Mehr Sicherheit in Öffis

Heftiger Streit um Zugangssperren zur Berliner U-Bahn

Sollen Fahrgäste nur noch mit gültigem Ticket Zutritt zur U-Bahn haben? Berlin könnte sich an Paris oder London ein Beispiel nehmen.

Author - Stefan Doerr
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Eine U-Bahn der Linie 5 fährt in den U-Bahnhof Unter den Linden ein.
Eine U-Bahn der Linie 5 fährt in den U-Bahnhof Unter den Linden ein.Fabian Sommer/dpa

Zutritt zur U-Bahn nur noch mit gültigem Ticket? Im Berliner Abgeordnetenhaus ist eine hitzige Debatte über Zugangssperren an allen 175 U-Bahnhöfen der Hauptstadt entbrannt. In Metropolen wie Paris oder London machen Sperren die U-Bahn sicherer – doch in Berlin sind die Fronten verhärtet.

Den Anstoß gab die AfD-Fraktion mit einem Antrag im Parlament. Ihr Ziel: Bahnsteige und bahnsteignahe Bereiche sollen grundsätzlich nur noch nach vorheriger Kontrolle eines gültigen Fahrscheins zugänglich sein.

„Zugangskontrolle schafft Sicherheit“, argumentierte der AfD-Abgeordnete Rolf Wiedenhaupt. „Die U-Bahn ist keine Ersatzwohnung, kein Partykeller und kein Drogen-Verkaufsshop“, ergänzte er. Aus Sicht seiner Fraktion würden Sperren nicht nur das Sicherheitsgefühl stärken, sondern auch Missstände eindämmen.

Das Vorbild: In der Pariser Metro müssen Fahrgäste mit ihrem Ticket die Zugangssperre passieren.
Das Vorbild: In der Pariser Metro müssen Fahrgäste mit ihrem Ticket die Zugangssperre passieren.Imago/Blickwinkel

SPD und Linke wollen keine teure Zugangssperre

Scharfer Widerspruch kam von der SPD. Matthias Kollatz bezeichnete das Vorhaben als realitätsfern. Ein geschlossenes System mit Drehkreuzen sei in Berlin faktisch nicht umsetzbar. Schon allein wegen der zahlreichen U-Bahn-Aufzüge, die direkt auf die Bahnsteige führen, lasse sich ein solches Konzept baulich kaum durchsetzen.

Auch die Linke lehnt die Pläne strikt ab. Kristian Ronneburg verwies auf den enormen Aufwand angesichts von 175 U-Bahnhöfen. Einzelne Stationen mit hohen Millionensummen umzubauen, sei ebenfalls nicht sinnvoll. „Wir lehnen Zugangssperren leidenschaftlich ab“, sagte er. Wer auf diese Weise etwa obdachlose Menschen aussperren wolle, betreibe Sozialdarwinismus. Zudem würden Sperranlagen die U-Bahn störanfälliger machen.

In einem Punkt herrschte allerdings Einigkeit: Mehr Sicherheit im Nahverkehr ist für alle Fraktionen ein Ziel. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) ging auf das konkrete Modell eines geschlossenen Systems nicht direkt ein, betonte jedoch: „Unser erklärtes Ziel ist, das Sicherheitsgefühl nicht nur gefühlt zu steigern, sondern ganz real für mehr Sicherheit zu sorgen.“ Und weiter: „Denn Mobilität ist Teil kritischer Infrastruktur.“

Der AfD-Abgeordnete Rolf Wiedenhaupt fordert Zugangssperren zur U-Bahn für mehr Sicherheit.
Der AfD-Abgeordnete Rolf Wiedenhaupt fordert Zugangssperren zur U-Bahn für mehr Sicherheit.imago/dts Nachrichtenagentur

CDU befürwortet Zugangssperren zur U-Bahn

Innerhalb der CDU gibt es seit Jahren Sympathien für Zugangssperren. Christopher Förster erinnerte daran, dass seine Partei diese bereits früher gefordert habe. Sperren könnten Schwarzfahren reduzieren und die Sicherheit erhöhen.

Bereits im vergangenen Herbst hatte CDU-Fraktionschef Dirk Stettner Zugangssperren an allen U-Bahnhöfen ins Spiel gebracht. Die geschätzten Kosten: rund 400 Millionen Euro über zehn Jahre.

Die BVG selbst zeigte sich damals aber skeptisch. Ein geschlossenes System wie in London oder Paris sei allein aus baulichen Gründen in Berlin kaum realisierbar.

Braucht Berlin Zugangssperren in der U-Bahn? Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com