Der Druck wächst

Tennis-Blackout wird Kai Wegner nicht mehr los

Patzer können Karrieren ruinieren. Droht das auch Kai Wegner? Der KURIER zeigt Politiker, für die Fehler das Aus bedeuteten.

Author - Sebastian Krause
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Droht nach dem Tennis-Patzer Kai Wegner das Aus?
Droht nach dem Tennis-Patzer Kai Wegner das Aus?IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Vor einer Woche saßen große Teile von Berlin im Dunkeln. Mehrere zehntausend Menschen hatten wegen eines Anschlags der linksextremistischen „Vulkangruppe“ auf eine Kabelbrücke über dem Teltowkanal keinen Strom mehr. Tagelang mussten sie ohne Licht ausharren, im Kalten sitzen – voller Angst und Sorgen.

„Einfach den Kopf freikriegen“

Und was machte an jenem Samstag der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU)? Der spielte Tennis, weil er „einfach den Kopf freikriegen wollte“. Das räumte er allerdings erst auf Nachdruck der Öffentlichkeit am Mittwoch ein – also vier Tage nach dem Anschlag. Davor hatte er stets beteuert, „seit 8.07 Uhr“ am Telefon gesessen und mit den zuständigen Behörden telefoniert zu haben. Nun könnte ihn dieses Tennismatch den Kopf kosten.

Politiker-Patzer sind in der Vergangenheit nur selten gut ausgegangen. Die meisten von ihnen führten zu einem radikalen Karriereknick. Manch einer hat sich bis heute davon nicht mehr erholt.

Lacher kostet Laschet Kanzlerschaft

Armin Laschet zum Beispiel wollte im Sommer 2021 die Bundestagswahl für die CDU gewinnen. Der damalige Kanzlerkandidat lachte jedoch bei einem Besuch in den Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen. Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor Fernsehkameras den Opfern der Hochwasserkatastrophe sein Mitgefühl aussprach, scherzte Laschet mit einem Parteikollegen. Ein Patzer, der ihm alle Chancen auf das Kanzleramt raubte.

Die bis dahin guten Umfragewerte der Union brachen ein und erholten sich nicht mehr. Die Bundestagswahl im September 2021 gewann letztlich die SPD. Olaf Scholz wurde Kanzler.

Spiegel flüchtet während der Flut in den Urlaub

Die Flutkatastrophe im Ahrtal forderte noch ein weiteres politisches Opfer: Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen). Die damalige Bundesfamilienministerin war zuvor rheinland-pfälzische Landesumweltministerin und damit für den Hochwasserschutz zuständig. Zum Verhängnis wurden ihre unzureichende Kommunikation während der Flut und ein vierwöchiger Familienurlaub nach Frankreich – und das nur zehn Tage nach der Katastrophe.

Die Kritik daran führte letztlich zu ihrem Rücktritt als Bundesfamilienministerin. Von der großen Politik ist sie seitdem verschwunden. Im Mai soll sie als Dezernentin für Soziales, Familie und Jugend der Region Hannover tätig werden.

Lambrecht werden Foto und Video zum Verhängnis

Welche Außenwirkung Fotos und Videos entfachen können, musste die ehemalige Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) erfahren. Ihr wurde unter anderem ein Foto negativ ausgelegt, das ihren Sohn bei der Mitreise in einem von ihr genutzten Bundeswehrhubschrauber zu einem Truppenbesuch in Schleswig-Holstein zeigt. Anschließend ging es für beide nach Sylt in den Urlaub weiter.

Zudem irritierte Lamprecht mit einer Neujahrsbotschaft auf Instagram. Dabei sprach sie über den Ukraine-Krieg. Das Silvesterfeuerwerk im Hintergrund war jedoch so laut, dass man ihre Stimme kaum hören konnte. Zudem gab es bereits monatelange Kritik an ihrer Amtsführung. Letztlich trat sie im Januar 2023 zurück. Aus der großen Politik hat sie sich weitestgehend zurückgezogen. Heute ist sie unter anderem Kuratoriumsmitglied der DFB-Stiftung Sepp Herberger, Schriftstellerin oder engagiert sich gesellschaftlich.

Homestory führt zur Entlassung von Scharping

Mit Fotos kennt sich auch Rudolf Scharping (SPD) aus. Einer der Vorgänger von Lambrecht stolperte über Homestory-Fotos, die ihn mit seiner neuen Lebensgefährtin im Swimmingpool auf Mallorca zeigten. Die Zeitschrift „Bunte“ veröffentlichte die Fotos mit Kristina Gräfin Pilati-Borggreve, während gleichzeitig die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand.

Von da an wurde Scharping in der Öffentlichkeit besonders kritisch beäugt. Auch sein Ansehen und Respekt in der Bundeswehr nahmen ab. Im Juli 2002 folgte schließlich die Entlassung. Seit seinem Ausscheiden aus dem Bundestag hat er sich aus der öffentlichen Politik weitgehend zurückgezogen.

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