Berlin im Streikfieber! Nicht nur Mitarbeiter von Kliniken, Behörden, Polizei und Feuerwehr wurden zum Arbeitskampf aufgerufen – auch Erzieher. Am 14. und 15. Januar wird es ganztägige Warnstreiks an den landeseigenen Kitas geben. Für Eltern in Berlin wird das zu einer großen Belastungsprobe.
„Wird an einer Kita gestreikt, hat man als berufstätige Mutter in Vollzeitbeschäftigung ein Problem“, sagt Vivien Weber (40). Sie will gerade Sohn Kia (3) in die Kindertagesstätte „Veruschka“ in Berlin-Wannsee bringen. Es ist eine von 282 landeseigenen Kitas, in denen insgesamt 33.500 Kinder betreut werden und die nun alle vom Streik betroffen sind.
Streik an Kitas: Nicht jede Mutter kann Homeoffice machen
Kias Mutter erklärt: „Es ist schon schwierig, an Streiktagen für die Betreuung der Kinder zu sorgen, wenn man nicht gerade Hausfrau ist. Entweder bleibt ein Elternteil zu Hause, nimmt einen freien Tag oder bleibt im Idealfall im Homeoffice. Aber nicht in jedem Beruf geht das.“ Vivien Weber arbeitet als Labor-Mitarbeiterin in einer Berliner Klinik.
Was am Ende als Alternative bleibt, erklärt ergänzend eine andere Mutter, die aus der Kita „Veruschka“ hinauskommt: „So wie es gerade bei uns im Südwesten Berlins mit dem Stromausfall war – wir müssen unsere Kinder wieder in die Notbetreuung geben und hoffen, dass in der Kita genug Erzieher da sind.“

Constanze Javana, die Leiterin der Kita „Veruschka“, sagt, in der Kita werde es eine Notbetreuung an beiden Warnstreiktagen zwischen 7.30 und 16 Uhr geben. Darüber wurden die Eltern vor einer Woche informiert. Wie viele der 17 Mitarbeiter für Notbetreuung an den Streiktagen überhaupt da sein werden, kann die Kita-Chefin nicht sagen. „Ich kann ja nicht jeden fragen, ob er streikt oder zur Arbeit kommt.“
Warnstreik an Kitas in Berlin: Das kommt auf Eltern zu
In den meisten landeseigenen Kitas wird es an beiden Warnstreiktagen eine Notbetreuung geben. Komplette Schließungen seien eher die Ausnahme, heißt es. In solchen Fällen müssten sich Eltern selbst um die Betreuung ihrer Kinder kümmern. Oft sind es die Großeltern oder befreundete Eltern, die helfend einspringen.
„Mittlerweile sind wir Eltern recht gut vorbereitet“, sagt Vivien Weber. „Denn Kita-Warnstreiks gehören in Berlin schon zum Alltag.“ Erst vor Weihnachten 2025 gab es einen eintägigen Warnstreik im öffentlichen Dienst, der Behörden und auch die Kitas traf. Seit Monaten kämpfen Kita-Erzieher um bessere Arbeitsbedingungen und um mehr Lohn.

Der Senat lehnte solche Tarifverhandlungen bisher grundsätzlich ab. Aus seiner Sicht kann das Land Berlin diese nicht im Alleingang führen, weil es Mitglied der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) ist. Dort drohe bei einem Berliner Sonderweg der Rausschmiss, argumentiert das Land.
Kita-Streik in Berlin, Tarifverhandlung läuft
Nun laufen aber Verhandlungen in dieser Tarifgemeinschaft. Am 15. Januar starten wieder Gespräche in Potsdam. Die Erzieher-Gewerkschaft GEW fordert für die 7000 Berliner Mitarbeiter in den landeseigenen Kitas etwa acht Prozent mehr Lohn, höhere Zuschläge für Überstunden und drei zusätzliche freie Tage pro Jahr.
Im Verbund mit anderen Gewerkschaften macht die GEW jetzt Druck auf den öffentlichen Arbeitgeber. Und so manche Eltern, die vom Kita-Warnstreik betroffen sind, zeigen Verständnis für den Arbeitskampf. „Ich halte den Streik für richtig. Die Arbeit der Kita-Erzieher wird zu wenig von der Gesellschaft wertgeschätzt“, sagt Mutter Vivien Weber. Es sei das gleiche Problem wie bei den Pflegekräften an den Kliniken.



