Käfighaltung statt Bio

Immer mehr Billig-Eier aus der Ukraine landen falsch deklariert in der EU

Käfig‑Eier aus der Ukraine landen massenhaft in Nudeln, Backwaren und Fertiggerichten – oft ohne klare Kennzeichnung. Bei der Einfuhr wird auch getrickst.

Author - Stefan Doerr
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Sind Eier aus der Ukraine richtig gekennzeichnet, beginnt das aufgedruckte Kürzel mit den Buchstaben UA. Davor steht eigentlich die Zahl für die Haltungsform. 0 würde für Bioeier stehen, 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Käfighaltung.
Sind Eier aus der Ukraine richtig gekennzeichnet, beginnt das aufgedruckte Kürzel mit den Buchstaben UA. Davor steht eigentlich die Zahl für die Haltungsform. 0 würde für Bioeier stehen, 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Käfighaltung.Gerard Bottino /SOPA Images/imago

Seitdem die Europäische Union die Einfuhrbeschränkungen für ukrainische Agrarprodukte gelockert hat, steigen auch die Eier-Importe in die EU deutlich. Offiziell, um Solidarität zu zeigen nach dem russischen Angriffskrieg. Inoffiziell wächst bei Verbraucherschützern und Landwirten jedoch die Sorge um Qualität, Transparenz und faire Wettbewerbsbedingungen.

Denn ukrainische Eier unterliegen nicht denselben strengen Auflagen wie Eier aus der EU. Während europäische Betriebe detaillierte Vorschriften zu Tierwohl, Fütterung, Hygiene und Rückverfolgbarkeit erfüllen müssen, gelten in der Ukraine niedrigere Standards.

Käfighaltung ist dort weiterhin verbreitet, während sie in der EU stark eingeschränkt oder verboten ist. Das senkt die Produktionskosten – und den Preis der Eier.

Eier aus der Ukraine in Lebensmitteln versteckt

Für Verbraucher ist das Problem vor allem eines: Man sieht den Unterschied oft nicht. Viele der importierten Eier werden nicht als frische Schaleneier verkauft, sondern landen in verarbeiteten Produkten. Nudeln, Backwaren, Fertiggerichte – überall dort können Eiprodukte aus ukrainischer Produktion stecken, ohne dass Herkunft oder Haltungsform klar erkennbar sind, wie die Berliner Zeitung berichtet. Die Kennzeichnungspflichten greifen hier nur eingeschränkt.

Bei der Einfuhr der Eier wird auch getrickst. Ukrainische Eier aus Käighaltung gelangen auch als Bio-Eier in den EU-Markt, berichtet das Internetportal Geflügelnews. „In einigen Ländern akzeptieren Packstellen ungestempelte ukrainische Eier, um sie dann als Bio-Eier weiterzugeben“, sagte Martijn Chombaere vom flämischen Landesverband für Geflügelzucht in Belgien.

Käfighaltung wie hier in Nigeria ist auch in der Ukraine üblich.
Käfighaltung wie hier in Nigeria ist auch in der Ukraine üblich.Imago/Joerg Boethling

Zwar betont die EU-Kommission, dass auch Importware den europäischen Lebensmittelstandards entsprechen müsse. Doch die Überwachung vor Ort ist schwierig. Die Anzahl der Kontrollen ist begrenzt, unabhängige Inspektionen in Kriegszeiten kaum möglich. Kritiker sprechen von einem Kontrollproblem mit Ansage.

Billig-Konkurrenz aus der Ukraine sorgt für Ärger

Geflügelhalter in der EU fühlen sich doppelt unter Druck. Sie kämpfen mit steigenden Kosten für Energie und Futter – und sind gleichzeitig einer billigen Konkurrenz ausgesetzt, die nach anderen Regeln produziert. Deshalb warnte bereits der Präsident des Deutschen Bauernverbands Joachim Rukwied vor einem EU-Beitritt der Ukraine. Rukwied sieht die europäische Landwirtschaft bedroht, da die großen Agrarbetriebe dort sehr viel billiger als die Bauern in der EU produzieren könnten.

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