Zutritt zur U-Bahn nur noch mit gültigem Ticket? Im Berliner Abgeordnetenhaus ist eine hitzige Debatte über Zugangssperren an allen 175 U-Bahnhöfen der Hauptstadt entbrannt. In Metropolen wie Paris oder London machen Sperren die U-Bahn sicherer – doch in Berlin sind die Fronten verhärtet.
Den Anstoß gab die AfD-Fraktion mit einem Antrag im Parlament. Ihr Ziel: Bahnsteige und bahnsteignahe Bereiche sollen grundsätzlich nur noch nach vorheriger Kontrolle eines gültigen Fahrscheins zugänglich sein.
„Zugangskontrolle schafft Sicherheit“, argumentierte der AfD-Abgeordnete Rolf Wiedenhaupt. „Die U-Bahn ist keine Ersatzwohnung, kein Partykeller und kein Drogen-Verkaufsshop“, ergänzte er. Aus Sicht seiner Fraktion würden Sperren nicht nur das Sicherheitsgefühl stärken, sondern auch Missstände eindämmen.

SPD und Linke wollen keine teure Zugangssperre
Scharfer Widerspruch kam von der SPD. Matthias Kollatz bezeichnete das Vorhaben als realitätsfern. Ein geschlossenes System mit Drehkreuzen sei in Berlin faktisch nicht umsetzbar. Schon allein wegen der zahlreichen U-Bahn-Aufzüge, die direkt auf die Bahnsteige führen, lasse sich ein solches Konzept baulich kaum durchsetzen.
Auch die Linke lehnt die Pläne strikt ab. Kristian Ronneburg verwies auf den enormen Aufwand angesichts von 175 U-Bahnhöfen. Einzelne Stationen mit hohen Millionensummen umzubauen, sei ebenfalls nicht sinnvoll. „Wir lehnen Zugangssperren leidenschaftlich ab“, sagte er. Wer auf diese Weise etwa obdachlose Menschen aussperren wolle, betreibe Sozialdarwinismus. Zudem würden Sperranlagen die U-Bahn störanfälliger machen.
In einem Punkt herrschte allerdings Einigkeit: Mehr Sicherheit im Nahverkehr ist für alle Fraktionen ein Ziel. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) ging auf das konkrete Modell eines geschlossenen Systems nicht direkt ein, betonte jedoch: „Unser erklärtes Ziel ist, das Sicherheitsgefühl nicht nur gefühlt zu steigern, sondern ganz real für mehr Sicherheit zu sorgen.“ Und weiter: „Denn Mobilität ist Teil kritischer Infrastruktur.“



