Aus Käfighaltung

Auf der Spur der falsch etikettierten Eier aus der Ukraine

Eier‑Zoff um Ukraine‑Importe! Immer mehr Eier, oft falsch etikettiert, oft aus Käfighaltung, landen in unseren Lebensmitteln.

Author - Stefan Henseke
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Sind Eier aus der Ukraine richtig gekennzeichnet, beginnt das aufgedruckte Kürzel mit den Buchstaben UA. Davor steht eigentlich die Zahl für die Haltungsform. 0 würde für Bioeier stehen, 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Käfighaltung.
Sind Eier aus der Ukraine richtig gekennzeichnet, beginnt das aufgedruckte Kürzel mit den Buchstaben UA. Davor steht eigentlich die Zahl für die Haltungsform. 0 würde für Bioeier stehen, 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Käfighaltung.Gerard Bottino /SOPA Images/imago

Auch die KURIER-Leser sind sauer. Über Ukraine-Eier, die falsch etikettiert in der EU landen, oft in minderwertiger Qualität aus Käfighaltung. „Eine Einfuhr von Produkten, die nicht unserem Standard entsprechen, darf es nicht geben“, schreibt etwa Stefan Paschek. Aber wo kommen diese Eier genau her?

Käfighaltung ist in der Ukraine weit verbreitet

Ein paar der größten Eiererzeuger Europas kommen aus der Ukraine. Auf Nummer 1 rangiert laut DGS, dem Magazin für Geflügelwirtschaft, die Firma Avangardco, das ursprünglich aus der Westukraine stammt. Der Konzern hat mehr als 13,3 Millionen Legehennen.

Das Problem in der Ukraine: Viele der Firmen sind weit entfernt von EU-Standards beim Tierschutz. Die in der EU langst verbotene Käfighaltung ist in der Ukraine noch weit verbreitet, bei Kontrollen in Frankreich wurden in den Eier auch verbotene Antibiotika gefunden.

Auch Großkonzerne wie Ovostar und MHP liefern in die Europäische Union. Nicht nur Eier, sondern auch Tonnen von Geflügelfleisch. MHP schreibt auf ihrer Internetseite, dass pro Woche 9,4 Mio. Tiere geschlachtet werden, mehr als 368.000 Tonnen Fleisch (2022) exportiert werden.

Der ukrainische Geflügelkonzern MHP kündigte im vergangenen Jahr an, dass ab 2026 die EU-Vorgaben für die Haltung von Masthähnchen eingehalten werden sollen. Dazu gehört, dass pro Quadratmeter Stallfläche maximal „33 Kilogramm Lebendgewicht“ gehalten werden dürfen.

In der EU sind Legebatterien seit 2012 verboten

Doch: Viele ukrainische Firmen halten sich bisher nicht an die in der EU geltenden Regeln. Der Deutsche Tierschutzbund berichtete etwa im vergangenen Jahr über den Bau einer neuen Legehennenfarm des Agrarkonzerns Krupets in der Westukraine. Für 400.000 Hühner.

Das Unternehmen betonte, es setze beim Bau auf Käfige im „europäischen Stil“. Doch der deutsche Tierschutzbund sieht das anders. Allein der Begriff „Käfige“ sei mehr als besorgniserregend, heißt es in dem Statement. Legebatterien sind seit dem 1. Januar 2010 in Deutschland und seit 2012 in der gesamten EU verboten.

In solchen Käfigen hält der ukrainische Konzern Krupets seine Hühner. Zu sehen auf der Internetseite des Betriebes.
In solchen Käfigen hält der ukrainische Konzern Krupets seine Hühner. Zu sehen auf der Internetseite des Betriebes.Krupets

Erlaubt sind in der EU sogenannte ausgestaltete Käfige, die viel mehr Platz bieten als Legebatterien.  In Deutschland sollen seit diesem Jahr selbst die bisher erlaubten Kleingruppenkäfige nicht mehr zum Einsatz kommen – da auch diese die Bedürfnisse der Tiere keineswegs erfüllen, heißt es beim Tierschutzbund.

Außerhalb der EU ist die konventionelle Käfighaltung allerdings oft noch üblich – auch in der Ukraine. So kommen trotz des Verbots von Legebatterien in Deutschland Käfigeier in verarbeiteten Produkten zum Einsatz. In Nudeln, Backwaren, Mayonnaise und Fertiggerichten.

Eier aus der Ukraine werden umetikettiert

Hier sind meist nicht die sogenannten Schaleneier, sondern Flüssig-Eier für die Lebensmittelindustrie das Problem. Herkunft und Haltungsform der Eier müssen auf den Verpackungen nicht aufgedruckt werden.

Seit Herbst 2025 erlaubt die EU die Einfuhr von bis zu 18.000 Tonnen Eiern und Eiprodukten (ist dreimal soviel wie vorher). Doch die erhöhte Importquote macht es auch Betrügern leichter. In die EU werden auch ungestempelte Eier aus der Ukraine geliefert. Eier aus Käfighaltung, die schon zu Bio-Eiern umetikettiert wurden, wie gerade ein Experte vom flämischen Landesverband für Geflügelzucht in Belgien aufdeckte.

„Ich finde es von der Ukraine eine große Sauerei“, schreibt uns unser Leser Manfred Eckardt. „Wir unterstützen sie und werden dafür beschissen.“

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