Lieber Kai Wegner, eigentlich wollte ich zu dem Stromausfall schweigen. Aber was Sie da als Regierender Bürgermeister am Montagabend bei einem Vor-Ort-Gespräch vor betroffenen Bürgern des Stromausfalls in Steglitz-Zehlendorf von sich gegeben haben – da platzt mir nun doch der Kragen!
Herr Wegner, fällt Ihnen die Entschuldigung so schwer?
Es geht um zwei Sätze. Den ersten haben Sie, Herr Wegner, bis heute nicht gesagt – die längst fällige Entschuldigung für ein Fehlverhalten.
Dass ist es aber, wenn man in den ersten Stunden einer Krisensituation als Regierender mit seiner Liebsten 60 Minuten lang zwischendurch Tennis spielt, statt das zu machen, für das Sie einen Eid geschworen haben!
Zur Erinnerung: Sie schworen, als Regierender alles zu machen, um ihr Amt zum Wohle der Menschen in dieser Stadt gewissenhaft auszuüben. „So wahr mir Gott helfe“, hatten Sie im April 2023 beim Regierungsantritt gesagt. Ein Tennisspiel mit der Partnerin, während andere in Not sind, muss man sich dann verkneifen.
Handy lag beim Tennis auf dem Tisch. Auch auf dem Platz?
Der zweite Satz, der wütend macht, ist ihre jüngste Darstellung, warum Sie sich nicht entschuldigen müssen. Sie waren ja beim Tennis ständig erreichbar! Den Menschen in Steglitz-Zehlendorf sagten sie am Montag: „Beim Sport lag mein Handy, wie hier, auf dem Tisch! Ich wäre also erreichbar gewesen. Ich war erreichbar!“
Sorry, Herr Wegner: Dann haben Sie also Tischtennis gespielt? Denn auf einem normalen Tennisplatz gibt es keinen Tisch in unmittelbarer Nähe des Spielers, auf dem ein Handy liegen könnte!
Scheißgefühl, wie in einem Kühlschrank zu leben
Ja, Herr Wegner, ich bin wütend! Ich gehörte zu den Berlinern, die am Jahresanfang fünf Tage lang kein Licht und keine Wärme hatten. Ehrlich, es machte keinen Spaß, auch tagsüber im Dunkeln zu sitzen, weil man an den Fenstern die Jalousien herunterließ, damit die Räume nicht auskühlen.
Und ehrlich, es machte auch keinen Spaß, fünf Tage lang zu erfahren, wie es sich anfühlt, in einem Kühlschrank leben zu müssen. Lieber Herr Wegner, ich kann Ihnen sagen: Es ist ein Scheißgefühl, zu spüren, wie ein Tag nach dem anderen die frostige Kälte von draußen immer mehr durch die Wände ins Innere des Hauses kriecht – und man sich fragt: Wie lange hält man das noch durch?
Ja, ich hätte mit meiner Familie in eine Notunterkunft gehen oder weit weg vom Schuss in ein Hotel ziehen können. Auch bei Freunden hätte wir Obdach bekommen. Verschwinden, raus aus der unbeleuchteten und finsteren Siedlung und hoffen, dass schon kein Einbrecher kommt und die Notlage ausnutzt, dass Menschen ihr Zuhause verlassen mussten.

Aber meine Frau und ich hatten ganz andere Sorgen, die uns zum Bleiben bewogen. Denn von unserem Zuhause gut zu erreichen war das Krankenhaus, in das mein Vater nach einer OP am Herzen verlegt worden war. Zum Glück blieb die Klinik vom Stromausfall verschont.
Und dann waren da noch meine Schwiegereltern, die in der Nähe lebten. Sie waren ebenfalls vom Stromausfall betroffen – und wir wollten sie in dieser Situation auch nicht alleine lassen.
Stromausfall: Wir hatten andere Sorgen als Tennis
Herr Wegner, in so einer Situation hätten wir uns auch gerne eine Stunde gegönnt, um den Kopf frei zu bekommen. Denn viele vom Stromausfall Betroffene wussten anfangs gar nicht, was sie zuerst machen sollten.
Die einen suchten nach Notquartieren. Meine Frau und ich hatten eine Odyssee hinter uns, um ein Notstromaggregat zu bekommen, damit etwas Strom für Licht und Wärme da ist. Zum Glück gibt es Freunde, die helfen. Etwa mit einem Campingkocher, um einen warmen Kaffee zu kochen.




