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Besetzer der Liebigstraße 34: Hier entflammt der nächste Häuserkampf

Bengalos auf Dach

Autonome stehen mit Pyrotechnik auf einem Hausdach. 

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Christian Mang

Berlin -

Schwarz vermummte Chaoten auf dem Dach eines besetzten Hauses, auf der Straße darunter eine wütende Menge von über 1000 Menschen aus der linksautonomen Szene und rund 400 Polizisten in Kampfmontur. All das in der Nacht zu gestern in Friedrichshain. Es sind Szenen, die klarmachen: Der Häuserkampf in Berlin ist nicht vorbei. Im Gegenteil: Er ist wieder neu entflammt.

Haus

Um dieses Haus geht es: Die Liebigstraße 34 im Bezirk Friedrichshain. Es soll demnächst geräumt werden.

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„Liebig 34 verteidigen gegen Gentrifizierung“, so lautete das Motto einer Demo, die am Sonnabend ab 19 Uhr vom Wismarplatz bis zum Bersarinplatz (beides in Friedrichshain) führte. Hintergrund: Im Dezember läuft der Pachtvertrag zwischen einer nach eigenen Angaben „feministisch-autonomen“ Hausbesetzergruppe und dem Eigentümer des Hauses in der Liebigstraße 34 aus.

Besetzer auf Balkon

Autonome verkünden auf einem Balkon des Hauses ihre Botschaften.

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Christian Mang

Ein Beamter verletzt

„Wir können und wollen nicht zulassen, dass uns dieses Haus genommen wird“, heißt es in einem Statement der Besetzer. Denn die „Liebig 34“ in unmittelbarer Nähe zur berüchtigten Rigaer Straße 94 (Entfernung: rund 100 Meter) sei „Teil verschiedener politisch notwendiger Kämpfe!“ Und weiter: „Lasst uns diese Politik, diese Kämpfe gemeinsam geschlossen auf die Straße tragen! Liebig 34 verteidigen!“

Besetzer-Protest

1.000 Menschen protestierten am Sonnabend.

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Christian Mang

Bis zu 1000 Männer und Frauen folgten dem Aufruf am Sonnabend, darunter laut Polizei auch mehrere gewaltbereite Personen. „Auf einigen Dächern der Mehrfamilienhäuser an der Wegstrecke standen Personen, die pyrotechnische Gegenstände auf die eingesetzten Polizistinnen und Polizisten warfen“, so ein Sprecher. Ein Beamter wurde verletzt. Gegen 20.15 Uhr wurde dann per Lautsprecher von den Demo-Veranstaltern dazu aufgerufen, sich zu einem Wohnhaus im nahe gelegenen Weidenweg zu begeben. Der Polizeisprecher weiter: „Dort drangen etwa 20 Personen in eine leerstehende Wohnung im Vorderhaus ein und erklärten diese als besetzt.“

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Polizisten tragen eine Frau weg, die an der Sitzblockade teilgenommen hatte.  

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Nach Mitternacht stürmten sie das Haus

Vor besagtem Haus versammelten sich zudem mehrere hundert Linksautonome, etwa 80 davon setzten sich unmittelbar vor den Hauseingang und blockierten so den Zugang. Da sie sich laut Polizei „trotz mehrfachem Bitten nicht entfernten, mussten sie beiseite getragen werden.“ Nachdem der für das Haus Verantwortliche informiert wurde, stellte er noch in der Nacht Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs, Strafantrag sowie ein Räumungsersuchen. Um 0.40 Uhr brachen die Einsatzkräfte daraufhin die Tür der besetzten Wohnung auf und zerrten die Autonomen nach draußen.

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Rund 80 Autonomen setzten sich der Polizei in den Weg.

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Die Bilanz der Polizei: „Im Zusammenhang mit dem Aufzug und dem Hausfriedensbruch nahmen die Einsatzkräfte insgesamt 87 freiheitsbeschränkende Maßnahmen vor. Die 42 Männer und 45 Frauen wurden alle wieder vor Ort entlassen.“ Aus autonomen Kreisen hieß es gestern, die Aktion sei „nur ein kleiner Vorgeschmack davon gewesen, was passiert, wenn die Liebig wirklich geräumt wird.“ Dann werde man „kein Pardon“ mehr kennen und sich „mit allen Mitteln gegen kriminelle Investoren und deren uniformierten Lakaien wehren. Dann brennt Berlin!“ (BK)