„Die wahre Atombombe“

Lauterbach warnt bei „Markus Lanz“ vor Horror-Beiträgen für Krankenversicherung

Karl Lauterbach schlägt Alarm: Milliarden-Defizit, steigende Beiträge, harte Reformforderungen. Die Debatte um die Krankenversicherung eskaliert.

Author - Stefan Doerr
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Karl Lauterbach (r.) wagte bei Markus Lanz düstere Prognosen.
Karl Lauterbach (r.) wagte bei Markus Lanz düstere Prognosen.Markus Hertrich/ZDF

In der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ zeichnete der SPD-Politiker und ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach am Donnerstagabend ein düsteres Bild zur Zukunft der Krankenversicherung in Deutschland. Bei Lauterbachs drastischen Prognosen war sogar Lanz geschockt.

Krankenversicherung vor dem Kollaps

Im Mittelpunkt der hitzigen Diskussion standen die hohen Beiträge und strukturellen Probleme im Gesundheitsbereich: Lauterbach warnt eindringlich, dass ohne tiefgreifende Veränderungen das System nicht tragfähig sei. „Die gesetzliche Krankenversicherung wird, wenn jetzt keine drastischen Reformen kommen, im Jahr 2027 ein Defizit von zwölf Milliarden machen!“ rief Lauterbach, worauf Moderator Lanz ein entgeistertes: „Wow!“ entfuhr. Lauterbach befürchtet, dass die Krankenkassen-Beiträge in zehn Jahren auf 25 Prozent ansteigen könnten.

Karl Lauterbach geriet mit Journalistin Antje Höning aneinander.
Karl Lauterbach geriet mit Journalistin Antje Höning aneinander.Markus Hertrich/ZDF

Lauterbach fordert harte Reformen

Auf die Kritik von Journalistin Antje Höning, „Aber Herr Lauterbach, Sie waren drei Jahre Gesundheitsminister und haben nichts dagegen getan!“, verweist der SPD-Politiker auf die anstehende Krankenhausreform, die jetzt endlich „ohne Verwässerung“ umgesetzt werden müsse. Lanz kommentiert: „Das heißt, da liegt die wahre Atombombe.“ „Die liegt in allem zusammen“, meint Höning.

Lauterbach kritisiert Bundeskanzler Merz

Doch beim Schlagabtausch ging nicht nur um die Krankenkassen-Finanzierung: Lauterbach richtet scharfe Kritik gegen den Wirtschaftsflügel der CDU, der eine Einschränkung des Teilzeitrechts vorschlägt und eine Debatte um Arbeitsmoral und „Lifestyle-Teilzeit“ losschlägt. Die Kritik an der „ausbaufähigen Arbeitsmoral“ in Deutschland, wie es Kanzler Friedrich Merz (CDU) formuliert, nennt Lauterbach „Unsinn“ und greift damit auch Merz frontal an: „Diese Leute werden hier quasi in eine Ecke gestellt, als wenn es Drückeberger wären. Das ist aber nicht richtig.“

Antje Höning fordert weniger Lohn am ersten Krankheitstag.
Antje Höning fordert weniger Lohn am ersten Krankheitstag.Markus Hertrich/ZDF

Weniger Geld für kranke Mitarbeiter?

Höning widerspricht in der Runde vehement, indem sie auf die wirtschaftlichen Belastungen für Unternehmen verweist: „Wir haben mit die höchste Teilzeitquote, wir haben mit den größten Krankenstand in Europa und wir haben eine sehr hohe Belastung an Sozialabgaben.“

Höning plädiert stattdessen dafür, den ersten Krankheitstag nicht mehr voll zu vergüten. Für Lanz zu hart: „Das ist natürlich schon ein harter Ansatz. Du bist krank und dann spürst du es sofort am Ende des Monats auf dem Lohnzettel.“ Der Moderator sieht da eine gefährliche Entwicklung: „Wenn du den ersten Tag direkt im Portemonnaie merkst, überlegst du dir, ob du dich krankmeldest oder nicht.“

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