Glätte und Kälte legten einen Großteil des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin lahm. Es gab Staus, es gab Unfälle. Doch das Wetterchaos am Montagmorgen hatte auch eine gute Seite. Der Eisregen stoppte vorerst ein Baum-Massaker in Berlin-Lichtenberg!
Eisregen: Bauarbeiter können nicht anrücken
Im Kiez an der Joachimsthaler Ecke Plauener Straße sind die etwa 1000 Anwohner froh über das derzeitige Winterwetter, das in Berlin über Nacht Straßen und Gehwege in gefährliche Rutschbahnen verwandelte. So konnten auch die Arbeiter nicht anrücken, die die grüne Innenhof-Idylle im Joachimsthaler Karree plattmachen sollten.
Das sollte am Montagmorgen ab 7 Uhr geschehen. Halteverbotsschilder waren seit Tagen im Wohngebiet aufgestellt, damit die Autos der Anwohner nicht den anrollenden Fahrzeugen der Baumfäller im Weg stehen. Vor Tagen hatte auch die Wohnungsbaugesellschaft Howoge die Baumfällungen mittels Aushängen in den Hausfluren angekündigt.
Mehr als 50 Bäume, ein Mietergarten und ein Spielplatz sollen aus dem Innenhof verschwinden, der so groß wie ein Fußballfeld ist. Darauf will die Howoge im Auftrag des Senats zwei neue Wohnhäuser mit 105 Wohnungen bauen, die Berlin nach Ansicht der Bauverwaltung so dringend braucht.
Lichtenberger Mieter freuen sich über Eisregen
Die Mieter, die sich gegen die Zerstörung ihrer Hof-Idylle wehren, rechneten schon mit dem Schlimmsten. „Doch zum Glück blieb um 7 Uhr das angekündigte Kreischen der Kettensägen aus – dem Eisregen sei Dank“, sagt Regine Mahnke (70), Sprecherin der Mieterinitiative.

Dem Eisregen sei Dank! In der Tat. „Die heute geplanten Baumfällungen an der Joachimsthaler Straße mussten wir aufgrund von Glatteis kurzfristig verschieben“, bestätigt Howoge-Sprecherin Sabine Pentrop dem KURIER das Ausbleiben der Baumfäller.
Allerdings weiß derzeit keiner, wann sie in dem Lichtenberger Wohngebiet anrücken und mit den Baumfällungen und Rückschnittarbeiten beginnen werden. Das alles hängt momentan davon ab, wie lange Eisregen und Co. noch über Berlin beherrschen. „Sobald die Bedingungen es zulassen, werden die Arbeiten beginnen“, sagt die Howoge-Sprecherin.

Manche der Mieter hätten es daher gerne, dass die extreme Wetterlage uns noch bis 1. März im Griff hat. Der Grund: Vom 1. März bis 30. September gilt in Deutschland laut Bundesnaturschutzgesetz ein generelles Verbot, Bäume, Hecken und Gehölze außerhalb von Wäldern und gärtnerisch genutzten Flächen zu fällen oder stark zu schneiden. Dies dient dem Schutz nistender Vögel und wildlebender Tiere.
Mieter in Lichtenberg hoffen auf mehr Tage mit Eisregen
„Davon haben wir hier genug“, sagt Mietersprecherin Mehnert. „Unser Innenhof ist ein wichtiger Lebensraum für Vögel, Eichhörnchen, Igel und Insekten. Das alles wird nicht mehr da sein, wenn die Häuser darauf stehen.“ Das soll Anfang 2028 der Fall sein.



