfaden etwa aus mindestens 70 Prozent Vollmilch, eingedickter Vollmilch oder Vollmilchpulver, das mit abgekochtem Wasser angerührt wurde, bestehen. „Dem Eis kann Vanille oder Vanillin in flüssiger oder Pulverform beigegeben werden.“

Zur Bindung durfte nur 1 Prozent Stärke eingesetzt werden – und das Ministerium für Handel und Versorung der DDR rief die Gastronomen in den Milch- und Eisbars wie der Mokka-Milch-Eisbar zu „peinlicher Sauberkeit“ auf – denn Speiseeis bildet einen guten Nährboden für Bakterien“, schrieben die Ersteller der Broschüre.

Rezept für Eiskaffee aus der Mokka-Milch-Eisbar

Und wie machte man nun den Eiskaffee in der Mokka-Milch-Eisbar? Ganz simpel: Laut Rezept wurde ein halbes Melange-Glas Kaffeesud – da ein Melange-Glas etwa 200 Milliliter hat, dürften es also 100 Milliliter Kaffee gewesen sein – mit einer Kugel Vanilleeis (50 Gramm) in einem Glas. Zur Garnierung setzte man 20 Gramm Sahnakrem, einer Art Schlagsahne, und eine Steckwaffel.

Genauso wurde auch die Eisschokolade zubereitet, hier kam nur statt Kaffee ein halbes Melange-Glas Kakao zum Einsatz und es kamen Schokostreusel auf die aufgeschlagene Sahnakrem.

Und auch verschiedene Spezialitäten wurden in der Mokka-Milch-Eisbar serviert. Etwa Der Eiskaffee „französische Art“ – hier kam in den Eiskaffee ganz einfach noch ein kleines Gläschen Jamaika-Rum-Verschnitt. Und im Eiskaffee „Granita“ steckten neben Kaffee, Vanilleeis und Sahnakrem noch 2 cl Kirschwasser.

Und sogar Eistee wurde manchmal angeboten, allerdings anders, als man es heute kennt: Dafür wurde ein halbes Glas Tee mit Vanillezucker gesüßt, hinein kamen dann eine Kugel Vanilleeis, obenauf Sahnakrem und die berühmte Steckwaffel.

An welche Speisen und Getränke aus der Mokka-Milch-Eisbar erinnern Sie sich noch heute? Waren Sie früher oft dort oder haben Sie vielleicht sogar in dem DDR-Lokal gearbeitet? Schicken Sie uns Ihre Geschichten per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns  drauf!