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Gleichberechtigungs-Pissoirs geplant: Senat will Frauen im Klo stehen lassen

Über das Urinal für Frauen herrscht bei den Berlinerinnen Uneinigkeit.

Über das Urinal für Frauen herrscht bei den Berlinerinnen Uneinigkeit.

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Prince Grobhelm - CC BY-SA 3.0

Berlin -

In der Hauptstadt gibt es rund 250 öffentliche Toiletten – noch. Denn der Vertrag mit dem bisherigen Betreiber Wall läuft aus, die Häuschen werden bis Ende 2018 von der Bildfläche verschwinden. Im neuen Toilettenkonzept fordert der rot-rot-grüne Senat nun mehr Gleichberechtigung. Demnach sollen Frauen künftig auch im Stehen pinkeln.

Wieso gibt es Pissoirs für Männer aber nicht für Frauen? Diese Frage stellt man sich schon seit Jahren und jetzt auch verstärkt Fachleute des Senats. In ihrem neuen 97 Seiten langem Toiletten-Konzept (in Zusammenarbeit mit der Firma Zebralog und der Technischen Universität Berlin) dreht es sich um Hygiene, Sicherheit und Barrierefreiheit. Doch größtes Kapitel ist das Thema „Gleichberechtigung“ – auf Seite 30.

Dort heißt es „dass es ungerecht sei, wenn nur Männer im Stehen urinieren dürfen, Frauen aber nicht“. Der Senat äußert sich klar: „ ...dass es wichtig sei, Männern Urinale anzubieten, da sie eher zum Wildpinkeln tendieren“ würden als Frauen. Infolgedessen soll die öffentliche Toilette künftig eine „geschlechtsneutrale Einzelkabine“ sein, mit einem Sitzbecken und je einem Urinal für Frauen und Männer. „Wir wollen sicherstellen, dass es keine Versorgungslücke gibt“, sagt Senatssprecher Matthias Tang zum KURIER.

Bisher konnte sich noch kein Konzept dieser Art durchsetzen. Denn Frauen pullern anders als Männer, niedrigere Becken müssen her. Hinzu kommt, dass die meisten Einrichtungen keine Trennwände besitzen. Findet auch Studentin Serafina aus Friedrichshain. Sie sagt: „Mit der Privatsphäre wäre es dann vorbei. Ich kann mir nicht vorstellen, das man sich da nicht schämt.“

Es müssten also neue Modelle her und das könnte für den Senat ziemlich teuer werden, denn die Firma Wall, die seit 25 Jahren umsonst City-WCs aufstellte, wird diese neuen Toiletten nicht anbieten. Es wird mit Kosten bis zu 130 Millionen Euro gerechnet.  Die CDU kritisiert die geplante Finanzierung der Klosetts durch sogenannte GRW-Mittel aus der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“, für die Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) zuständig ist.

Der baupolitische Sprecher Christian Gräff: „Es ist eine reine Bankrotterklärung, wenn gut ausgeschöpfte Fördermittel nun für die öffentlichen Toiletten genutzt werden. Diese sollten besser für Unternehmen und öffentliche Investitionen eingesetzt werden.“ Wer den Betrieb also in Zukunft übernimmt, ist noch unklar. Fest stehen bisher nur die Pläne für das neue Frauen-Urinal.