Alarmstufe rot! Wer seine Wetter-App öffnet und die Luftqualität an seinem Standort checkt, sieht eine große rote Fläche. Diese erstreckt sich über den kompletten Osten, fast ganz Deutschland ist davon betroffen. Alles rot!
Der Grund: Die Schadstoffe aus polnischen und tschechischen Kohlekraftwerken sowie aus zehntausenden privaten Kohleheizungen ziehen nach Deutschland und verpesten unsere Luft. Besonders betroffen: Berlin.
Drecklust kommt hauptsächlich aus Polen und Tschechien
„Bei der Lage schätze ich jetzt mal, dass so ungefähr 60 bis 70 Prozent des Berliner Feinstaubs aus Polen und Tschechien kommt“, sagte Wetterexperte Karsten Brandt am Sonntagabend dem Berliner KURIER. Aufgrund der Südostströmung komme der Dreck teilweise sogar aus Rumänien und der Slowakei.
In Berlin lag die Feinstaub-Konzentration am Sonntag bei 140 Mikrogramm pro Kubikmeter. Mehr als die Hälfte des Feinstaubs in der Luft kam zum Wochenende aus Polen.
Nur kurzzeitige Besserung in Sicht
Besserung ist in den kommenden Tagen nur kurzzeitig in Sicht. Durch den Schneefall am Sonntag und durch die Kälte wird die Luft zwar reingewaschen, doch schon am Mittwoch und Donnerstag kommt die dreckige Luft durch den Ostwind wieder rüber. „Dann haben wir hier richtig, richtig große Probleme“, sagte der 52-Jährige.
Menschen stark von Feinstaub belastet
Vor allem für Menschen mit Atemwegserkrankungen wird es dann schlimm. Der Feinstaub schlage auf die Bronchien, Atemnot wird größer. „Das kann schon vermehrt auftreten.“ Gefährdet seien auch kleine Kinder und alle Menschen, die anfällig für verunreinigte Luft sind. „Der Feinstaub ist schon gefährlich“, bekräftigte Brandt und verwies auf Studien, nach denen die Sterblichkeit an stark belasteten Feinstaubtagen zwischen 10 und 20 Prozent höher liege.
Um sich zu schützen, sollten anfällige Menschen lieber in den eigenen vier Wänden bleiben. Falls sie doch vor die Tür müssen, dann lieber am Tage und nicht abends oder nachts. Dann sei die Luft noch schlechter, weil sie zum Teil stehe. Besonders schlecht ist die Luft morgens, auch sollten Straßen gemieden werden.
Besserung wohl erst ab dem 7. Februar in Sicht
Für besonders empfindliche Menschen rät der Experte entweder zu einer Maske, wie man sie aus Corona-Zeiten kennt, oder einen Raumluftfilter für die eigene Wohnung. Der kostet aber mehrere hundert Euro und wird in der Regel nicht von den Krankenkassen finanziert. „Man hat danach definitiv bessere Luft“, sagte Brandt. Das gelte auch für die Pollenzeit im Frühling.
Und wann ist Deutschland diese Drecksluft endlich wieder los? Auf diese Frage hat der Experte keine gute Antwort parat. Nach seinen Daten wird der Zustand noch mindestens bis zum 7. Februar anhalten. Als Grund nannte er den starken Südostwind und die bleibende Kälte. „Das ist alles wie verhext hier“, sagte Brandt. „Das ist noch bitterlange.“


