Zwangsräumungen

Wohnungs-Drama in Berlin: Immer mehr Familien verlieren ihr Zuhause

In Berlin wurden 2024 mehr als 2200 Wohnungen zwangsgeräumt. Immer mehr Menschen verlieren ihr Zuhause – die Wohnungsnot spitzt sich dramatisch zu.

Author - Stefan Henseke
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Eine Hauswand in Neukölln: Immer wieder wird in Berlin gegen Zwangsräumungen und Wohnungsleerstand protestiert.
Eine Hauswand in Neukölln: Immer wieder wird in Berlin gegen Zwangsräumungen und Wohnungsleerstand protestiert.serienlicht/imago

Es ist wohl die größte Angst vieler – die eigene Wohnung zu verlieren, auf der Straße zu landen. Keine Seltenheit: Hunderten Berlinern ist das im vergangenen Jahr passiert. 2024 mussten in der Hauptstadt 2211 Wohnungen zwangsweise geräumt werden. Das sind 135 mehr als im Vorjahr. Tausende Menschen verloren ihr Zuhause. Hinter jeder Zahl steht ein Schicksal.

Die Statistik des Bundesjustizministeriums zeigt: Weniger als jede dritte Klage endete tatsächlich mit einer Räumung. Immerhin. Insgesamt wurden bei den Berliner Amtsgerichten sogar mehr als 7500 Verfahren eingereicht.

10.000 Zwangsräumungen in NRW

In Brandenburg sieht es etwas anders aus. Dort wurden 803 Wohnungen geräumt – ein Rückgang um 90 Fälle. Doch bundesweit steigt die Zahl. Mehr als 32.000 Wohnungen wurden 2024 zwangsgeräumt. Über 2000 mehr als im Jahr zuvor.

Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit über 10.000 Räumungen. Dahinter Bayern, Niedersachsen und Sachsen. Nur wenige Länder wie Brandenburg, Bremen, Hessen und Thüringen verzeichnen Rückgänge.

Die Linken-Politikerin Caren Lay spricht von einer „sozialen Katastrophe“. Sie fordert ein Verbot von Zwangsräumungen, wenn Menschen dadurch obdachlos werden. Mehr sozialer Wohnraum, besserer Kündigungsschutz – das seien die dringendsten Maßnahmen. Für Menschen über 70 will sie ein komplettes Kündigungsverbot.

Die Ursachen sind klar: Mietschulden. Und die Mieten selbst explodieren. In den letzten zehn Jahren stiegen sie bundesweit um 50 Prozent. Für viele unbezahlbar.

Wohnarmut: 18 Millionen sind betroffen

Ein Bericht des Paritätischen Gesamtverbandes zeigt das Ausmaß der Wohnarmut. 18,4 Millionen Menschen sind betroffen. Das entspricht 22,3 Prozent der Bevölkerung. Besonders junge Erwachsene und Senioren leiden. Bei den unter 25-Jährigen liegt die Quote bei 31 Prozent, bei den über 65-Jährigen bei 29 Prozent. Familien mit vielen Kindern und Alleinerziehende trifft es besonders hart.

Als armutsgefährdet gelten dem Verband zufolge Menschen, die nach Abzug von Miete, Nebenkosten und Strom weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens hat. Für eine Familie mit zwei kleinen Kindern bedeutet das: Bleiben weniger als 2284 Euro im Monat, gilt sie als gefährdet.

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