Berlin hat kein Landesamt für Katastrophenschutz. Das war während des Stromausfalls Anfang des Jahres deutlich spürbar. Die Kommunikation zwischen Betroffenen und Hilfestellen erwies sich als schwierig. Niemand wusste, wo genau in den betroffenen Bezirken pflege- und hilfebedürftige Menschen wohnen. So ist eine betroffene Seniorin in ihrer kalten Wohnung verstorben. Wie kann das sein? Ganz klar: Hier muss sich einiges ändern.
Berliner Bezirke geraten schnell an ihre Grenzen
Der Katastrophenschutz ist bislang in der Innenverwaltung verankert, während die Berliner Feuerwehr mit ihrem Lagezentrum die Einsätze operativ koordiniert. Schon länger steht die Idee einer eigenen Fachbehörde im Raum. Der Stromausfall im Südwesten hat nun deutlich gemacht: Eine solche zentrale Stelle wäre mehr als sinnvoll.
In akuten Lagen geraten die Bezirke, die zunächst eigene Krisenstäbe bilden müssen, schnell an ihre Grenzen. Deshalb braucht es eine übergeordnete Instanz, die Einsätze von Polizei, Feuerwehr und Hilfsdiensten bündelt.

Das ist auch deshalb notwendig, weil Katastrophen selten an Bezirksgrenzen haltmachen – je mehr Stadtteile betroffen sind, desto komplizierter wird die Lage im jetzigen System. Ziehen etwa schwere Stürme über Berlin hinweg, erleichtert eine zentrale Führung die Koordination erheblich.
Berlin muss sich besser für Katastrophen wappnen
Ein Landesamt für Katastrophenschutz hätte zudem den Vorteil, dass die Zusammenarbeit mit dem Bund deutlich einfacher würde. Bundeswehr und THW verfügen über schweres Gerät und Spezialfahrzeuge wie Tankwagen, die bei Stromausfällen oder größeren Schadenslagen eingesetzt werden können.
Berlin müsste dadurch nicht jede technische Ressource selbst vorhalten. Schnelle, abgestimmte Unterstützung ließe sich über feste Absprachen mit dem Bund sicherstellen – ein Punkt, den ein Katastrophenschutzamt aktiv vorbereiten könnte.

Da durch den Klimawandel die Wahrscheinlichkeit schwerer Wetterereignisse und anderer Krisen weiter steigt – und auch die mutmaßlich für den Stromausfall verantwortliche Vulkangruppe weitere Anschläge angekündigt hat –, braucht die Hauptstadt eine zentrale Behörde, die langfristig plant und im Ernstfall handlungsfähig bleibt.
Berlin braucht Bayerns Hilfe, wie peinlich
Experten aus Bayern müssen derzeit Kai Wegner und den Berliner Katastrophenschutz unterstützen. Anlass dafür ist der jüngste Stromausfall, der gezeigt hat, wo es organisatorische Lücken gibt. Beteiligt sind das THW, Hilfsorganisationen wie BRK und DRK sowie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK). Sie helfen dabei, die Koordination zu verbessern und fehlende Kapazitäten auszugleichen.

Die Botschaft dahinter ist klar: Berlin braucht zunehmend bundesweite Hilfe, um regionale Schwächen zu kompensieren und die Krisenresilienz zu stärken. Das ist für eine Bundeshauptstadt natürlich etwas peinlich.
Dieser Berliner Bezirk hat gar keinen Katastrophenschutz
Wie bereits oben angerissen, sind alle Berliner Bezirke als untere Katastrophenschutzbehörden zuständig und müssen entsprechende Beauftragte oder Abteilungen für Katastrophenschutz haben. Sie sind für die Gefahrenabwehr vor Ort verantwortlich, müssen beispielsweise Krisenstäbe einrichten, Notunterkünfte organisieren und Bevölkerungsschutz koordinieren.
Für diese Aufgaben muss es eigentlich in jedem Bezirk Ansprechpartner geben – für eine schlimme Lage wie den jüngsten Stromausfall. Doch nicht einmal das ist überall der Fall! Im Bezirk Lichtenberg beispielsweise gibt es schon seit mehreren Monaten keinen aktiven Katastrophenschutzbeauftragten mehr.





