Die Wut ist groß in Berlin-Lichtenberg. Bei den etwa 1000 Anwohnern im Karree der Joachimsthaler/Plauener Straße. Ihr grüne Hof-Idylle wird jetzt von der Wohnungsbaugesellschaft Howoge plattgemacht. Am Montag soll das Baum-Massaker beginnen.
Bäume, Mietergarten, Spielplatz: Hof-Idylle soll weg
Es gibt hier über 60 Bäume, einen Spielplatz, die Mieter haben sich sogar einen schönen Garten angelegt. So groß wie ein Fußballfeld ist das grüne Innenhof-Paradies, das fast einmalig im Hochhausmeer im Lichtenberger Ortsteil Hohenschönhausen ist.
Das alles steht dem Neubauvorhaben der Howoge im Weg. Sie will zwei fünfgeschossige Häuser mitten in die grüne Oase pflanzen. Da Berlin dringend mehr Wohnraum braucht, wollen jetzt Bausenator Christian Gaebler (SPD) und seine Howoge für 105 Wohnungen einfach so 50 Bäume fällen lassen.
Dagegen wehren sich die Mieter, schalteten Lokalpolitiker ein, wendeten sich an das Bezirksamt, schrieben Protestnoten. Auch der KURIER berichtete über den Fall.

Regine Mahnke (70) ist Sprecherin der Mieter. „Seit über vier Jahren kämpfen wir gegen die Bebauung, seitdem sie bekannt wurde“, sagt sie. „Wir sind nicht gegen sozialen Wohnungsbau. Aber wir wollen auch nicht, dass Wohnungen ein Stück wertvoller Natur zerstören.“
Doch das soll jetzt geschehen. „Wir waren entsetzt, als wir in den Hausfluren die Anwohner-Infos der Howoge fanden, die das Baum-Massaker ankündigen“, sagt Mahnke.
In dem Info der Howoge heißt es: „Für die Vorbereitung des Wohnungsneubaus ist es nun erforderlich, Baumfällungen und Rückschnittarbeiten durchzuführen. Durch die Arbeiten kann es leider, trotz Bemühungen, zeitweise lauter werden. Wir bitten Sie, die Beeinträchtigung zu entschuldigen und bedanken uns für Ihr Verständnis.“
Verständnis haben die Mieter dafür natürlich nicht. „Die Bäume und unser Mietergarten sind schützenswert“ sagt Mieter-Sprecherin Mahnke. „Sie sind ein wichtiger Lebensraum für Vögel, Eichhörnchen, Igel und Insekten. Das alles wird nicht mehr da sein, wenn die Häuser darauf stehen.“
Baum-Massaker soll in Lichtenberg Fakten schaffen
Vom 26. Januar bis zum 27. Februar sind die Baumfällungen geplant. „Man will schnell Fakten schaffen“, sagt Mahnke. Denn vom 1. März bis 30. September gilt in Deutschland laut Bundesnaturschutzgesetz ein generelles Verbot, Bäume, Hecken und Gehölze außerhalb von Wäldern und gärtnerisch genutzten Flächen zu fällen oder stark zu schneiden. Dies dient dem Schutz nistender Vögel und wildlebender Tiere.

Nicht nur wegen des Verbotes muss die Howoge jetzt die Kettensägen im Innenhof der Joachimsthaler Straße kreischen lassen. Der Baubeginn für die Wohnblöcke ist für das Frühjahr 2026 geplant. Anfang 2028 sollen sie stehen.
Im Vorfeld hatte die Howoge erklärt, dass das Bauprojekt ebenfalls naturnah umgesetzt werde. Man plane begrünte Dächer, Regenwasserflächen, Blühhecken und schattenspendende Aufenthaltsbereiche.





