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Ahmad Abul Baraa: Der Youtube-Prediger aus dem Mittelalter

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Rund 10000 Menschen folgen dem Salafisten-Prediger Ahmad Abul Baraa auf der Video-Plattform Youtube. Er tritt zudem in einer umstrittenen Moschee in Wedding auf.

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Screenshot Youtube

Berlin -

Er bezeichnet die Beschneidung von Frauen als „Ehrung“. Er rät Männern, die eigene Cousine zu heiraten. Er unterstellt Frauen, selbst schuld zu sein, wenn sie belästigt werden. Ahmad Abul Baraa ist ein Salafist, seine Weltsicht ist mittelalterlich und radikal – dennoch predigt er in einer Berliner Moschee und im Internet.

„Wie sieht der Hijab (zu Deutsch: Schleier, die Redaktion) der Frauen heute aus? Der schreit förmlich: Komm und belästige mich“, sagt Ahmad Abul Baraa in einem neuen Youtube-Video. „Wenn du belästigt werden möchtest, dann zieh dich an wie alle anderen Frauen, die ebenfalls belästigt werden möchten.“ Deshalb sollen Frauen ihm zufolge keine bunten Farben und kein Parfüm tragen. Ansonsten seien sie nur ein „Lustobjekt“ wie die Frauen der Ungläubigen. Mit solchen Aussagen gibt er Frauen selbst die Schuld, wenn sie Opfer von Belästigung werden.

Bereits seit mehreren Jahren lädt der Salafistenprediger derartige Clips ins Internet. Er spricht darin über beinahe jedes Thema. Es geht fast immer darum, was für Muslime erlaubt ist und was nicht.

„Wenn die Frau eine Überlänge bei der Klitoris besitzt, so hat sie ein sehr großes Verlangen nach Intimität. Indem dieses kleine Stück von der Klitoris entfernt wird, normalisiert sich das Verhältnis von dieser Frau zur Intimität“, sagt Ahmad Abul Baraa in einem seiner Youtube-Videos von 2012.

„Das ist blanker Unsinn“, sagt Ulla Barreto, Vorsitzende von Tabu e.V., zum KURIER. Der Verein engagiert sich gegen die Genitalverstümmelung bei Frauen. „Manche Prediger propagieren das immer noch als ehrenhaft für die Frau.“ Die Auswirkungen seien verheerend. „Die Frauen behalten Narben zurück, bei Geburten kommt es deswegen zu Problemen. In Deutschland ist diese Genitalverstümmelung illegal.“ 

Die Beschneidung bei der Frau sei im Islam zwar nicht verpflichtend, sagt Ahmad Abul Baraa in dem Video, aber eine „Ehrung“ für die Frau. 

In einem weiteren Video erklärt er, wie ein Moslem eine Frau zum Heiraten finden kann. Er solle keine Frau auf der Straße ansprechen, sondern sich lieber in der eigenen Familie umhören. „Die Cousine zu heiraten ist ja erlaubt“, sagt Ahmad Abul Baraa. 

Der Salafist predigt seine radikale Weltsicht nicht nur im Internet. Er tritt zudem in der as-Sahaba-Moschee in Wedding auf. Der Verfassungsschutz hat diese Moschee 2015 als „Treffort von Salafisten“ eingestuft. Auch der Rapper Deso Dogg predigte in dieser Moschee, bevor er sich der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ in Syrien anschloss.

Ahmad Abul Baraa wird nach eigener Aussage und auch Medienberichten zufolge vom Verfassungsschutz beobachtet. Seine „Unterrichte“ in der Moschee landen nicht im Netz. Doch allein die Videos seiner Vorträge sind bedenklich. Sie vermitteln ein Frauenbild aus dem Mittelalter. 

Aber wie kann es sein, dass ein Mann mit derartigen Ansichten in einer Berliner Moschee auftreten darf? Der Verfassungsschutz Berlin war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.