Der morgendliche Weg zur Arbeit war auch am Freitagmorgen wieder eine gefährliche Rutschpartie. Tag 4 nach dem Eisregen – und noch immer sind die meisten Gehwege in Berlin kaum für Fußgänger passierbar. Alles spiegelglatt, erhöhte Sturzgefahr. Die Berliner sind wütend. Über den Senat, über Bürgermeister Kai Wegner, dass tagelang nichts passiert.
Eisglattes Berlin: Respektlosigkeit des Senats
„Das ist wirklich die größte Respektlosigkeit, die die politische Führung einer Stadt seinen eigenen Rettungsdiensten und Notaufnahmen entgegenbringen kann“, schreibt ein User auf X. „Kriegt es endlich hin, ohne Witz. Wir haben die Schnauze echt gestrichen voll.“

Die Notaufnahmen in den Berliner Krankenhäusern sind am Limit. Allein das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) muss täglich bis zu 40 Patienten behandeln, die auf den vereisten Wegen gestürzt sind. Mit Handbrüchen, Gehirnerschütterungen, schweren Rückenverletzungen.
Keiner macht sich die Mühe, zu räumen oder zu streuen
Man sieht es auf den Fotos, die auf X und anderen sozialen Medien gepostet werden. Auf vielen Gehwegen wird nicht richtig oder gar nicht gestreut. Der User Wolf Reuter zeigt auf X Fotos von der Lützowstraße in Berlin-Tiergarten. „Berlin ist wirklich unglaublich. Was Sie auf dem Foto sehen, ist genauso glatt wie eine Eiskunstlaufbahn“, schreibt er.

Es handele sich um eine geschlossene Eisfläche, abgesehen von den Stellen, die deshalb nicht zugefroren sind, weil darunter beispielsweise eine Wasserleitung oder ein Kanal verläuft, schreibt er weiter. „Kein einziger Eigentümer auf der Lützowstraße (oder jeder anderen Straße) hat sich die Mühe gemacht, zu räumen oder zu streuen.“

Die Bilder aus der ganzen Stadt gleichen sich. Egal ob am Alexanderplatz, am Hauptbahnhof, in der Oranienstraße oder in der Schillingstraße. Wer zu Fuß unterwegs, begibt sich in Lebensgefahr, vor allem Ältere trauen sich kaum noch auf die Straße.
Und wenn mal gestreut ist: Die paar Krümel helfen kaum. Die sind schnell eingetreten – und dann ist der Gehweg so rutschig wie zuvor. Streusalz würde helfen. Doch das ist in Berlin verboten. Und anders als Hamburg dauert es in Berlin ewig, bestehende Regelungen und Gesetze zu ändern.
Die SPD ist gegen Streusalz
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner spricht sich zwar für den Einsatz von Streusalz in Berlin aus. Er will, dass das Abgeordnetenhaus einer Ausnahme des Naturschutzgesetzes zustimmt. Aber wir sind in Berlin, die politischen Mühlen mahlen sehr langsam: Da ginge das frühestens Ende Februar. Also dann, wenn der Winter sich langsam verabschiedet und das Eis längst Geschichte ist. Und die SPD ist sowieso dagegen.

Und: Dass viele Gehwege in Berlin für Fußgänger kaum passierbar sind, liegt nicht nur an den Grundstückeigentümern, die für Wege vor ihrem Grundstücke zuständig sind. Fußwege, die durch Parks führen? Sind zur Zeit kaum passierbar, der Mittelstreifen in der Straße unter den Linden? Eine einzige Eisfläche ...




