Berliner Fahrgäste wütend

BVG, wir wollen unser Geld zurück!

Während in anderen Städten die Trams trotz Eisregen fuhren, gab es bei der BVG den Totalausfall. Der Fahrgastverband fordert Entschädigungen.

Author - Norbert Koch-Klaucke
Teilen
Berlins Fahrgastverbandsvize Christian Linow (45) ist sauer über den Totalausfall der BVG-Straßenbahnen.
Berlins Fahrgastverbandsvize Christian Linow (45) ist sauer über den Totalausfall der BVG-Straßenbahnen.privat

Totalausfall bei den Straßenbahnen – das Glätte-Chaos bei der BVG macht die Berliner jetzt so richtig wütend! Sogar in Erfurt fuhren Trams bei Eisregen – dank eines besonderen Sprühmittels! „Es ist einfach nur peinlich, wie die BVG vor dem Winter kapituliert hat“, sagt Christian Linow (45), Vize-Chef und Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes IGEB. Seine Forderung: Die BVG sollte aus Kulanz für den Tram-Ausfall Fahrgeld bei den Abo-Kunden erstatten.

Tram-Chaos: BVG-Chef schiebt es auf das Extremwetter

Eisregen und am Montag fuhr ab 4 Uhr morgens keine Straßenbahn – in Berlin. „Der Eisregen hat unser Straßenbahnnetz vor eine Situation gestellt, wie wir sie in dieser Form seit Jahrzehnten nicht erlebt haben. Unsere Kolleginnen und Kollegen in Fahrdienst, Technik und Leitstellen arbeiten seit Stunden am Limit, um die Folgen zu bewältigen“, sagte BVG-Chef Henrik Falk. Worte, die im Nachgang echt peinlich wirken.

„Als Fahrgastverband wissen wir das Bemühen der BVG zwar zu schätzen, die Tram wieder zum Laufen zu bringen, trotzdem kann es nicht sein, dass den zweiten Tag in Folge Deutschlands größtem Straßenbahnnetz einfach so der Stecker gezogen wird“, sagt IGEB-Sprecher Linow dem KURIER.

Zwar schafft es die BVG, dass am Dienstag gegen 9 Uhr die erste Straßenbahn in Berlin-Mitte wieder rollt. Doch in Berlin-Adlershof, wo Christian Linow eine Stunde später an einer Haltestelle steht, herrscht noch immer kein Straßenbahnbetrieb. So steht es auch auf dem Display der Fahrgastinformation!

Besonders ärgerlich: In anderen Städten, die auch vom Eisregen stark betroffen waren, fuhren die Straßenbahnen. Warum? Weil die dortigen Verkehrsbetriebe eindeutig besser auf die bevorstehende extreme Wetterlage vorbereitet waren, wie sich bei einem KURIER-Anruf bei den Erfurter Verkehrsbetrieben herausstellt.

Während in Berlin die Straßenbahn-Oberleitungen mit einem dicken Eispanzer für den Tram-Verkehr unbrauchbar wurden, waren die Oberleitungen in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt trotz Eisregen eisfrei! Hatte man dort ein Zaubermittel?

Auch in Erfurt gab es Eisregen. Doch dort fuhr die Straßenbahn.
Auch in Erfurt gab es Eisregen. Doch dort fuhr die Straßenbahn.Michael Kremer/imago

„Nein, wir haben die Oberleitungen mit Glycerin besprüht“, sagt eine Erfurter Straßenbahn-Fahrerin dem KURIER am Telefon. „Bereits vor dem eintretenden Eisregen waren spezielle Schmierfahrzeuge auf der Strecke unterwegs. Schließlich waren wir durch den Wetterbericht rechtzeitig vorgewarnt.“

Glycerin macht Tram bei Eisregen flott

Kein Witz: Glycerin macht eisfrei! Man findet es in Haarpflegemittel, in Hustensäften und auch in Frostschutzmitteln. Glycerin bindet Wasser und senkt dessen Gefrierpunkt. Es verhindert damit, das Wasser komplett zu Eis erstarrt – etwa an Stromleitungen der Straßenbahnen.

Nicht nur Erfurt schützt damit die Oberleitungen der Straßenbahnen vor dem Eisschock bei Eisregen. Laut IGEB-Sprecher setzen auch die Verkehrsbetriebe in Magdeburg und in Saarbrücken Glycerin ein.

„Als Fahrgastverband fragen wir uns, warum die BVG nicht nicht wie andere Städte mit Glycerin dem Vereisen der Oberleitungen vorgebeugt hat“, sagt IGEB-Sprecher Linow.

Der KURIER fragte diesbezüglich bei der BVG nach. Die Antwort: „Regional war Berlin vom Eisregen Sonntagnacht besonders stark betroffen. Vergleiche mit anderen Regionen, Wetterlagen und Verkehrssystemen sind nicht zielführend. Die BVG-Mitarbeitenden sind rund um die Uhr im Einsatz, um hier vor Ort in Berlin den Betrieb wieder aufzunehmen.“

Fahrgastverband fordert von BVG Entschädigung

Ob diese Antwort die BVG-Kunden milder stimmen wird, ist fraglich. IGEB-Vize Linow erwartet von den Verkehrsbetrieben schon etwas mehr Entgegenkommen und Einsicht.

Fahrgastverbandsvize Christian Linow (45) zeigt in Adlershof, dass auch noch am Dienstagvormittag nicht überall in Berlin die Straßenbahnen fuhren.
Fahrgastverbandsvize Christian Linow (45) zeigt in Adlershof, dass auch noch am Dienstagvormittag nicht überall in Berlin die Straßenbahnen fuhren.privat/Linow

Er sagt: „Bei einer so weitreichenden Netzeinstellung muss es wenigstens aus Kulanzgründen Erstattungen geben. Wer wie meine Bäckerin ein Taxi nehmen muss, um zur Arbeit zu kommen, sollte die Rechnung bei der BVG einreichen und rückvergütet bekommen. Und für alle Berlinerinnen und Berliner sollte es einen Tag in diesem Jahr geben, der mit einem Einzelfahrschein für beliebig viele Fahrten genutzt werden kann.“

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com