Interessante Sichtweise. „Wir sind bestens vorbereitet und die Vorratslager sind gut gefüllt.“ Das sagte ein Sprecher der Berliner Stadtreinigung (BSR) am Mittwoch und verwies darauf, dass ausreichend Streusalz und Splitt für weitere Wochen mit Frost, Schneefall und Eis vorhanden sei. Es gebe noch nicht einmal Nachschubprobleme.
Die vergangenen Tage sahen jedoch anders aus. Seit Montag stockt der Verkehr auf Berlins Straßen und Schienen gewaltig, nur langsam geht es vorwärts. Das Winterwetter hat die Hauptstadt lahmgelegt – mal wieder. Chaos, wo man nur hinsieht.
Winterchaos ist auch ein „Zuständigkeitschaos“
Die BSR ist für den Winterdienst auf Straßen, Radwegen, Haltestellen und bestimmten Plätzen und Fußgängerzonen zuständig. Sie war mit etwa 13.000 Tonnen Salz, 2.100 Kubikmetern Sole und 5.000 Tonnen Splitt in den Winter gestartet. Offensichtlich zu wenig, wie sich zeigte.
Was jedoch fehlt, sind Gehwege. Dafür ist die BSR nicht zuständig, sondern Anlieger selbst. Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Oda Hassepaß, bezeichnete die derzeitige Lage als „Zuständigkeitschaos“ – passend zum Winterchaos.
BSR will Winterdienst auf Gehwegen nicht übernehmen
„Es ist die Fürsorgepflicht einer Stadt, dass auch die Schwächsten sicher unterwegs sein können. Berlin braucht einen professionell organisierten, effizienten Winterdienst aus einer Hand“, sagte die Grünen-Politiker und plädierte dafür, den Winterdienst in der Hauptstadt neu zu ordnen.
Die BSR winkte aber ab. Sie wird den Winterdienst auf Gehwegen nicht noch zusätzlich übernehmen. Dann kämen noch rund 12.000 Kilometer Strecke hinzu. Zu viel, für das Unternehmen. „Dafür bräuchten wir deutlich mehr Ressourcen – und das für nur einige wenige Schneetage im Jahr“, erklärte BSR-Pressesprecher Sebastian Harnisch.

„Eishölle“ Lichtenberg
Das Knausern hat Folgen, wie ein Blick nach Lichtenberg zeigt. Eine KURIER-Leserin erzählte am Mittwoch, dass der Anton-Saefkow-Platz noch immer nicht geräumt sei. „Der Platz ist eine einzige Eishölle“, sagte die Leserin.
Sie fragt sich: „Wie kann es sein, dass nach ausführlichen Wettervorhersagen nach gefühlt drei Tagen Eishölle auf den Straßen immer noch kein effizenter Winterdienst in einigen Stadtbezirken aktiv ist.“ Das fragen sich wahrscheinlich viele.
BSR blickt positiv auf Wintertage zurück
Auf KURIER-Nachfrage hieß es am Mittwochabend von der BSR: „Trotz des außergewöhnlich starken Eisregens in der Nacht von Sonntag auf Montag ist es den BSR-Winterdienstkräften gelungen, die Hauptverkehrsstraßen für den morgendlichen Berufsverkehr weitestgehend befahrbar zu machen“, sagte ein Sprecher. In dieser besonderen Situation seien „alle verfügbaren Einsatzkräfte unterwegs“ gewesen. „Und zwar rund um die Uhr.“
Folgen des Winterchaos noch immer nicht überwunden
Die Folgen des Winterchaos sind noch immer nicht überwunden. Wie es von der Verkehrsinformationszentrale hieß, befinde sich die Straßenbahn im „schrittweisen Wiederanlauf“. Noch immer sei nicht überall im regulären Takt unterwegs. Fahrgäste sollen sich daher weiter vorab in der App oder auf der Internetseite informieren.
Auch der Regionalverkehr stockt noch. Einschränkungen gibt es voraussichtlich noch bis Donnerstag, 10 Uhr, auf den Linien RE3, RE 30 und RE 5. Der U-Bahn- und Busverkehr läuft hingegen planmäßig und stabil – wenigstens etwas.

Winterwetter hält Berlin weiter fest im Griff
Das Winterwetter hält Berlin weiter fest im Griff. Am Donnerstag liegen die Temperaturen bei starker Bewölkung bei minus 2 Grad. In den Tagen danach sinkt das Thermometer weiter, ehe es zu Wochenbeginn bei minus 6 Grad angekommen ist. Keine guten Vorzeichen für den Berliner Stadtverkehr.



