Das Leben ist eine Baustelle. Davon können die Menschen in Köpenick stöhnend ein (Klage-)Lied singen. Zahlreiche Bauprojekte sorgen im Südosten Berlins für Stress, Frust – und Umwege. Wie kaputt ist Köpenick? Der KURIER schaute sich im flächenmäßig größten Bezirk Berlins um.
Einspurig, Ampel, Stillstand
Altstadt Köpenick: Wer sich von der Alten Försterei oder vom S-Bahnhof Köpenick Richtung Altstadt aufmacht, für den ist kurz vor der Dammbrücke Schluss. Eine einspurige Ampelregelung sorgt für einen Zwischenstopp, aber nicht für Stau – denn der Durchgangsverkehr ist zum Erliegen gekommen.
Die BVG erneuert die Straßenbahngleise, deshalb fährt nur ein Busersatzverkehr. Gleichzeitig tauschen die Berliner Wasserbetriebe die teils 90 Jahre alten Wasser- und Abwasserleitungen aus. Die Folge: Die Altstadt ist eine einzige Baustelle.

Das spürt auch das Café Altstadt Köpenick. Die Kundinnen und Kunden kommen zwar noch, aber bei weitem nicht mehr so viele wie vor ein paar Wochen. Das Problem: Die Straßenbahn, die zuvor direkt vor dem Laden hielt, fährt nicht mehr – und die Haltestelle soll später sogar an einen anderen Standort verlegt werden.

Verkäuferin Nicole Breitenbach: „Ich denke schon, dass wir 40 bis 50 Prozent weniger Umsatz haben. Seit dem 1. Dezember ist die Haltestelle nicht mehr in Betrieb. Nach drei, vier Tagen haben wir gemerkt, dass weniger Kunden kommen. Aber wir halten durch!“ Kollegin Kristin Damm ergänzt: „Zum Glück haben wir unsere Stammkunden. Was fehlt, ist die Laufkundschaft.“
Zur Kita kommen Eltern mit dem Auto kaum noch hin
Einige Straßen in der Altstadt sind für Autos komplett gesperrt, etwa rund um den Alten Markt. Dort liegt die „Kita Alter Markt“, in der neun Erzieherinnen und Erzieher 37 Kinder betreuen. Viele Kinder werden mit dem Auto gebracht. Aktuell ein schwieriges Unterfangen.

Kita-Leiterin Judith Pieper: „Auch wenn es bei uns nicht so viele sind, treffen die Baumaßnahmen die Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen müssen. Wir haben auch zwei Erzieherinnen, die mit dem Auto kommen. Die haben nun Schwierigkeiten, einen Parkplatz zu finden – vor allem einen, der in der Nähe der Kita ist. In unserer Straße waren rund 15 Parkplätze, die sind nun alle weg.“ Immerhin gibt es auch Gewinner. Pieper: „Schön ist, dass sich unsere Kinder über die Baustellen mit den vielen Baggern freuen. Und das direkt vor der Tür!“

Pyramidenbrücke: Seit vier Jahren wird an der unscheinbaren Überführung nahe dem Stadion An der Alten Försterei gebaut. Die Brücke aus dem Jahr 1939 muss komplett erneuert werden. Unter ihr verlaufen zahlreiche Leitungen verschiedener Versorger. Der Verkehr rollt in beide Richtungen einspurig. Die gute Nachricht: Die Arbeiten liegen im Zeitplan. Laut Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt „wird weiterhin davon ausgegangen, dass der Ersatzneubau der Pyramidenbrücke im Jahr 2027 abgeschlossen wird“.

Bahnhof Köpenick: Das Großprojekt schlechthin. Seit 2023 wird am künftigen Regionalbahnhof gearbeitet. Der ursprünglich geplante Fertigstellungstermin Sommer 2027 ist passé. Der Grund ist kurios, wie die Deutsche Bahn erklärt: „Aufgrund des akuten Fachkräftemangels, insbesondere im Bereich der Leit- und Sicherungstechnik, kann dieser Termin nicht eingehalten werden.“ Neues Zieldatum: Dezember 2027.

Hämmerlingstraße: Ab kommenden Montag (26. Januar) wird die Durchfahrt unter der Brücke vollständig gesperrt. Grund: der Einschub der neuen Fernbahnbrücke. Die Folge: Vom 30. Januar bis 27. Februar 2026 sind sämtliche Fernbahn- und Regionalgleise gesperrt. Und es geht weiter: Eine weitere Sperrung der Fernbahngleise ist vom 10. Juli bis 24. August 2026 vorgesehen.
Am Stadion Alte Försterei wird bereits gearbeitet
Alte Försterei/Westumfahrung Bahnhofstraße: Der Umbau bzw. Neubau des Union-Stadions ist seit Jahren geplant. Auf dem Gelände wird indes bereits gearbeitet: Seit Sommer 2025 entsteht das neue Trainingszentrum für die Profis.

Irgendwann sollen sie über die neue Westumfahrung Bahnhofstraße dorthin gelangen. Im Bereich Hämmerlingstraße sind die künftigen Brückendurchfahrten bereits erkennbar. Baustart? Weiter unklar. Die Senatsverwaltung erklärt: „Voraussetzung für den Bau der Westumfahrung Bahnhofstraße ist ein rechtskräftiger Planfeststellungsbeschluss. Im Rahmen des derzeit hierfür laufenden Planfeststellungsverfahrens erfolgte die Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Erörterung fand im Juli 2025 statt. Auf Basis der eingegangenen Einwendungen und Stellungnahmen sowie der Ergebnisse aus der Erörterung wird die Unterlage derzeit angepasst.“
Der Um- bzw. Neubau der Alten Försterei soll bis 2028 erfolgen. Fraglich, ob die Westumfahrung bis dahin fertig ist. Die SenMVKU schreibt jedoch: „Der Umbau des Stadions An der Alten Försterei ist nicht an die Westumfahrung Bahnhofstraße gekoppelt. Es bestehen zwar Schnittstellen, die aufeinander abgestimmt werden, und das Stadion würde von der Westumfahrung Bahnhofstraße profitieren. Beide Maßnahmen können jedoch unabhängig voneinander realisiert werden.“
Fazit: In Köpenick wird weiter fleißig gebaut. Und für viele Menschen wird die Geduldsprobe damit noch lange nicht vorbei sein.





