Vor der Regierungserklärung

Kai Wegner bleibt zum Tennis-Spiel im Ausreden-Modus

Am Donnerstag will sich Berlins Regierender Bürgermeister in einer Regierungserklärung zum Stromausfall und seinem Tennis-Match äußern.

Author - Tobias Esters
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Wollte den Kopf freikriegen beim Tennis: Berlins Regierender Kai Wegner
Wollte den Kopf freikriegen beim Tennis: Berlins Regierender Kai Wegnerkai-wegner.de

Der Strom ist längst zurück im Südwesten Berlins. Auch die meisten Heizungen laufen wieder. Doch für Berlins Regierenden Bürgermeister ist das Thema aktueller denn je. Kai Wegner gibt am Donnerstag im Abgeordnetenhaus eine Regierungserklärung zum Krisenmanagement nach dem Stromausfall ab. Tatsächlich aber wird es vor allem um ihn selbst gehen. Um eine Stunde Tennis am ersten Tag der Krise. Und um einen Vertrauensverlust, der bleibt.

Eine Stunde Tennis in der Krise

Denn während Anfang Januar bei Minusgraden rund 100.000 Berliner ohne Strom, Wärme und zeitweise auch ohne Handyempfang waren, spielte Wegner Tennis. Von 13 bis 14 Uhr, am ersten Tag des Blackouts. Genau diese Stunde erwähnte er zunächst nicht, als er öffentlich erklärte, wie er die Krise gemanagt habe.

Seitdem folgt eine Ausrede der nächsten. In einem Interview mit dem SPIEGEL erklärt Wegner: „Mein Smartphone ist nie abgeschaltet.“ Beim Tennis habe es auf der Seitenbank gelegen, dort, „wo die Tennistasche steht“. Und wenn das Handy dort liege, sagt Wegner, „hört man es selbstverständlich“.

Er sei „immer mal wieder zur Bank gegangen“, um zu prüfen, ob Nachrichten eingegangen seien. Außerdem erklärt Wegner, er hätte vor Ort ohnehin kaum helfen können, weil im betroffenen Gebiet zeitweise das Mobilfunknetz ausgefallen sei – er hätte dort nicht telefonieren können. Erklärungen, die bei vielen Berlinern eher Kopfschütteln als Verständnis auslösen.

Nach einem Stromausfall blieb die Osdorfer Straße in Lichterfelde ohne Beleuchtung.
Nach einem Stromausfall blieb die Osdorfer Straße in Lichterfelde ohne Beleuchtung.Michael Ukas/dpa

Für viele geht es nicht darum, ob ein Handy in der Tennishalle klingelt. Sondern darum, warum Berlins Regierender Bürgermeister mitten in einer eskalierenden Krise Tennis spielt.

Wegner redet alles klein

Wegner versucht, die Aufregung kleinzuhalten. Er sagt in dem Bericht, er wisse nicht, ob es einen Unterschied gemacht hätte, „wenn ich eine Stunde joggen gewesen wäre“. Er habe Sport gebraucht, „um den Kopf freizukriegen“. Sätze, die für Spott im Internet und auf Berlins Straßen sorgen und inzwischen sinnbildlich für die Affäre stehen.

Brisantes Foto auf Wegners Homepage

Brisant ist auch, dass Wegner selbst Tage nach Bekanntwerden der Affäre auf seiner offiziellen Homepage weiterhin mit einem Foto wirbt, das ihn beim Tennisspielen zeigt. Ein Bild, das früher sportliche Bodenständigkeit vermitteln sollte, wirkt nun wie ein Hohn auf all jene Berliner, die damals im Kalten saßen. Öffentlich erklärte er, er sei den ganzen Tag am Telefon gewesen, habe koordiniert und organisiert. Die Stunde auf dem Tennisplatz tauchte in dieser Darstellung nicht auf.

Erst Tage später kam sie ans Licht. Seitdem steht nicht nur Wegners Krisenmanagement in der Kritik, sondern auch seine Glaubwürdigkeit. Die Opposition spricht von Lüge. Die AfD fordert seinen Rücktritt. Selbst in der CDU ist intern von einem kommunikativen Desaster die Rede.

Bundeskanzler Gerhard Schröder 2002 im Katastrophengebiet an der Elbe.
Bundeskanzler Gerhard Schröder 2002 im Katastrophengebiet an der Elbe.imago-images

Dabei hätte Wegner die Krise politisch auch nutzen können. Als 2002 die Elbe und ihre Nebenflüsse in Sachsen über die Ufer traten, zeigte sich der damalige Kanzler Gerhard Schröder demonstrativ in Gummistiefeln in den Flutgebieten. Die Bilder gingen um die Welt und halfen ihm wenige Monate später beim Wahlsieg gegen Edmund Stoiber.

Der Berliner Stromausfall hingegen wurde für Kai Wegner zum politischen Stolperstein. Seine Karriere geriet dabei stärker ins Schlittern, als viele Berliner zuletzt auf den spiegelglatten Gehwegen.

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