Köpenick

Gelbe Gefahr aus Sibirien: Wie das Zackenschötchen Berliner Wiesen bedroht

Das Orientalische Zackenschötchen breitet sich auf den Hirschgartenwiesen in Berlin-Köpenick aus und verdrängt seltene Pflanzenarten.

Author - Stefan Henseke
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Das Orientalische Zackenschötchen blüht grellgelb und sieht ähnlich aus wie Raps. Doch die invasive Art macht andere Pflanzen platt.
Das Orientalische Zackenschötchen blüht grellgelb und sieht ähnlich aus wie Raps. Doch die invasive Art macht andere Pflanzen platt.Gottfried Czepluch/imago

Sie sieht harmlos aus. Gelb blühend, fast wie Raps. Doch die Pflanze hat es in sich. Das Orientalische Zackenschötchen – ursprünglich aus Russland und Sibirien – breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Jetzt hat es auch Berlin erreicht. Genauer: die Hirschgartenwiesen in Köpenick. Und das ist keine gute Nachricht für Kleingärtner und Naturschützer.

Die Staude wächst buschig, wird bis zu 1,50 Meter hoch. Von Mai bis August leuchtet sie intensiv gelb. Schön anzusehen – aber brandgefährlich für die Artenvielfalt. Denn die gelbe Gefahr ist konkurrenzstark. Die invasive Art verdrängt andere Pflanzen, bildet dichte Bestände. Alte Wiesenvegetation wird verdrängt, teilweise komplett ausgelöscht. Was bleibt, ist eine monotone Fläche. Für Insekten bedeutet das weniger Nahrung, für seltene Pflanzenarten das Aus.

Folien sollen das Orientalische Zackenschötchen stoppen

Gerade die Hirschgartenwiesen sind ein botanischer Schatz. Hier wachsen selten gewordene und gefährdete Arten, die in Berlin kaum noch vorkommen. Gegen invasive Arten wie das Zackenschötchen rücken Freiwillige regelmäßig mit Unkrautstechern an. Sie graben die Wurzeln aus, um die Ausbreitung zu stoppen.

Doch das reicht nicht. Im Oktober wurden zusätzlich Folien ausgelegt. Die lichtliebende Pflanze soll so am Austreiben gehindert werden. Die Methode ist simpel: Samen keimen, Jungpflanzen werden abgedeckt, ohne Licht sterben sie ab. Das Ganze muss über Jahre laufen. Denn die Samen überdauern lange im Boden. Zwei bis drei Jahre wird die Aktion wohl dauern.

Orientalisches Zackenschötchen: Nicht mulchen!

Das Problem: Das Zackenschötchen produziert massenhaft Samen. Sie werden durch Erdtransporte, Tierfutter oder Tiere verbreitet. Erste Pflanzen tauchen oft neben Verteilerkästen, Laternenmasten oder frisch bearbeiteten Flächen auf. Von dort breitet sich die Pflanze rasant aus. Selbst kleinste Wurzelstücke können neue Populationen bilden.

Experten sagen: Nur das vollständige Ausstechen hilft wirklich. Herbizide könnten bei großen Flächen nötig sein. Aber Vorsicht: Mulchen ist kontraproduktiv. Denn das erleichtert die Keimung der Samen. Pflanzen mit reifen Samen müssen unbedingt fachgerecht entsorgt werden. Sonst geht der Kreislauf weiter und weiter.

Im Südosten der Hirschgartenwiesen in Köpenick wurden testweise Folien ausgelegt, um die lichtliebende Pflanze am erneuten Austreiben zu hindern.
Im Südosten der Hirschgartenwiesen in Köpenick wurden testweise Folien ausgelegt, um die lichtliebende Pflanze am erneuten Austreiben zu hindern.N. Manke/Bezirksamt Treptow-Köpenick

Übrigens: Das Orientalische Zackenschötchen ist essbar. Junge Pflanzenteile können gekocht oder als Salat zubereitet werden. Die einjährige Wurzel soll wie Meerrettich schmecken. Und die Knospen lassen sich wie Brokkoli zubereiten. Die Pflanze ist ein invasiver Feind – aber mit kulinarischem Potenzial.