Wer seine Bürger dazu motiviert, mindestens 500 Kaffeepackungen zu spenden, der bekommt 2500 Euro für die Kältehilfe – das ist die so schöne wie witzige Idee, die sich Kaffeewette nennt. Seit 2019 beteiligen sich alle Berliner Bezirke daran, nur Friedrichshain-Kreuzberg nicht. Die wittern dahinter eine Vorteilsannahme und schalteten die Senatskanzlei ein. Das Ergebnis? Kai Wegner stimmt zu – und verbietet die Spendenaktion!
Die Aktion, die vor rund sieben Jahren ins Leben gerufen wurde, war in diesem Jahr vom 19. Januar bis zum 5. Februar geplant. Bürger sollen in der Zeit in Rathäusern und Bibliotheken Kaffeepackungen abgeben, parallel wetten Einzelhändler auf die gespendeten Mengen und spenden dafür dann Geld an die Kältehilfe im jeweiligen Bezirk.
Gratiswerbung durch Kaffeewette? Wegner hat Bedenken
Dass die Unternehmen dabei gut wegkommen, fand der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gefährlich – es sei ja quasi Gratiswerbung. Man schaltete Juristen und Korruptionsbekämpfer, wie Medien berichteten, und am Ende als Bezirksaufsicht sogar die Senatskanzlei. Damit erreichten sie ihr Ziel. „Die Senatskanzlei informierte die Berliner Bezirke darüber, dass nach der Entscheidung des Regierenden Bürgermeisters der Verdacht auf Käuflichkeit oder Bestechlichkeit bestünde“, teilt etwa das Bezirksamt Neukölln mit.

„Wie bei allen öffentlichen Aktionen schauen wir genau hin, wie die Kaffeewette umgesetzt werden kann. Daran arbeiten wir gerade – mit dem klaren Ziel, den positiven Kern der Idee zu bewahren“, heißt es von Senatssprecherin Christine Richter auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Doch der Schaden ist schon jetzt angerichtet. Laut Reinickendorfer Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) erklärten beteiligte Unternehmen als Wettpaten nun ihren Rückzug aus der Kaffeewette.
Verbot der Kaffeewette schockiert Bürgermeister
Die Bezirksbürgermeister zeigen sich schockiert über die Einschätzung – der Vorwurf sei absurd. Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) sprach von einem Schlag ins Gesicht für engagierte Unternehmen und Bürger, die ein Zeichen des Zusammenhalts hätten setzen wollen. Und er wundert sich: „Spenden für das Hoffest des Regierenden Bürgermeisters sind möglich – aber nicht für die Obdachlosen in Berlin.“


