Eis, Kälte, Dunkelheit. Und plötzlich Hilferufe aus der Tiefe. Am Tempelhofer Hafen gerieten im Januar Dutzende Kormorane in eine lebensgefährliche Falle. Die Vögel waren in ein Regenauslaufbauwerk geraten und kamen nicht mehr heraus.
So gerieten die Kormorane in die Falle
Anwohner und der Hafenbetreiber meldeten am 12. Januar ungewöhnliche Geräusche aus Schächten der Regenkanäle. Kurz zuvor hatten sich hunderte Kormorane auf der zugefrorenen Wasserfläche gesammelt. Auf der Suche nach Fischen tauchten viele der Tiere bis zu 30 Meter tief und folgten ihrer Beute in das Bauwerk.
Dort verloren sie die Orientierung. Die Vögel durchschwammen mehrere Gitter, verirrten sich in dem komplexen Kammersystem und fanden keinen Rückweg mehr. Für die Tiere wurde die Situation lebensgefährlich.
Anders als Enten werden Kormorane beim Tauchen komplett nass. Ohne Sitzplätze zum Trocknen der Flügel drohten Erschöpfung und Ertrinken.

Sofort begann eine groß angelegte Rettungsaktion. Einsatzkräfte der Berliner Wasserbetriebe, der Naturwacht Berlin, des Umwelt- und Naturschutzamtes sowie der Veterinäraufsicht des Ordnungsamtes Tempelhof-Schöneberg arbeiteten eng zusammen.
Rettung unter extremen Bedingungen
Die Bedingungen waren extrem. Schnee, Eis und Tauwasser erschwerten den Einsatz. In allen drei Kammern wurden schwimmende Plattformen eingesetzt, damit die Vögel aus dem Wasser konnten. Die Tiere nahmen diese sofort an und breiteten ihre Flügel zum Trocknen aus.
Anschließend pumpten die Berliner Wasserbetriebe mit Spezialfahrzeugen das Wasser ab. Ein dreiköpfiges Team der Naturwacht stieg in Gummianzügen und mit Atemmasken in das schlammige Bauwerk hinab. Vogel für Vogel wurde geborgen.

Am Ende konnten 79 Kormorane lebend gerettet werden. Die meisten von ihnen Jungtiere. Sie waren gesund und wurden sicher im Teltowkanal wieder in die Freiheit entlassen.
Doch nicht alle konnten gerettet werden. 15 Kormorane wurden tot aus dem Bauwerk geborgen. Weitere 40 Tiere waren bereits zuvor tot im Hafenbecken unter der Eisdecke entdeckt worden. Alle wurden zur Untersuchung ins Landeslabor Berlin-Brandenburg gebracht.


