Daten zeigen anderes Bild

Dicke Überraschung für Merz bei „Lifestyle-Teilzeit“

Friedrich Merz will „Lifestyle-Teilzeit“ abschaffen. Dabei werden von Unternehmen Teilzeitkräfte händeringend gesucht.

Author - Sebastian Krause
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Bundeskanzler Friedrich Merz will, dass die Deutschen mehr arbeiten und dafür das Recht auf Teilzeit abschaffen.
Bundeskanzler Friedrich Merz will, dass die Deutschen mehr arbeiten und dafür das Recht auf Teilzeit abschaffen.BODE/imago

Die Bundesregierung kommt derzeit fast täglich mit neuen Ideen um die Ecke, damit wir alle mehr arbeiten sollen. Mal ist die Rede davon, die wöchentliche Arbeitszeit zu erhöhen, dann soll das Recht auf Teilzeit abgeschafft werden, zuletzt hieß es, den regulären Acht-Stunden-Tag zu kippen und flexibler zu gestalten.

Nun zeigt sich ein anderes Bild. Denn der Wunsch nach Teilzeit ist keineswegs ein „reiner Arbeitnehmerwunsch“. Daten des Jobportals Indeed zeigen, dass der hohe Anteil an Beschäftigten in Teilzeit seine Ursache in den Wünschen der Unternehmen selbst hat. Diese schreiben nämlich selbst jede Menge Teilzeitstellen aus.

Laut Indeed nehme das Angebot an Teilzeitstellen seit Jahren zu, während das Interesse seitens der Jobsuchenden konstant bleibe, erklärte das Jobportal am Donnerstag.

Teilzeitarbeit gesetzlich einzuschränken „könnte die Nettoarbeitszeit in Deutschland am Ende sogar senken“, warnte Indeed-Expertin Virginia Sondergeld.

Jede vierte Stelle in Deutschland ist keine Vollzeitstelle

Aktuell ist laut Berechnungen des Jobportals bundesweit mehr als jede vierte Stelle (26,8 Prozent) mit weniger als der vollen Arbeitszeit ausgeschrieben. Das sei ein Anstieg um 68,7 Prozent seit 2020.

„Die Suchanfragen der Jobsuchenden entwickelten sich hingegen ohne nennenswerte Zuwächse“, erklärte das Jobportal. „Der Anteil der Suchen, die gezielt nach ‚Teilzeit‘ filtern, verläuft seit Jahren konstant bei 3,3 Prozent.“

Der CDU-Wirtschaftsflügel prägte das Wort „Lifestyle-Teilzeit“.
Der CDU-Wirtschaftsflügel prägte das Wort „Lifestyle-Teilzeit“.Sascha Steinach/imago

CDU spricht von „Lifestyle-Teilzeit“

Der CDU-Wirtschaftsflügel hatte in der vergangenen Woche mit dem Vorschlag, das Recht auf Teilzeit einzuschränken, für Aufregung gesorgt. Ziel: Mehr Menschen in Vollzeitarbeit zu bringen.

Mit der Formulierung „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ löste die CDU heftige Kritik aus. Nicht wenige Menschen fühlen sich an den Pranger gestellt, obwohl es für viele berechtigte Gründe für Teilzeit gibt.

Teilzeit in einigen Berufen überdurchschnittlich hoch

Für Virginia Sondergeld von Indeed zeigen die Zahlen, dass Teilzeit keinesfalls ein „reiner Arbeitnehmerwunsch“ ist. „In Engpassberufen nutzen Arbeitgeber Teilzeit als strategischen Hebel gegen den Fachkräftemangel.“

Und weiter: „Besonders in von Frauen dominierten Bereichen wie Pflege, Soziales oder Bildung ist das Teilzeitangebot überdurchschnittlich hoch, da sie oft die Care-Arbeit für die Familie übernehmen und keine Zeit für eine Vollzeitstelle haben.“

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