Seitdem die Europäische Union die Einfuhrbeschränkungen für ukrainische Agrarprodukte gelockert hat, steigen auch die Eier-Importe in die EU deutlich. Offiziell, um Solidarität zu zeigen nach dem russischen Angriffskrieg. Inoffiziell wächst bei Verbraucherschützern und Landwirten jedoch die Sorge um Qualität, Transparenz und faire Wettbewerbsbedingungen.
Denn ukrainische Eier unterliegen nicht denselben strengen Auflagen wie Eier aus der EU. Während europäische Betriebe detaillierte Vorschriften zu Tierwohl, Fütterung, Hygiene und Rückverfolgbarkeit erfüllen müssen, gelten in der Ukraine niedrigere Standards.
Käfighaltung ist dort weiterhin verbreitet, während sie in der EU stark eingeschränkt oder verboten ist. Das senkt die Produktionskosten – und den Preis der Eier.
Eier aus der Ukraine in Lebensmitteln versteckt
Für Verbraucher ist das Problem vor allem eines: Man sieht den Unterschied oft nicht. Viele der importierten Eier werden nicht als frische Schaleneier verkauft, sondern landen in verarbeiteten Produkten. Nudeln, Backwaren, Fertiggerichte – überall dort können Eiprodukte aus ukrainischer Produktion stecken, ohne dass Herkunft oder Haltungsform klar erkennbar sind, wie die Berliner Zeitung berichtet. Die Kennzeichnungspflichten greifen hier nur eingeschränkt.
Bei der Einfuhr der Eier wird auch getrickst. Ukrainische Eier aus Käighaltung gelangen auch als Bio-Eier in den EU-Markt, berichtet das Internetportal Geflügelnews. „In einigen Ländern akzeptieren Packstellen ungestempelte ukrainische Eier, um sie dann als Bio-Eier weiterzugeben“, sagte Martijn Chombaere vom flämischen Landesverband für Geflügelzucht in Belgien.

Zwar betont die EU-Kommission, dass auch Importware den europäischen Lebensmittelstandards entsprechen müsse. Doch die Überwachung vor Ort ist schwierig. Die Anzahl der Kontrollen ist begrenzt, unabhängige Inspektionen in Kriegszeiten kaum möglich. Kritiker sprechen von einem Kontrollproblem mit Ansage.


