Spektakel mitten in Berlin

Er jagte die Flutlichtmasten im Jahnsport-Park in die Luft

Im Prenzlauer Berg knickten am Vormittag nach einer Sprengung 39 Tonnen schwere Stahmasten um wie Streichhölzer.

Author - Tobias Esters
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Sprengmeister  Dirk Lorenz  sorgte für einen reibungslosen Ablauf bei der Sprengung der Masten.
Sprengmeister Dirk Lorenz sorgte für einen reibungslosen Ablauf bei der Sprengung der Masten.Markus Wächter/Berliner Kurier

Ein Stück Berliner Sportgeschichte ist am Donnerstagvormittag in Prenzlauer Berg verschwunden. Mit zwei hintereinander folgenden  lauten Detonationen sind im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark zwei der markanten Flutlichtmasten, die 1987 errichtet wurden, zu Boden gegangen. Jahrzehntelang prägten sie die Skyline des Kiezes – nun sind sie Geschichte.

Das Video zeigt, wie die rund 50 Meter hohen Stahlkonstruktionen gegen 11.30 Uhr kontrolliert in sich zusammenfallen.

Spektakuläre Sprengung im Jahnsportpark

Schon vor der Sprengung herrschte rund um das Stadion gespannte Stille. Hunderte Schaulustige standen hinter den Absperrungen, viele mit Smartphones in der Hand. Nach einer kurzfristigen Verschiebung aus Sicherheitsgründen ertönte schließlich ein doppelter Warnton.

Wenige Sekunden nach einer Vergrämungssprengung die Vögel aufscheuchen sollte, folgten dann zwei dumpfe Explosionen. Die rund 50 Meter hohen Stahlkonstruktionen, jede 39 Tonnen schwer, knickten ein und stürzten in das ehemalige Spielfeld. Eine sehr kleine Staubwolke stieg auf, zaghafter Applaus brandete auf, zahlreiche Besucher hielten den Moment mit ihren Smartphones fest.

Hier fallen die beiden Flutlichmasten im Jahnstadion.
Hier fallen die beiden Flutlichmasten im Jahnstadion.Markus Wächter/Berliner Kurier

Nicht alle von ihnen sind glücklich über die Sprengung. Prof. Dr. Friedrich Tuczek etwa, der eine Petition für den Erhalt von Stadion und Masten ins Leben gerufen hatte, und weitere Mitglieder der Bürgerinitaitive Jahnsportpasrk beobachteten das Geschehen vpn der Straße aus mit Skepsis.

Friedrich Tuczek ist Architekt und spricht sich für eine moderatere Bebauung als Sportpark aus.
Friedrich Tuczek ist Architekt und spricht sich für eine moderatere Bebauung als Sportpark aus.Markus Wächter/Berliner Kurier

Von offizieller Seite aber fällt das Fazit positiv aus. „Wir sind sehr zufrieden mit der Sprengung, es hat alles planmäßig funktioniert“, erklärt Martin Pallgen Sprecher der Senatsverwaltung für Bauen gegenüber dem Berliner KURIER. Der Rückbau des alten Stadions stehe nun kurz vor dem Abschluss. Bereits im Sommer soll mit dem Neubau des Stadions im Jahn-Sportpark begonnen werden.

Unter den Schaulustigen, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten, waren auch Anton (22) und Nils (21). Sie haben mit unserer Reporterin vor Ort über die Sprengung gesprochen.

Die Sprengung ist Teil des groß angelegten Umbaus des traditionsreichen Sportareals. Das in den 1950er-Jahren eröffnete Stadion wird vollständig neu gedacht. Geplant ist ein moderner, inklusiver Sportpark mit einem Stadion für rund 20.000 Zuschauer.

Es versammelten sich immer mehr Schaulustige vor der Sprengung am Jahnsportpark.
Es versammelten sich immer mehr Schaulustige vor der Sprengung am Jahnsportpark.Stefanie Hildebrandt/Berliner KURIER

Die alten Flutlichtmasten entsprechen nicht mehr den heutigen technischen Anforderungen und müssen deshalb weichen. Auch weil das neue Stadion deutlich größer ausfallen soll. Schon 2018 waren alle Leuchten entfertn worden. Zwei weitere Masten weiter westlich sollen als Erinnerung an das historische Erscheinungsbild erhalten bleiben.

Kurz vor dem großen Moment der Sprengung gab es wie angekündigt einen Warnton. Dann folgten in die angespannte Stille zwei kurze, kräftige Explosionen. Sprengmeister Dirk Lorenz gab das Go, und sorgte dafür, dass die Stahlkonstruktionen kontrolliert in den Innenraum des Satdions fielen. Am Ende ragten nur noch Stahlrohre in die Luft.

Das blieb von den zwei Masten im Jahnstadion übrig.
Das blieb von den zwei Masten im Jahnstadion übrig.Markus Wächter/Berliner Kurier

Die Lautstärke des dumpfen Knalls war vergleichbar mit einem sehr lauten Feuerwerkskörper.

Ein Ort voller Geschichte und großer Sportmomente

Der Jahnsportpark blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Hier stellte Uwe Hohn 1984 den Speerwurf-Weltrekord von 104,80 Metern auf. Die Fußballnationalmannschaft der DDR gastierte zehnmal im Stadion. 1999 bestritt Hertha BSC hier ein Testspiel gegen den FC Barcelona – mit dem späteren Weltfußballer Luís Figo auf dem Platz. Der zehnmalige DDR-MEister BFC Dynamo absolvierte hier seine Heimspiele.  Und auch der 1. FC Union Berlin schrieb hier Geschichte, als der Klub 2001 seine ersten Europapokalspiele im Prenzlauer Berg austrug. Weil der Platz früher als Exerzierplatz diente, bekam er den Spitznamen Exer. Der Fußballplatz gilt als der ältetse, durchgängig bespielte Platz Deutschlands.

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