Von Totalausfall bis teilweisen Streckeneinschränkungen: Seit drei Tagen bekommt die BVG ihre Straßenbahnen wegen vereister Oberleitungen nicht in die Gänge. Fahrgäste sind verzweifelt, haben die Faxen dicke. Kaum ein Berliner kann verstehen, warum es bei den Verkehrsbetrieben nun schon Tage andauert, in denen sie es nicht schaffen, ihr gesamtes Straßenbahnnetz vom Eis zu befreien.
Drei Eis-Probleme, die die BVG-Tram ausbremsen
„Der Eisregen hat unser Straßenbahnnetz vor eine Situation gestellt, wie wir sie in dieser Form seit Jahrzehnten nicht erlebt haben. Unsere Kolleginnen und Kollegen in Fahrdienst, Technik und Leitstellen arbeiten seit Stunden am Limit, um die Folgen zu bewältigen“, sagte BVG-Chef Henrik Falk.
Das war am Montag, als die BVG den Totalausfall meldete. Bis heute, Mittwoch, ist das gesamte Straßenbahnnetz noch immer nicht komplett flott. Drei Probleme sorgen dafür.
1. BVG-Oberleitungen werden per Hand enteist!
Das erste Problem: Das Berliner Straßenbahnnetz ist mit 200 Kilometer Länge eines der größten der Welt. Und dieses wird seit Tagen per Hand enteist!
Rund um die Uhr sind Teams auf drei Turmwagen in der Stadt unterwegs, um mit einer Art Hobel die Eisschicht von den Oberleitungen zu kratzen. „Das ist ein Knochenjob“, sagt BVG-Sprecherin Franziska Ellrich.
Und dieser Job soll bereits in der Nacht zum Montag begonnen haben, als Regen einsetzte, der auf den Oberleitungen der Trams sofort einfror. Da nützte es nichts, dass Straßenbahnen nachts im Einsatz waren, um mittels der Stromabnehmer auch die Oberleitungen möglichst eisfrei zu halten.

„Um die 40 Bahnen wurden mitten auf der Strecke vom Eisregen lahmgelegt, lagen buchstäblich auf Eis“, sagt die BVG-Sprecherin. Und diese Trams mussten zuerst von den Teams befreit werden. Das dauerte Stunden.
2. Bei Enteisung kommt BVG im Schneckentempo voran
Damit sind wir beim zweiten Problem, warum das Flottbekommen der Trams bei der BVG so lange dauert. Das Weghobeln des Eises ist nicht nur ein Knochenjob, es geht auch nur langsam voran. Dazu verwenden die Arbeiter ein spezielles Gerät, das über die Leitung gerollt wird. Das hat eine Art Meißel, der das Eis von der Oberleitung abkratzt.

Im Tempo von fünf Stundenkilometern ist einer der Wagen unterwegs. Haben die Arbeiter ihren Job getan, fährt eine leere Straßenbahn hinterher – zur Kontrolle. Verläuft die Fahrt problemlos, wird die Strecke freigegeben.
Wer entscheidet, welche Tram-Strecken zuerst enteist werden? Es ist die BVG-Leitstelle in Berlin-Lichtenberg, die den Einsatz der drei Turmwagen koordiniert. „Zuerst mussten sie die Oberleitungen der Innenstadtlinien vom Eis befreien“, sagt Sprecherin Ellrich. Danach kommen die Strecken, die an den Stadtrand führen.
3. Befreite Tram-Oberleitungen frieren wieder zu
Das Abarbeiten könnte ja auch recht schnell klappen. Aber da gibt es noch das Problem Nummer 3: „Uns werden die gerade herrschenden Temperaturen um minus ein Grad und null Grad zum Verhängnis“, sagt BVG-Sprecherin Ellrich. Und so sorgen die hohe Luftfeuchtigkeit und neuer leichter Regen dafür, „dass sich neue Feuchtigkeit auf die Oberleitungen legt, die dann bei Minusgraden eine neue Eisschicht bildet, die dann wieder beseitigt werden muss“.
Mit anderen Worten: Die schweißtreibende Arbeit der Männer auf den Turmwagen kann schon zu einem Sisyphos-Job werden. Bei jeder eisfrei gebliebenen Leitung sind sie froh, und die Berliner Tram-Passagiere dankbar, dass die eine oder andere Straßenbahn rollt.
Die verhängnisvolle Wetterlage mit Temperaturen um den Gefrierpunkt hält auch noch in den kommenden Tagen in Berlin an. Damit dürfte auch das Eis-Chaos bei den Trams der BVG andauern.




