Kurz nach 11 Uhr ging den Menschen im Südwesten Berlins nach und nach wieder ein Licht auf. Schluss mit dem Leben in Dunkelheit und Kälte, das die meisten der über 45.000 vom Stromausfall betroffenen Familien fünf Tage lang durchmachen mussten. Freude und Erleichterung bei vielen, so auch in Berlin-Wannsee. Doch nicht jeder war dort sofort glücklich. Denn das Brummen der Notstromaggregate war noch nicht vorbei.
Der Anfang vom Ende des Blackouts sorgte erst einmal für ein Phänomen. Was in den fünf Tagen des Stromausfalls selten geschah: Plötzlich war die Polizei auf fast allen Straßen im Katastrophengebiet präsent, als es am Mittwochmittag in vielen Wohnungen schon wieder Licht gab.

Mit Lautsprecherwagen fuhren die Ordnungshüter durch Wannsee. Ihre Botschaft: Bald gibt es in allen Wohnungen Strom, und wenn er da ist, sollte man bitte nicht sofort alle Elektrogeräte einschalten.
Strom wieder da, Jubel beim Bäcker, Polizei macht Durchsagen
Als der Lautsprecherwagen der Polizei in der Chausseestraße in Wannsee vorbeifährt, wird dort bereits gejubelt. Auch beim Bäcker „Aux Delicares Normands“ ist man froh, dass jetzt der Laden endlich wieder mit richtigem Strom läuft.

„Am Dienstag hatten wir schon über ein Notstromaggregat Energie bekommen, damit wir das Geschäft öffnen konnten. Nun haben wir endlich gesicherte Energie“, sagt Filialleiter Klaus-Dieter Hensel (72). Er und seine Frau Ramona (63) sind überglücklich, die Menschen wieder mit Brot, Schrippen und Kuchen versorgen zu können – und ihnen wieder frischen Kaffee anbieten zu können. Lebensmittel im Geschäft sind ihnen während des Stromausfalls nicht verdorben.
Auf der Straße trifft der KURIER-Reporter auf viele Menschen, die froh sind, dass die Strapazen der vergangenen Tage endlich vorbei sind. „Ich bin froh, wieder zuhause zu sein“, sagt Anja Nawrad (46), die mit ihren Kindern Paul (9), Fin (11) und Emilia (7) während des Stromausfalls zu Angehörigen in Charlottenburg flüchten konnte. „Nur mein Mann blieb daheim. Ich war glücklich, als er anrief, dass bei uns um 11.11 Uhr der Strom anging.“

Viele Wannseer sind in ihren Wohnungen und Häusern geblieben. Es ging ihnen nicht nur darum, ihr Zuhause vor dem Zugriff von Einbrechern zu schützen. „Wir waren auch in Sorge, dass die Wasser- und Heizungsleitungen durch den Frost zerstört werden könnten“, sagt Philine Wangemann (65). „Das war eines unserer großen Probleme und nicht, dass wir durch den Stromausfall kein Internet mehr hatten.“

Philine Wangemann ist dankbar über die Hilfe, die die Menschen im Südwesten Berlins von außerhalb bekamen. Mit einem Dankesschild ist die Frau zu Feuerwehrleuten aus Mönchengladbach unterwegs, die mit einem Notstromaggregat ihrer Feuerwehr dafür sorgten, dass in Wannsee eine Kita bald wieder öffnen kann. „Dann werden die Kinder wieder versorgt sein und ihre Eltern können sorgenfrei zur Arbeit gehen. Das war eine große Hilfe, die Kita mit Strom zu versorgen“, sagt Wangemann.

Die Feuerwehrleute rückten samt Gerät ab. Aber in Wannsee sind dennoch Notstromaggregate von Energieversorgern oder dem THW zu sehen und das Brummen der Geräte zu hören. Etwa in der Alsenstraße, wo ein solches Gerät noch am Nachmittag vor der Conrad-Schule steht. Ein paar Meter weiter arbeiten Mitarbeiter an einer Verteilerstation, damit endlich in allen Häusern der Straße wieder die Lichter angehen können.
Stromausfall: Jan Michno kann sich nicht freuen
Darüber wäre auch Jan Michno (60) aus der Alsenstraße glücklich. Doch er ist bitter enttäuscht, als er Decken und Matratzen aus seinem Wagen holt, um sie in seine Wohnung zu bringen. Denn diese ist noch immer ohne Licht und auch noch bitterkalt.

„Mein Sohn und ich waren in einer Unterkunft in Moabit während des Stromausfalls untergebracht“, sagt er. „Vor einer Stunde bekam ich die Nachricht, dass es wieder Strom in unserer Straße gibt. Jetzt bin ich hier und kein Strom ist da!“
Während er dies sagt, hört man aus einem gegenüberliegenden Grundstück erneut das Dröhnen eines Notstromaggregates.



