Großer KURIER-Report

Kaputtes Köpenick stöhnt unter seinen Dauer-Baustellen

Berlin-Köpenick am Limit: Kaputte Straßen, Großprojekte und Verkehrschaos. Ein Blick auf die Baustellen, die den Alltag im Bezirk bestimmen.

Author - Sebastian Karkos
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In Köpenick wird an vielen Stellen gebaggert, wie hier am Bahnhof. Viele Menschen leiden unter den Bauarbeiten.
In Köpenick wird an vielen Stellen gebaggert, wie hier am Bahnhof. Viele Menschen leiden unter den Bauarbeiten.Matthias Koch/imago; Sebastian Karkos

Das Leben ist eine Baustelle. Davon können die Menschen in Köpenick stöhnend ein (Klage-)Lied singen. Zahlreiche Bauprojekte sorgen im Südosten Berlins für Stress, Frust – und Umwege. Wie kaputt ist Köpenick? Der KURIER schaute sich im flächenmäßig größten Bezirk Berlins um.

Einspurig, Ampel, Stillstand

Altstadt Köpenick: Wer sich von der Alten Försterei oder vom S-Bahnhof Köpenick Richtung Altstadt aufmacht, für den ist kurz vor der Dammbrücke Schluss. Eine einspurige Ampelregelung sorgt für einen Zwischenstopp, aber nicht für Stau – denn der Durchgangsverkehr ist zum Erliegen gekommen.

Die BVG erneuert die Straßenbahngleise, deshalb fährt nur ein Busersatzverkehr. Gleichzeitig tauschen die Berliner Wasserbetriebe die teils 90 Jahre alten Wasser- und Abwasserleitungen aus. Die Folge: Die Altstadt ist eine einzige Baustelle.

Kurz vor der Dammbrücke ist erst mal Stopp an der einspurigen Wechselampel. Gleisbauarbeiten erlauben auch hier nur einen Schienenersatzverkehr.
Kurz vor der Dammbrücke ist erst mal Stopp an der einspurigen Wechselampel. Gleisbauarbeiten erlauben auch hier nur einen Schienenersatzverkehr.Sebastian Karkos

Das spürt auch das Café Altstadt Köpenick. Die Kundinnen und Kunden kommen zwar noch, aber bei weitem nicht mehr so viele wie vor ein paar Wochen. Das Problem: Die Straßenbahn, die zuvor direkt vor dem Laden hielt, fährt nicht mehr – und die Haltestelle soll später sogar an einen anderen Standort verlegt werden.

Nicole Breitenbach (l.) und Kristin Damm im Café Altstadt Köpenick, das von der Bäckerei Hennig betrieben wird.
Nicole Breitenbach (l.) und Kristin Damm im Café Altstadt Köpenick, das von der Bäckerei Hennig betrieben wird.Sebastian Karkos

Verkäuferin Nicole Breitenbach: „Ich denke schon, dass wir 40 bis 50 Prozent weniger Umsatz haben. Seit dem 1. Dezember ist die Haltestelle nicht mehr in Betrieb. Nach drei, vier Tagen haben wir gemerkt, dass weniger Kunden kommen. Aber wir halten durch!“ Kollegin Kristin Damm ergänzt: „Zum Glück haben wir unsere Stammkunden. Was fehlt, ist die Laufkundschaft.“

Zur Kita kommen Eltern mit dem Auto kaum noch hin

Einige Straßen in der Altstadt sind für Autos komplett gesperrt, etwa rund um den Alten Markt. Dort liegt die „Kita Alter Markt“, in der neun Erzieherinnen und Erzieher 37 Kinder betreuen. Viele Kinder werden mit dem Auto gebracht. Aktuell ein schwieriges Unterfangen.

Judith Pieper ist Chefin der Kita Alter Markt in der Altstadt von Köpenick.
Judith Pieper ist Chefin der Kita Alter Markt in der Altstadt von Köpenick.Sebastian Karkos

Kita-Leiterin Judith Pieper: „Auch wenn es bei uns nicht so viele sind, treffen die Baumaßnahmen die Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen müssen. Wir haben auch zwei Erzieherinnen, die mit dem Auto kommen. Die haben nun Schwierigkeiten, einen Parkplatz zu finden – vor allem einen, der in der Nähe der Kita ist. In unserer Straße waren rund 15 Parkplätze, die sind nun alle weg.“ Immerhin gibt es auch Gewinner. Pieper: „Schön ist, dass sich unsere Kinder über die Baustellen mit den vielen Baggern freuen. Und das direkt vor der Tür!“

Auf der Pyramidenbrücke läuft der Verkehr nur jeweils auf einer Spur. Die Straßenbahn (M.) hat sogar nur ein Gleis.
Auf der Pyramidenbrücke läuft der Verkehr nur jeweils auf einer Spur. Die Straßenbahn (M.) hat sogar nur ein Gleis.Matthias Koch/imago

Pyramidenbrücke: Seit vier Jahren wird an der unscheinbaren Überführung nahe dem Stadion An der Alten Försterei gebaut. Die Brücke aus dem Jahr 1939 muss komplett erneuert werden. Unter ihr verlaufen zahlreiche Leitungen verschiedener Versorger. Der Verkehr rollt in beide Richtungen einspurig. Die gute Nachricht: Die Arbeiten liegen im Zeitplan. Laut Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt „wird weiterhin davon ausgegangen, dass der Ersatzneubau der Pyramidenbrücke im Jahr 2027 abgeschlossen wird“.

Die Durchfahrt unter der Hämmerlingstraßen‑Brücke wird ab Montag gesperrt. Rechts sind bereits die Durchfahrten für die Westumfahrung zu erkennen.
Die Durchfahrt unter der Hämmerlingstraßen‑Brücke wird ab Montag gesperrt. Rechts sind bereits die Durchfahrten für die Westumfahrung zu erkennen.Matthias Koch/imago

Bahnhof Köpenick: Das Großprojekt schlechthin. Seit 2023 wird am künftigen Regionalbahnhof gearbeitet. Der ursprünglich geplante Fertigstellungstermin Sommer 2027 ist passé. Der Grund ist kurios, wie die Deutsche Bahn erklärt: „Aufgrund des akuten Fachkräftemangels, insbesondere im Bereich der Leit- und Sicherungstechnik, kann dieser Termin nicht eingehalten werden.“ Neues Zieldatum: Dezember 2027.

Am Bahnhof Köpenick wird bereits seit 2023 gebuddelt.
Am Bahnhof Köpenick wird bereits seit 2023 gebuddelt.Matthias Koch/imago

Hämmerlingstraße: Ab kommenden Montag (26. Januar) wird die Durchfahrt unter der Brücke vollständig gesperrt. Grund: der Einschub der neuen Fernbahnbrücke. Die Folge: Vom 30. Januar bis 27. Februar 2026 sind sämtliche Fernbahn- und Regionalgleise gesperrt. Und es geht weiter: Eine weitere Sperrung der Fernbahngleise ist vom 10. Juli bis 24. August 2026 vorgesehen.

Am Stadion Alte Försterei wird bereits gearbeitet

Alte Försterei/Westumfahrung Bahnhofstraße: Der Umbau bzw. Neubau des Union-Stadions ist seit Jahren geplant. Auf dem Gelände wird indes bereits gearbeitet: Seit Sommer 2025 entsteht das neue Trainingszentrum für die Profis.

Auf dieser Grafik ist bereits die fertige Westumfahrung (vorne) an der Alten Försterei zu sehen.
Auf dieser Grafik ist bereits die fertige Westumfahrung (vorne) an der Alten Försterei zu sehen.1. FC Union Berlin

Irgendwann sollen sie über die neue Westumfahrung Bahnhofstraße dorthin gelangen. Im Bereich Hämmerlingstraße sind die künftigen Brückendurchfahrten bereits erkennbar. Baustart? Weiter unklar. Die Senatsverwaltung erklärt: „Voraussetzung für den Bau der Westumfahrung Bahnhofstraße ist ein rechtskräftiger Planfeststellungsbeschluss. Im Rahmen des derzeit hierfür laufenden Planfeststellungsverfahrens erfolgte die Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Erörterung fand im Juli 2025 statt. Auf Basis der eingegangenen Einwendungen und Stellungnahmen sowie der Ergebnisse aus der Erörterung wird die Unterlage derzeit angepasst.“

Der Um- bzw. Neubau der Alten Försterei soll bis 2028 erfolgen. Fraglich, ob die Westumfahrung bis dahin fertig ist. Die SenMVKU schreibt jedoch: „Der Umbau des Stadions An der Alten Försterei ist nicht an die Westumfahrung Bahnhofstraße gekoppelt. Es bestehen zwar Schnittstellen, die aufeinander abgestimmt werden, und das Stadion würde von der Westumfahrung Bahnhofstraße profitieren. Beide Maßnahmen können jedoch unabhängig voneinander realisiert werden.“

Fazit: In Köpenick wird weiter fleißig gebaut. Und für viele Menschen wird die Geduldsprobe damit noch lange nicht vorbei sein.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie auch schon unter den Baumaßnahmen in Köpenick gelitten? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com