Direkt vor der Leinwand

Warum Kult-Regisseur Wim Wenders im Kino am liebsten in Reihe 2 sitzt

Am Donnerstag beginnt in Berlin die Berlinale. Wim Wenders ist diesmal Jury-Präsident. Hier erzählt er, was er am Kino liebt.

Author - Stefan Henseke
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Wim Wenders mit seiner Frau, der Fotografin Donata Wenders, bei einem Empfang von German Films in Los Angeles.
Wim Wenders mit seiner Frau, der Fotografin Donata Wenders, bei einem Empfang von German Films in Los Angeles.Barbara Munker/dpa

Berlin macht sich bereit für den roten Teppich. In vier Tagen startet die 76. Berlinale. Eröffnet wird sie mit der Weltpremiere von „No Good Men“ – dem neuen Film der preisgekrönten afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat. Und an der Spitze der Jury: Wim Wenders. 80 Jahre. Filmlegende. Kino-Fan durch und durch.

Wim Wenders sitzt im Kino am liebsten ganz vorne

Der Lieblingsplatz von Wim Wenders im Kino? Zweite Reihe, direkt vor der Leinwand! Ja, wirklich. Der Mann, der „Paris, Texas“ gedreht hat, sitzt im Kino am liebsten ganz vorn.

Wird einem da nicht schwindlig? Wim Wenders überzeugt: „Das ist ja die Hoffnung! Dass mich der Film umhaut oder mich schwindelig spielt.“ Vorne sei die Sicht am besten, sagt er. „Da vorne hat man die beste Sicht und der Film füllt das ganze Gesichtsfeld. Ich mag nicht ein Meer von Leuten vor mir sehen, ich will das Filmbild sehen, so groß wie möglich.“

Wim Wenders („Perfect Days“, „Paris, Texas“) führt diesmal die Internationale Jury an, die bei den Filmfestspielen in Berlin entscheidet, wer am Ende die Bären gewinnt. Das Festival beginnt am Donnerstag kommender Woche (12. Februar).

Auf den Job freut sich der 80-Jährige. „Ich hab’ das ja mal in Cannes gemacht, vor 37 Jahren, und das war die beste Zeit, die ich je auf einem Filmfestival hatte. Unvergesslich“, erklärt Wenders.

Gute Filme funktionieren auf dem Handy nicht

Was macht einen Film für den Kult-Regisseur preiswürdig? Er weiß es genau. „Wenn ich denke: Den hätte ich auch gern gemacht! Oder: Den hätte ich nie machen können!“ So einfach. So ehrlich.

Muss ein guter Film auch auf dem Smartphone funktionieren? „Muss? Ein guter Film kann das oft nicht“, sagt er. Leinwand statt Display. Eintauchen statt Scrollen. „Wie soll man sich auf einem Smartphone in etwas versinken können?“

Wenders nervt auch die Politisierung von Kultur, von Filmen. „Weil es dann oft gar nicht mehr um den Film geht, sondern um eine politische Meinung. Aber keine noch so gute Meinung oder Absicht macht auch einen guten Film.“ Er sagt: „Dieser Unterschied wird leider heute immer weniger gemacht! Dafür muss man bereit sein, differenziert zu sehen und zu denken.“

Jessie Buckley (M., vorne) als Agnes in einer Szene des Films „Hamnet“. Bei diesem Film musste Wim Wenders zuletzt im Kino weinen.
Jessie Buckley (M., vorne) als Agnes in einer Szene des Films „Hamnet“. Bei diesem Film musste Wim Wenders zuletzt im Kino weinen.Agata Grzybowska/Focus Features/Universal Pictures/dpa

Emotionen sind Wenders wichtig. Und die zeigt er auch gerne im Kino. Wann hat Wenders zuletzt geweint? Beim Drama „Hamnet“ von Chloé Zhao. „Da habe ich ein paar Mal geflennt“, gibt er zu.

Der Ticketvorverkauf beginnt am Montag (9. Februar). Tickets sind online immer drei Tage im Voraus jeweils ab 10 Uhr zu kaufen. Karten für Vorstellungen am Berlinale-Publikumstag (22. Februar) und für die Uber Eats Music Hall sind schon ab morgen erhältlich.