Seltsames Phänomen

Warum Altkleidercontainer aus Berlins Kiezen verschwinden

Die Entsorgung von Altkleidern lohnt sich kaum noch, die ganze Branche steckt tief in der Krise

Author - Stefan Doerr
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Altkleidungscontainer sind Mangelware geworden, die Branche steckt tief in der Krise.
Altkleidungscontainer sind Mangelware geworden, die Branche steckt tief in der Krise.IMAGO/Rolf Poss

In vielen Berliner Kiezen sind sie leider schon Mangelware: Wo früher an fast jeder Ecke Altkleidercontainer standen, klaffen heute Lücken. Und dort, wo die Sammelstellen noch erhalten sind, türmen sich Plastiksäcke mit alten Jacken, Hosen und T-Shirts. Die Branche steckt tief in der Krise, die Entsorgung finanziell kaum mehr zu bezahlen. Dem Verwertungssystem von Alttextilien könnte sogar das komplette Aus drohen.

EU-Richtlinie belastet die Branche

Angefangen hat der Niedergang der Branche mit einer neuen EU-Richtlinie, die seit dem 1. Januar 2025 eine verpflichtende Getrenntsammlung von Alttextilien vorsieht.

Kleidung, Bettwäsche, Handtücher oder Gardinen dürfen seitdem nicht mehr einfach im Restmüll landen, sondern sollen über Altkleidercontainer oder Wertstoffhöfe entsorgt werden. Die Neuregelung wurde allerdings gründlich missverstanden, so dass Nutzer schließlich alle Textilien in Altkleidercontainer einwarfen. Sie vermüllen mit stark verschmutzter, kaputter Altkleidung, die auch weiterhin in den Restmüll gehört. In den Containern soll eigentlich nur nutzbare Kleidung landen. Vielerorts zogen Anbieter die Reißleine wegen der ständig stark überfüllten Container.

Absatzmärkte für Altkleidung bricht weg

Unabhängig davon steckt die Altkleiderbranche schon seit Längerem in einer tiefen Krise. In den Containern landet immer häufiger minderwertige oder beschädigte Ware, sogenannter Fast-Fashion-Abfall. Das macht das Sortieren teuer und oft unwirtschaftlich. Gleichzeitig brechen wichtige Absatzmärkte weg. Länder in Afrika und Osteuropa, lange Hauptabnehmer gebrauchter Kleidung, sind zunehmend mit Billigimporten aus China überschwemmt oder durch den Ukraine-Krieg kaum noch erreichbar.

Ein leider übliches Bild: Die wenigen verbliebenen Altkleidercontainer sind überfüllt.
Ein leider übliches Bild: Die wenigen verbliebenen Altkleidercontainer sind überfüllt.IMAGO/Eckhard Stengel

Entsorgung der Altkleider immer teurer

Dabei steigen andererseits die Entsorgungskosten von Stoffmüll, der in den Containern landet, für Anbieter wie die Berliner Stadtmission stetig. 2023 waren es bereits 10.000 Euro Entsorgungskosten; Tendenz weiter steigend. Die Folge: Die Altkleidercontainer lohnen sich für die Anbieter kaum noch. Nach RBB-Informationen hat die Berliner Stadtmission zuletzt neun ihrer vorher 26 Container abgebaut. Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Berlin und die Malteser verdienen am Geschäft mit Alttextilien zu wenig.

Kann eine Gebühr das Container-System retten?

Um das Verwertungs-System vor dem Aus zu bewahren, schlägt der . Verband „Fairwertung“ eine Gebühr vor, um den Betrieb der Container zu finanzieren. 50 Cent bis ein Euro pro Kopf im Jahr seien in etwa notwendig, um das Container-System zu erhalten, so der Verband laut „RBB“-Angaben. Die Gebühr könnte von den Kommunen über die Müllgebühr eingezogen werden.

Bis es zu einer Lösung für die Branche gekommen ist, appellieren Sammler wie DRK, Caritas und Berliner Stadtmission weiterhin, sorgfältiger zu trennen. Stark verschmutzte oder kaputte Textilien behindern das Recycling. Sie gehören in den Restmüll oder zu den Wertstoffhöfen der BSR, wo sie fachgerecht entsorgt werden.