Am Montagabend fand in Steglitz-Zehlendorf eine Veranstaltung mit Kai Wegner statt – der Regierende Bürgermeister klappert schrittweise all seine Bezirke ab, um den Berlinern Rede und Antwort zu stehen. Der Zeitpunkt für seinen Besuch im Südwesten hätte kaum besser sein können. Denn im betroffenen Steglitz-Zehlendorf hat man den fatalen Stromausfall natürlich noch nicht vergessen.
Steglitz-Zehlendorf nimmt Wegner in die Mangel
Man hat auch nicht vergessen, wie Wegner mit der Krise umgegangen ist. Ein großer Kritikpunkt: sein Tennisspiel am Samstagnachmittag, während 45.000 Haushalte ohne Strom sich fragten, wie sie in der Kälte zurechtkommen sollen. Mit dieser Verfehlung haben die Steglitz-Zehlendorfer den Bürgermeister nun selbstverständlich konfrontiert.
Im Dahlemer Harnack-Haus lädt Kai Wegner am Montagabend zum offenen Bürgergespräch ein. Viele der rund 50 Gäste kamen wohl, um endlich eine Entschuldigung zu hören. Ein Berliner kritisiert den Regierenden auch direkt: „Es hätte gutgetan, sich zu entschuldigen, warum Sie so spät reagiert haben.“
Doch um Verzeihung bittet Wegner auch bei dieser Gelegenheit nicht. Stattdessen die immer gleichen Ausflüchte: „Ich hatte ein ungutes Gefühl, deshalb habe ich mich ans Telefon gesetzt“, sagt er über sein Homeoffice am Krisensamstag.

Vor Ort hätte er dann ganz viele Telefonate nicht führen können. Sagt er. Wegner versucht, sich mit dem Netzausfall herauszureden. Doch viele Anwesende sind mit der Antwort unzufrieden. „Aber man muss doch ein Signal geben“, entgegnet eine Berlinerin. „Hätten Sie nicht Tennis gespielt, hätten Sie auch mehr telefonieren können!“
Am Ende gibt es doch Applaus für Wegner
Viele Berliner äußern am Abend Kritik an Wegner. Andere Bürger halten auch dagegen: Die „flächendeckende mediale Verurteilung“ von Wegners Krisenmanagement gehe ihm zu weit, so ein Mann. Man solle endlich mal aufhören, allein über das Tennisspiel zu reden, und sich um die wirklich wichtigen Dinge kümmern. Dafür gab es tosenden Applaus.

Am Ende erntet Wegner Beifall, weil er sich erneut für den starken Einsatz der Berliner Einsatz- und Rettungskräfte bedankt. Bei den Experten, die das Stromnetz früher als erwartet repariert haben. Dass der Bürgermeister sich für die Täter „eine hohe Strafe“ wünschte, gefiel den Betroffenen ebenfalls. Die Berliner aus Steglitz-Zehlendorf wirkten sichtbar erleichtert, dass der Spuk nun endlich vorbei ist.
Ob sie das Ganze bis zur großen Berliner Abgeordnetenhauswahl im September vergessen haben werden, wird sich zeigen. Weitere Themen des Bürgergesprächs waren die vielen Baustellen in Steglitz – Wegner versprach einen neuen Koordinator, der Abhilfe schaffen soll – und das leidige Anwohnerparken. Auch hier versprach der Politiker natürlich eine Lösung.




