In vielen Berliner Kiezen sind sie leider schon Mangelware: Wo früher an fast jeder Ecke Altkleidercontainer standen, klaffen heute Lücken. Und dort, wo die Sammelstellen noch erhalten sind, türmen sich Plastiksäcke mit alten Jacken, Hosen und T-Shirts. Die Branche steckt tief in der Krise, die Entsorgung finanziell kaum mehr zu bezahlen. Dem Verwertungssystem von Alttextilien könnte sogar das komplette Aus drohen.
EU-Richtlinie belastet die Branche
Angefangen hat der Niedergang der Branche mit einer neuen EU-Richtlinie, die seit dem 1. Januar 2025 eine verpflichtende Getrenntsammlung von Alttextilien vorsieht.
Kleidung, Bettwäsche, Handtücher oder Gardinen dürfen seitdem nicht mehr einfach im Restmüll landen, sondern sollen über Altkleidercontainer oder Wertstoffhöfe entsorgt werden. Die Neuregelung wurde allerdings gründlich missverstanden, so dass Nutzer schließlich alle Textilien in Altkleidercontainer einwarfen. Sie vermüllen mit stark verschmutzter, kaputter Altkleidung, die auch weiterhin in den Restmüll gehört. In den Containern soll eigentlich nur nutzbare Kleidung landen. Vielerorts zogen Anbieter die Reißleine wegen der ständig stark überfüllten Container.
Absatzmärkte für Altkleidung bricht weg
Unabhängig davon steckt die Altkleiderbranche schon seit Längerem in einer tiefen Krise. In den Containern landet immer häufiger minderwertige oder beschädigte Ware, sogenannter Fast-Fashion-Abfall. Das macht das Sortieren teuer und oft unwirtschaftlich. Gleichzeitig brechen wichtige Absatzmärkte weg. Länder in Afrika und Osteuropa, lange Hauptabnehmer gebrauchter Kleidung, sind zunehmend mit Billigimporten aus China überschwemmt oder durch den Ukraine-Krieg kaum noch erreichbar.

Entsorgung der Altkleider immer teurer
Dabei steigen andererseits die Entsorgungskosten von Stoffmüll, der in den Containern landet, für Anbieter wie die Berliner Stadtmission stetig. 2023 waren es bereits 10.000 Euro Entsorgungskosten; Tendenz weiter steigend. Die Folge: Die Altkleidercontainer lohnen sich für die Anbieter kaum noch. Nach RBB-Informationen hat die Berliner Stadtmission zuletzt neun ihrer vorher 26 Container abgebaut. Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Berlin und die Malteser verdienen am Geschäft mit Alttextilien zu wenig.


