Es war einmal DER Jugendtreff in West-Berlin. Heute steht das „Pop Inn“ in der Ahornallee (Zehlendorf) seit über zehn Jahren leer. Ungeliebt, heruntergekommen. Das sollte sich dringend ändern, finden junge Menschen aus Berlin. Auch die Politik möchte mitspielen.
„Pop Inn“-Comeback nach Bierpinsel-Blockade
Alles fing an mit dieser außergewöhnlichen Aktion: Im vergangenen Oktober hat eine Gruppe junger Menschen den Bierpinsel besetzt, „eine Schloßstraße für alle“ gefordert und sich gegen den Leerstand ausgesprochen. Klargemacht, dass man mehr frei zugängliche Räume braucht. Nur wenig später stehen die Heranwachsenden jetzt im Fokus eines überraschend konstruktiven Angebots aus dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf.

Statt über Konfrontation zu sprechen, lud der Bezirk sie kurzerhand zu einem Rundgang durch ein anderes Gebäude ein: Die Gruppe durfte die alte Jugenddisko „Pop Inn“ in der Ahornstraße besichtigen, jenen legendären Ort West-Berlins, der einst für unzählige Teenager der 60er- bis 80er-Jahre ein zweites Zuhause war.
Gemeinsam wollen sie überlegen, wie man das „Pop Inn“ wiederbeleben könnte. Die Morgenpost berichtet.
Erster offizieller Jugendclub West-Berlins
Der Hintergrund: Anders als der Bierpinsel, der in Privateigentum steht, gehört das „Pop Inn“-Gebäude dem Land Berlin. Der Bezirk hat also Zugriff – und großes Interesse daran, den seit 2013 bestehenden Leerstand endlich zu beenden.
Die Liste der bisherigen Ideen ist lang: Frauenzentrum, Wohnheim, Kita, Begegnungsstätte. Doch all diese Vorschläge versandeten über die Jahre in Gutachten, Machbarkeitsstudien und politischen Abstimmungen.

Seit 1960 galt das „Pop Inn“ als erster offizieller Jugendclub West-Berlins und damit als staatlich betreuter Treffpunkt, an dem sogar 14-Jährige feiern durften – sofern sie das Haus abends rechtzeitig verließen. Bis Anwohnerbeschwerden über Lärm und Müll 2013 das Aus besiegelten.
Wohlfühlzone für alle statt Leerstand
Nun möchte man das „Pop Inn“ wiederbeleben. Der Wunsch der Jugendlichen, die sich gegen den Leerstand in Steglitz einsetzen: „Wir brauchen Orte, wo wir zusammenkommen können, ohne Geld zu zahlen, zum Beispiel für Theater und Workshops“, sagten sie gegenüber der Morgenpost. Diese Räume könnten mehr sein als nur ein leer stehendes Denkmal. Sie könnten ein selbstverwalteter Ort werden – kreativ, offen, belebt.
Auch die zuständige Stadträtin Carolina Böhm scheint die Botschaft verstanden zu haben. „Ich habe mitgenommen, dass es ganz offensichtlich ein großes Interesse von jungen Menschen, also volljährigen jungen Menschen, an Orten gibt, die sie ohne kommerziellen Druck nutzen können“, betonte sie. Man wolle Begegnungsräume schaffen, Orte für Austausch und Ideen.
Grünes Licht für das „Pop Inn“?
Doch dafür müsse einiges parallel passieren: Finanzierung der Sanierung, Einbeziehung der Nachbarschaft und eine tragfähige Organisationsstruktur. „Das alles werden wir mit der GSE und der zuständigen Senatsverwaltung weiter besprechen und entwickeln“, verspricht Böhm.
Bei der GSE (Gesellschaft für Stadtentwicklung) selbst ist die Freude groß. „Wir freuen uns erst mal sehr über das große Interesse der Jugendlichen“, heißt es dort. Das Gebäude habe trotz der Schäden „großes Potenzial“ – und eigne sich grundsätzlich gut für eine soziale, gemeinwohlorientierte Nutzung. Ein Satz, der in der Berliner Liegenschaftspolitik selten so klar ausformuliert wird.

Nun müsse zügig geklärt werden, wer die Sanierung finanziert und wer später den Betrieb trägt. Roman Gerhardt (SPD) aus dem Stadtentwicklungsausschuss wünscht sich, dass das „Pop Inn“ als selbstverwaltetes Kulturzentrum zurückkehrt. Diesmal im guten Einvernehmen mit der Nachbarschaft. Sein Fazit: „Ich habe vollstes Vertrauen, dass dieses Experiment gelingen kann.“



