Berlin rutscht

Umweltsenatorin will Streusalz-Verbot kippen – kommt jetzt die Wende?

Spiegelglatte Gehwege in Berlin! Umweltsenatorin Bonde fordert Ausnahmen vom Streusalz-Verbot – für mehr Sicherheit bei extremer Glätte.

Author - Sharone Treskow
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Die Menschen in Berlin rutschen der Reihe nach aus. Jetzt sagt sogar die Umweltsenatorin, dass wir Streusalz brauchen.
Die Menschen in Berlin rutschen der Reihe nach aus. Jetzt sagt sogar die Umweltsenatorin, dass wir Streusalz brauchen.Pierre Rouanet / Imago

Es ist ein gefährliches Wechselspiel am Dienstag: Schnee und Eis tauen – und frieren dann wieder ein. Das Ergebnis sind spiegelglatte Gehwege. Kaum irgendwo wird vernünftig gestreut, wobei Sand und Split auch nur bedingt helfen. Jetzt lenkt sogar die Berliner Umweltsenatorin ein: Vielleicht sollten wir das Streusalz-Verbot endlich aufheben, damit sich nicht alle Hauptstädter die Knochen brechen ...

Umweltsenatorin fordert Streu-Ausnahme

Bei akuter Glatteisgefahr sollte nach Ansicht von Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) der Einsatz von Streusalz in Berlin ausnahmsweise möglich sein. Angesichts aktueller Glättewarnungen forderte Bonde jetzt vom Abgeordnetenhaus eine schnelle gesetzliche Anpassung, damit „wir in Fällen von extremer Glätte ausnahmsweise die Verwendung von Tausalz ermöglichen können“.

Derzeit untersagen das Straßenreinigungsgesetz und das Naturschutzgesetz den Einsatz von Streusalz oder anderen Auftaumitteln auf privaten Grundstücken. Ausnahmen gelten bislang nur für die Stadtreinigung BSR auf bestimmten Straßen.

In Berlin lauert am Dienstag überall Glatteis.
In Berlin lauert am Dienstag überall Glatteis.Anja Mia Neumann/dpa

Mit einer Regelung für besondere Situationen könne „der Glätte auch durch Tausalz zeitlich begrenzt“ begegnet werden, so Bonde. „Damit soll sichergestellt werden, dass gerade auch Ältere und Menschen mit eingeschränkter Mobilität auch bei Winterglätte sicher durch die Stadt kommen.“

Wann wird endlich mit Salz gestreut?

Doch Bondes Forderung ist nur der Startschuss. Das heißt noch lange nicht, dass das Streusalzverbot (wie in Hamburg) in der Hauptstadt tatsächlich aufgehoben wird – schon gar nicht rechtzeitig. Am Dienstag müssen Berliner also an vielen Stellen weiterrutschen.

Warum sich alle so anstellen bei dem Thema? Das Berliner Naturschutzgesetz untersagt Auftaumittel im privaten Gebrauch, weil diese Bäume und andere Vegetation nachhaltig schädigen. Das Salz reichert sich im Boden an, schädigt die Wurzeln der Bäume und kann zum Absterben der Pflanzen führen, heißt es im Umweltportal der Stadt. „Streusalz ist eine echte Gefahr für die Bäume.“

Umweltsenatorin Ute Bonde lenkt ein, dass man Alte und Kranke bei dieser Glätte schützen müsse.
Umweltsenatorin Ute Bonde lenkt ein, dass man Alte und Kranke bei dieser Glätte schützen müsse.Jürgen Heinrich / Imago

Wer rebelliert und trotzdem Streusalze oder andere Auftaumittel in Berlin verwendet, riskiert aktuell ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro. Diese Maßnahmen sind lediglich der Berliner Stadtreinigung (BSR) vorbehalten, auf bestimmten Fahrbahnen, wie Autobahnen oder Hauptverkehrsstraßen.

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