Glätte-Glück in Lichtenberg

Eisregen stoppt Baum-Massaker der Howoge

Am Montag sollten Fällarbeiten zugunsten eines Wohnungsneubaus in einem Innenhof beginnen. Doch die Baummörder rückten nicht an.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Baumfällung im Winter: Der Eisregen in Berlin verhinderte Fällungen in einem Wohngebiet in Lichtenberg.
Baumfällung im Winter: Der Eisregen in Berlin verhinderte Fällungen in einem Wohngebiet in Lichtenberg.Frank Sorge/imago

Glätte und Kälte legten einen Großteil des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin lahm. Es gab Staus, es gab Unfälle. Doch das Wetterchaos am Montagmorgen hatte auch eine gute Seite. Der Eisregen stoppte vorerst ein Baum-Massaker in Berlin-Lichtenberg!

Eisregen: Bauarbeiter können nicht anrücken

Im Kiez an der Joachimsthaler Ecke Plauener Straße sind die etwa 1000 Anwohner froh über das derzeitige Winterwetter, das in Berlin über Nacht Straßen und Gehwege in gefährliche Rutschbahnen verwandelte. So konnten auch die Arbeiter nicht anrücken, die die grüne Innenhof-Idylle im Joachimsthaler Karree plattmachen sollten.

Das sollte am Montagmorgen ab 7 Uhr geschehen. Halteverbotsschilder waren seit Tagen im Wohngebiet aufgestellt, damit die Autos der Anwohner nicht den anrollenden Fahrzeugen der Baumfäller im Weg stehen. Vor Tagen hatte auch die Wohnungsbaugesellschaft Howoge die Baumfällungen mittels Aushängen in den Hausfluren angekündigt.

Mehr als 50 Bäume, ein Mietergarten und ein Spielplatz sollen aus dem Innenhof verschwinden, der so groß wie ein Fußballfeld ist. Darauf will die Howoge im Auftrag des Senats zwei neue Wohnhäuser mit 105 Wohnungen bauen, die Berlin nach Ansicht der Bauverwaltung so dringend braucht.

Lichtenberger Mieter freuen sich über Eisregen

Die Mieter, die sich gegen die Zerstörung ihrer Hof-Idylle wehren, rechneten schon mit dem Schlimmsten. „Doch zum Glück blieb um 7 Uhr das angekündigte Kreischen der Kettensägen aus – dem Eisregen sei Dank“, sagt Regine Mahnke (70), Sprecherin der Mieterinitiative.

Regine Mahnke (2.v.r.) kämpft mit ihrer Mieterinitiative um den Erhalt der grünen Hof-Idylle in Berlin-Lichtenberg.
Regine Mahnke (2.v.r.) kämpft mit ihrer Mieterinitiative um den Erhalt der grünen Hof-Idylle in Berlin-Lichtenberg.Markus Wächter/Berliner KURIER

Dem Eisregen sei Dank! In der Tat. „Die heute geplanten Baumfällungen an der Joachimsthaler Straße mussten wir aufgrund von Glatteis kurzfristig verschieben“, bestätigt Howoge-Sprecherin Sabine Pentrop dem KURIER das Ausbleiben der Baumfäller.

Allerdings weiß derzeit keiner, wann sie in dem Lichtenberger Wohngebiet anrücken und mit den Baumfällungen und Rückschnittarbeiten beginnen werden. Das alles hängt momentan davon ab, wie lange Eisregen und Co. noch über Berlin beherrschen. „Sobald die Bedingungen es zulassen, werden die Arbeiten beginnen“, sagt die Howoge-Sprecherin.

Blick in den winterlichen Innenhof. Die Bäume sind noch da – dank des Eisregens!
Blick in den winterlichen Innenhof. Die Bäume sind noch da – dank des Eisregens!privat

Manche der Mieter hätten es daher gerne, dass die extreme Wetterlage uns noch bis 1. März im Griff hat. Der Grund: Vom 1. März bis 30. September gilt in Deutschland laut Bundesnaturschutzgesetz ein generelles Verbot, Bäume, Hecken und Gehölze außerhalb von Wäldern und gärtnerisch genutzten Flächen zu fällen oder stark zu schneiden. Dies dient dem Schutz nistender Vögel und wildlebender Tiere.

Mieter in Lichtenberg hoffen auf mehr Tage mit Eisregen

„Davon haben wir hier genug“, sagt Mietersprecherin Mehnert. „Unser Innenhof ist ein wichtiger Lebensraum für Vögel, Eichhörnchen, Igel und Insekten. Das alles wird nicht mehr da sein, wenn die Häuser darauf stehen.“ Das soll Anfang 2028 der Fall sein.

Diese grüne Innenhof-Idylle an der Joachimsthaler Straße in Lichtenberg soll vernichtet werden.
Diese grüne Innenhof-Idylle an der Joachimsthaler Straße in Lichtenberg soll vernichtet werden.Markus Wächter/Berliner KURIER

Der Baubeginn ist für dieses Frühjahr geplant. Daher ist es für die Howoge wichtig, das die Bäume nebst Mietergarten spätestens bis zum 27. Februar verschwunden sind. Sollte das Extremwetter die Arbeiten tagelang behindern, könnte das Probleme bringen.

Bei der Howoge gibt man sich gelassen. Man rechnet damit, dass die Fällarbeiten bald starten. „Unser Zeitplan berücksichtigt solche wetterbedingten Verschiebungen, das Bauvorhaben ist dadurch nicht gefährdet“, sagt die Howoge-Sprecherin.

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