In der Trauer um einen Menschen sucht man oft nach etwas Positiven. So ist es auch in der Trauer um Angelika Mann der Fall – der großen Entertainerin aus der DDR, die vergangene Woche im Alter von 76 Jahren an Krebs starb. Für so manchen, die die „Lütte“ sehr gut kannten, dürfte es jetzt ein Trost sein, dass die Sängerin nun endlich wieder mit ihrem geliebten Ecki zusammen sein kann.
Angelika Mann: „Mein Ecki war ein ganz Lieber“
Die Lütte und ihr Ecki – das war schon ein unzertrennliches Gespann. Es gibt Schwarzweiß-Fotos, die die beiden am Ostsee-Strand zeigen. „Mein Ecki war sehr süß und ein ganz Lieber, auch wenn er mir einmal `ne Nähnadel in den Hintern pikste.“
So erinnerte sich vor Jahren Angelika Mann in einer ARD-Sendung an ihre Kindheit und an ihren vier Jahre jüngeren Bruder Eckart. „Einen kleinen Bruder zu haben, ist etwas sehr Schönes“, sagte sie.
Aus diesen Worten ist erkennbar, wie sehr Angelika Mann an ihrem Ecki hing – und wie sehr sie ihn in den vergangenen Jahren vermisste. Denn Eckart Mann stirbt 2019 an einer Lungenfibrose. Nur 66 Jahre wird er alt. Im Jahr 2019 ist es für die Lütte das zweite Mal, dass sie ihren Bruder verliert – dieses Mal für immer.
Angelika Mann und ihr Ecki: Liebe zu den Rolling Stones
Ihren Ecki! Das erste Mal nahm die Stasi den Bruder von Angelika Mann. Das war am 7. Oktober 1969, als er wegen seiner Liebe zu den Rolling Stones in der DDR ins Gefängnis kam.
Der Grund: Damals hatte im Radio RIAS-Moderator Kai Bloemer aus Spaß erzählt, dass zum 20. DDR-Jahrestag die Stones auf dem Dach des Springer-Verlagshauses nahe der Berliner Mauer spielen würden. Obwohl der Sender den Gag zurücknimmt, ziehen Tausende DDR-Jugendliche zum Spittelmarkt, um von der Ostseite die Kultband zu hören, die natürlich nicht kam.

Angelika Mann erzählte vor Jahren dem KURIER, was passiert war. „Ich war damals 20, hatte meine ersten Auftritte. Ecki war 16, wollte an diesem Tag unbedingt die Stones an der Mauer hören. Obwohl unsere Mutter und ich ihm abrieten, war er nicht zu bremsen, ging dorthin. Er liebte die Stones.“ Angelika Mann folgte ihrem Bruder, wollte ihn nach Hause holen. „Aber ich fand ihn in der Menge nicht mehr.“
Angelika Mann: Stasi steckte Bruder ins Gefängnis
Stattdessen sieht sie, wie sich auf dem Platz auch FDJ-Gruppen in die Fan-Menge mischen. „Die Stimmung war aggressiv“, sagte die Lütte. Die FDJler gingen zwischen die Jugendlichen, einige schlugen auf die Stones-Fans ein.
Auch Stasi und Polizei sind da. Laut den Unterlagen werden 430 Jugendliche festgenommen und mit Lkws abtransportiert. Wie die Lütte fast eine Woche später erfährt, ist auch ihr Bruder Eckart unter den Festgenommenen.

„An dem Tag selber hat man uns nichts gesagt“, sagte Angelika Mann. „Meine Mutter war sogar bei der Polizei, weil mein Bruder nicht nach Hause kam. Man sagte ihr nichts. Erst nach einer Woche erfuhren wir, dass Ecki im berüchtigten Polizeigefängnis Keibelstraße am Alex war. Ich ging dort wutentbrannt hin, forderte beim Pförtner, dass ich meinen Bruder sehen will und man ihn freilassen soll. Natürlich hatte ich keinen Erfolg.“
Angelika Mann: Urteil für mein Bruder stand fest“
Es kommt zum Prozess. „In Handschellen hatte man meinen 16-jährigen Bruder wie einen Verbrecher in den Gerichtssaal gebracht“, sagt die Lütte. „Zwei bis drei Jahre Jugendhaft bekam er, das Urteil stand bereits fest.“

Was folgt, hat die Lütte nie überwunden. Ihr Bruder kommt in die berüchtigte Jugendhaftanstalt Dessau. Aus Berichten ehemaliger Inhaftierten weiß man, dass dort die Jugendlichen misshandelt, einige sogar sexuell missbraucht wurden. Drill, Isolationshaft, Prügel waren an der Tagesordnung.
„Auch Ecki hatte dort Schlimmes erlebt, nur er sprach mit meiner Mutter und mir nie darüber. Nur weil mein Bruder die Stones hören wollte, musste er dies alles durchmachen“, erzählte Angelika Mann dem KURIER.




