Weil Berliner es nicht machen

Schippt die BSR bald unseren Schnee?

Eigentlich sind die Anlieger fürs Streuen zuständig. Weil das aber nicht funktioniert, haben die Grünen einen Plan: Die BSR soll die Arbeit übernehmen.

Author - Jana Hollstein
Teilen
Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Oda Hassepaß
Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Oda HassepaßSabine Gudath

Kaum ein Weg in Berlin, der inzwischen nicht zugeeist und zugeschneit ist – und das noch vor dem Schneesturm, der am Freitag auf uns zukommen soll. Grund dafür: Die Hausbesitzer sollen eigentlich Winterdienst vor ihrer Tür machen – tun’s aber nicht. Weil in Berlin nicht funktioniert, was in jeder anderen Stadt zu funktionieren scheint, soll in der nächsten Woche ein neuer Gesetzentwurf der Grünen diskutiert werden, der der Berliner Stadtreinigung die Verantwortung für jeden Winterdienst geben soll.

Grüne: Es herrscht beim Winterdienst ein „Zuständigkeitschaos“

Die Zuständigkeiten für den Winterdienst sind laut Gesetz eigentlich klar geregelt: Die BSR ist für Stadtautobahnen, Straßen, Fußgängerüberwege, Radfahrstreifen, Radwege, Haltestellen, öffentliche Plätze sowie Fußgängerzonen verantwortlich – die Anlieger für den Rest. Die Anliegerpflicht beim Winterdienst soll durchs Ordnungsamt kontrolliert werden. Nur bei der Umsetzung des Ganzen scheint es zu haken.

Ein Räumfahrzeug der BSR beseitigt Schnee.
Ein Räumfahrzeug der BSR beseitigt Schnee.Paul Zinken

Ein „Zuständigkeitschaos“ nennt die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Oda Hassepaß, die derzeitige Lage. Ihre Partei fordert eine Gesetzesänderung: Die Stadtreinigung BSR soll nach ihrem Willen nicht nur Straßen räumen, sondern künftig schrittweise auch den Winterdienst auf Geh- und Radwegen übernehmen. Ihre Begründung: Die geltende Regelung, dass jeder Hauseigentümer seinen Gehweg-Abschnitt selbst räumen muss, funktioniere augenscheinlich überhaupt nicht.

Unfälle durch Glätte und Eis häufen sich in Berlin

Hassepaß erklärte, Glätte und Eis auf nicht geräumten Fußwegen führten derzeit zu zahlreichen Unfällen und gefährlichen Rutschpartien. Gerade Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen seien akut gefährdet. „Es ist die Fürsorgepflicht einer Stadt, dass auch die Schwächsten sicher unterwegs sein können. Berlin braucht einen professionell organisierten, effizienten Winterdienst aus einer Hand“, forderte sie. Das schütze die Menschen und spare zudem viel Geld. Ein entsprechender Antrag der Grünen werde nächste Woche im zuständigen Wirtschaftsausschuss beraten.

Wenn in der Nacht Schnee fällt, muss der Winterdienst laut Gesetz bis morgens 7 Uhr, Sonn- und Feiertags bis 9 Uhr durchgeführt werden. Im Stadtzentrum mit seinen Mehrfamilienhäusern haben Eigentümer zumeist Firmen damit beauftragt. Auf der Homepage des Senats heißt es dazu: „Damit entfällt aber nicht die Verantwortlichkeit des Anliegers. Dieser ist verpflichtet, die ordnungsgemäße Durchführung zu kontrollieren.“ (mit dpa)

Was halten Sie von dem neuen Gesetzentwurf der Grünen? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.