Verhandlungen starten

Berlin drohen Streiks bei BVG und S-Bahn

Neue Tarifrunden bei BVG und Bahn. Mehr Geld, mehr Urlaub: Gewerkschaften sind bereit für den Arbeitskampf.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Warnstreik bei der BVG vor einem Jahr: Dass kein Bus rollt, kann auch 2026 passieren.
Warnstreik bei der BVG vor einem Jahr: Dass kein Bus rollt, kann auch 2026 passieren.IMAGO/Jürgen Heinrich

Kaum ist der Mega-Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf überstanden, steht den Berlinern schon das nächste Chaos bevor. Es drohen Streiks bei den Berliner Verkehrsbetrieben und der S-Bahn. Grund sind Tarifverhandlungen bei BVG und bei der Bahn, bei denen es bekanntlich stets hart zur Sache geht – auf Kosten der Fahrgäste.

2026 wird ein echtes Kampfjahr. Diese Woche startete mit Warnstreiks an den Berliner Bühnen. Am Dienstag (13. Januar) soll an den DRK-Kliniken zwei Tage lang die Arbeit niedergelegt werden. Am 14. und 15. Januar wird es mit Warnstreiks an Kitas, Schulen, Behörden, bei der Polizei und Feuerwehr weitergehen. Und mitten drin beginnen am Dienstag neue Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und der BVG.

Tarifverhandlungen bei der BVG: Es geht um mehr Urlaub

Dabei gab es doch vor einem Jahr schon einmal Tarifverhandlungen! Mit harter Faust lenkte Verdi den Arbeitskampf zwischen Januar und März 2025. Fünf Warnstreiks gab es in dieser Zeit. An insgesamt acht Tagen fuhren keine Busse, Straßen- und U-Bahnen. Die Verhandlungen um mehr Lohn waren am Ende so festgefahren, dass nur durch eine Schlichtung der Tarifkonflikt gelöst werden konnte.

Streikende vor der BVG-Hauptverwaltung. 2025 gab es insgesamt fünf Warnstreiks in Berlin.
Streikende vor der BVG-Hauptverwaltung. 2025 gab es insgesamt fünf Warnstreiks in Berlin.IMAGO/Emmanuele Contini

Das Ergebnis: Verdi holte für die damaligen 16.600 BVG-Mitarbeiter 750 Euro mehr Monatslohn heraus. Die 300 Straßenbahnfahrer, knapp 2300 U-Bahnfahrer und etwa 3800 Busfahrer bekamen noch mehr Schichtzuschläge. 140 Millionen Euro mehr kostet der Deal jährlich den landeseigenen Verkehrsbetrieb. Bezahlt mit dem Geld der BVG-Fahrgäste (aktuell kostet eine Fahrt 4 Euro) und den Berliner Steuerzahlern.

„Jetzt wird um mehr Urlaub und um Arbeitszeiten verhandelt“, sagt der Berliner Verdi-Sprecher Kalle Kunkel. 33 Urlaubstage sollen alle BVG-Mitarbeiter (inzwischen etwa 18.000) bekommen und 500 Euro mehr Urlaubsgeld. Neue Schicht- und Pausenzeiten kommen noch dazu.

Neue Tarifrunde: Streiks bei BVG nicht ausgeschlossen

Warum man diese Punkte nicht vor einem Jahr mitverhandelte? „Damit man bei den schon ohnehin anstrengenden Verhandlungen zum Lohn nicht etwa noch Urlaubstage mit hineinverrechnet“, sagt ein Insider dem KURIER. Die Verhandlungen zu diesem sogenannten Manteltarifvertrag laufen alle zwei Jahre. Und auch bei diesen gab es 2024 Streiks. Arbeitsniederlegungen seien auch bei den jetzigen Runden nicht ausgeschlossen. „Bei Tarifverhandlungen sind Streiks generell nicht auszuschließen“, heißt es aus Verdi-Kreisen.

Neue Tarifrunde bei der Bahn: Streiks bei der S-Bahn drohen.
Neue Tarifrunde bei der Bahn: Streiks bei der S-Bahn drohen.IMAGO/Emmanuele Contini

Vergangenes Jahr hatten die Berliner ja noch Glück, als die BVG nicht fuhr. Sie konnten an den Streiktagen auf die S-Bahn ausweichen. Das könnte jetzt ein Problem werden. Denn auch bei der Bahn wird gerade um mehr Lohn verhandelt, es drohen Streiks im S-Bahn- und im Regionalverkehr.

GDL verhandelt: Streiks bei S-Bahn und Regio drohen

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) ist der Verhandlungspartner. Ihr einstiger Chef Claus Weselsky war wegen seiner Härte und Streikfreudigkeit beim Bahn-Konzern und bei den Fahrgästen gefürchtet. Nun ist er in Rente.

GDL-Chef Mario Reiß ist auch auf Streik eingestimmt.
GDL-Chef Mario Reiß ist auch auf Streik eingestimmt.Christian Schrödter/imago

Der neue GDL-Chef Mario Reiß (59) gilt zwar als etwas ruhiger als Vorgänger Weselsky. Unter anderem eine Erhöhung der Löhne und Schichtzuschläge von insgesamt acht Prozent will er für die GDL-Mitglieder erreichen. Bis Ende Februar soll das gelingen. So lange gibt es in dieser „Friedenspflicht“ keine Streiks.

So gemäßigt dies auch klingt: Auch der neue Gewerkschaftschef sagt klipp und klar, was passiert, wenn man in den Gesprächen nicht zu Potte kommt. „Unser Verhandlungspartner wird darüber entscheiden, ob wir jemals über Streik reden in dieser Tarifrunde“, sagt Reiß.

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