Skandal bei Stadtreinigung

So eskaliert die Gewalt gegen BSR-Mitarbeiter

Sie halten unsere Stadt sauber und werden dafür auch noch angegriffen! Die BSR-Chefin berichtet, was ihre Mitarbeiter ertragen müssen.

Author - Sharone Treskow
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Die BSR-Mitarbeiter haben vermehrt mit Angriffen zu tun.
Die BSR-Mitarbeiter haben vermehrt mit Angriffen zu tun.Sabine Gudath/imago

Es ist ein Job, den nicht viele machen wollen – der aber gemacht werden muss: Stadtreinigung. Ohne die Mitarbeiter der BSR würde Berlin buchstäblich im Müll versinken. Trotzdem werden die Frauen und Männer, die unsere Hauptstadt in Knochenarbeit sauber halten, nicht von allen geschätzt. Ganz im Gegenteil: Die BSR-Chefin macht jetzt auf ein gestiegenes Gewaltproblem aufmerksam.

BSR-Recyclinghöfe sind ein Gewalt-Hotspot geworden

Stephanie Otto ist seit 2019 die Chefin der Berliner Stadtreinigung (BSR). Im Interview mit dem RBB24-Inforadio spricht sie nun offen über den Umgang der Berliner mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: „Im Grundsatz werden sie von den Berlinern geschätzt“, beginnt die 58-Jährige.

„Gerade nach so Aktionen wie Silvester oder dem Winterdienst werden die Kolleginnen und Kollegen oft angesprochen, wir bekommen auch viele positive Mails“, freut sich Otto. „Weil man das im Grundsatz schon zu wertschätzen weiß.“ Doch es gibt leider auch ein anderes Lager.

Stephanie Otto, Vorsitzende des Vorstandes der Berliner Stadtreinigung (BSR), macht auf eine beunruhigende Entwicklung aufmerksam: Es gibt immer mehr Gewalt gegenüber der BSR.
Stephanie Otto, Vorsitzende des Vorstandes der Berliner Stadtreinigung (BSR), macht auf eine beunruhigende Entwicklung aufmerksam: Es gibt immer mehr Gewalt gegenüber der BSR.Maurizio Gambarini/Funke Foto Services/imago

„Ja, es ist so, dass wir ein Stück weit Angriffsfläche bieten für Bürgerinnen und Bürger, die unzufrieden sind. Sei es jetzt mit dem Leben insgesamt oder unseren Leistungen – das sei jetzt mal dahingestellt“, erklärt Otto. „Leider ist das ein Phänomen, das wir jetzt stärker beobachten. Insbesondere auf den Recyclinghöfen und auch im Bereich der Reinigung.“

BSR-Mitarbeiter werden von Autos angefahren

Womit müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BSR sich konkret herumschlagen? „Es ist so, dass wir besonders in 2024/25 feststellen müssen, dass auf den Recyclinghöfen die Mitarbeiterinnen sexuell anzüglich herabgewürdigt, beleidigt wurden“, schildert Otto.

„Mitarbeitenden wurde aufgelauert, Mitarbeitende wurden auch mit Flaschen beworfen oder mit dem Auto angefahren“, berichtet die BSR-Chefin weiter. „Alles Dinge, die über jegliches Maß hinausgehen.“

Der BSR Mahlsdorf Recyclinghof Rahnsdorfer Straße in Berlin. Hier kommt es häufiger zu Gewaltvorfällen.
Der BSR Mahlsdorf Recyclinghof Rahnsdorfer Straße in Berlin. Hier kommt es häufiger zu Gewaltvorfällen.Maurizio Gambarini/Funke Foto Services/imago

„Wir stellen auch fest, dass die Bürgerinnen und Bürger in Einzelfällen ein sehr hohes Aggressionspotenzial mitbringen. Sei es, weil man vielleicht länger warten musste, als man dachte“, erklärt Otto. Man müsse auch oft Diskussionen führen, was die Überwachung an den Recyclinghöfen angeht: „Weil wir Kameras hängen haben, um Diebstähle zu verhindern.“

Die BSR soll Sicherheitsleute bekommen

Doch die Recyclinghöfe sind nicht allein das Problem. „Auch in der Straßenreinigung“ komme es zu Gewaltvorfällen gegenüber der BSR. „Es gibt ein paar Hotspots, wenn man da unterwegs ist, schicken wir die Mitarbeitenden bewusst nicht mehr allein in die Parks“, sagt Otto. „Wir überlegen auch, zukünftig Sicherheitsstreifen dazuzugeben.“

Die BSR-Chefin berichtet, dass ihre Mitarbeiter glauben, mit der Gewalt klarkommen zu müssen. Das möchte sie gerne ändern.
Die BSR-Chefin berichtet, dass ihre Mitarbeiter glauben, mit der Gewalt klarkommen zu müssen. Das möchte sie gerne ändern.Sabine Gudath/imago

Wie gehen die Mitarbeiter damit um? „Wie sie immer damit umgehen: Sie sagen, das ist ein Problem, dem wir uns stellen“, erklärt Otto, lenkt aber ein: „Wir haben unsere Mitarbeitenden dazu angehalten, dass man das nicht ertragen muss, nur weil man im Sinne der BSR unterwegs ist.“

Was tut Berlin dagegen, dass die BSR angegriffen wird?

Dass die BSR vermehrt mit Gewalt zu tun hat, sollte natürlich auch von der Berliner Regierung verhindert werden. „Wir werden bald einen Termin mit dem Regierenden Bürgermeister und Frau Spranger haben, um zu schauen, wie man damit in der Stadtgesellschaft insgesamt umgehen möchte“, berichtet Otto.

Stephanie Otto wünscht sich mehr Aufmerksamkeit vonseiten der Politik.
Stephanie Otto wünscht sich mehr Aufmerksamkeit vonseiten der Politik.Maurizio Gambarini/Funke Foto Services/imago

Was wünscht sie sich in diesem Fall von der Politik? „Dass wir das Thema ernst nehmen, dass wir ein Bewusstsein dafür entwickeln können. Es braucht gemeinsame Lösungen.“

Wie groß ist das Problem mit Müll-Dieben?

Immer wieder ist von Diebstählen auf Recyclinghöfen die Rede. Denn sie heißen nicht umsonst auch „Wertstoffhof“. „Ihr nennt es Abfall, wir nennen es Wertstoff“, steht auf den Müllwagen. Das sehen auch Langfinger so, die sich auf den BSR-Höfen tummeln.

„Fast alle BSR-Recyclinghöfe werden daher mit Videotechnik überwacht“, heißt es auf eine KURIER-Anfrage. „Um die Liegenschaften vor Diebstahl zu schützen.“ Die Videoüberwachung habe auch bereits zu polizeilichen Festnahmen und entsprechenden Strafanzeigen geführt. Aus Sicherheitsgründen könne die BSR keine weiteren Angaben zu dem Thema machen.

Auf Recyclinghöfen wird viel geklaut.
Auf Recyclinghöfen wird viel geklaut.Action Pictures/imago

Das Ziel der Diebe: Elektroschrott, wie Tablets und Notebooks. In Mahlsdorf gelang es der Polizei, drei junge Männer festzunehmen, die zuvor Elektroschrott von einem BSR-Recyclinghof gestohlen hatten.

Und ein weiteres ungewöhnliches Diebesgut lockt Kriminelle. Die Entsorgungsbranche beklagt Altfett-Diebstahl aus Restaurants. Denn für eine Tonne altes Frittieröl werden bis zu 900 Euro bezahlt. Genutzt wird es etwa zur Herstellung von Biodiesel.

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