Streik an den Berliner DRK-Kliniken! Patienten sind genervt, auch wenn es eine Notdienstvereinbarung gibt. Denn die täglichen Arbeitsabläufe sind trotzdem belastet. Aus Sicht des Unternehmens gefährdet die von Verdi vorgeschlagene Notdienstvereinbarung sogar die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Denn sie beschränke sich im Wesentlichen nur auf die Behandlung von lebensbedrohlichen Notfällen, so die Kritik.
Aufgrund der Ankündigung mussten alle planbaren Operationen abgesagt oder verschoben werden. „Das führt zu einer deutlichen Reduktion des OP-Programms, mit entsprechend negativen Folgen für die Patientinnen und Patienten, die wir außerordentlich bedauern“, sagte Corinna Schwetasch, Leiterin Unternehmenskommunikation, dem Berliner KURIER.
„Sehr belastende Situation“ für die Berliner DRK-Kliniken
Das Unternehmen respektiere zwar das Streikrecht aller Beschäftigten ausdrücklich. Es sei aber ein „ständiges und hartes Ringen“ und stelle die Kliniken „vor erhebliche Probleme“. Die Mitarbeiter hätten überdies „eine besondere Verantwortung für die ihnen anvertrauten Patientinnen und Patienten“, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.
Laut Schwetasch laufe der Stationsbetrieb an allen Standorten stabil. „Wir können zumindest die akuten unfallchirurgischen Operationen und die dringenden Tumorbehandlungen durchführen“, sagte sie. Zuvor hatten die Kliniken bereits auf ihrer Internetseite mitgeteilt, dass es ihr oberstes Ziel sei, „jeglichen Schaden von Patientinnen und Patienten abzuwenden. Wir werden alles daransetzen, kurzfristig Lösungen für die von uns versorgten Patientinnen und Patienten zu finden.“
Streik könnte bis Mittwochabend andauern
Das Unternehmen, das in Berlin vier Krankenhäuser, ein Hospiz und eine stationäre Pflegeeinrichtung betreibt, bedauere die „sehr belastende Situation außerordentlich“. Wie lange der Streik andauern wird, konnte Schwetasch auf KURIER-Anfrage nicht sagen und verwies darauf, dass der Aufruf der Gewerkschaft bis Mittwochabend gilt.
Die Gewerkschaft Verdi hatte rund 2500 Beschäftigte der Berliner DRK-Kliniken zum Streik am Dienstag und Mittwoch aufgerufen. Der Streik hatte am Dienstag gegen 5.30 Uhr begonnen. Das Unternehmen hat dagegen aber eine einstweilige Verfügung beim Arbeitsgericht eingereicht. Im Laufe des Dienstags soll darüber verhandelt werden, wie eine Gerichtssprecherin der Deutschen Presse-Agentur sagte.
„Wir gehen gerichtlich gegen diese Maßnahmen vor, allerdings liegt noch keine Entscheidung vor“, bestätigten auch die DRK-Kliniken.
Gewerkschaft wirft Kliniken vor, Mitarbeitern das Streikrecht zu nehmen
Der Streikaufruf richtete sich an alle nichtärztlichen Beschäftigten. Das sind vorwiegend Pflegefachkräfte, aber auch Therapeutinnen oder Handwerker. Verdi-Verhandlungsführerin Gisela Neunhöffer ging davon aus, dass sich mehrere Hundert Beschäftigte am Streik beteiligten.
Die Gewerkschaft warf der Geschäftsführung vor, eine utopische Personalbesetzung während des Streiks einzufordern, die teilweise über der Regelbesetzung liege. „Das ist nicht angemessen. Das nimmt den Leuten ihr Streikrecht und verweigert ihnen eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe“, sagte Neunhöffer.
Linke-Bundestagsabgeordnete unterstützt Streik
Unterstützung für den Streik gab es auch aus Reihen der Politik. „Ich stehe an der Seite der streikenden Kolleg:innen der DRK-Kliniken. Nicht der Streik gefährdet die Versorgung, sondern der Normalzustand!“, teilte die Bundestagsabgeordnete Stella Merendino (Die Linke) auf Facebook mit.
Sie forderte 15 Prozent mehr Lohn, eine echte Entlastung und verlässliche Dienstpläne. „Volle Solidarität mit den Beschäftigten.“
Tarifverhandlungen seit Sommer 2025
Die Tarifverhandlungen zwischen Verdi und den DRK-Kliniken laufen seit Juli 2025, Ende Dezember 2025 endete die Friedenspflicht. Das aktuelle Angebot sieht Vergütungssteigerungen in Höhe von 6 Prozent innerhalb von 3 Jahren, eine Einmalzahlung von 250 Euro sowie eine Arbeitszeitverkürzung auf 38,5 Stunden pro Woche ohne Gehaltseinbußen vor.
Verdi fordert eine Erhöhung von 5 Prozent im Jahr 2026 und eine weitere Erhöhung um 5 Prozent im Jahr 2027.



