Die Hälfte versagt

Berliner sind zu doof für den Führerschein

Eine neue Tüv-Statistik zeigt, dass die Berliner zwar gerne Autofahren lernen wollen – sich dabei aber nicht gerade gut anstellen.

Author - Sharone Treskow
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Berlin schneidet in Führerscheinprüfungen bundesweit am schlechtesten ab.
Berlin schneidet in Führerscheinprüfungen bundesweit am schlechtesten ab.KI-generiertes Bild

Ob Berlin noch eine klassische Autostadt ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. Der Verkehr ist dicht, trotzdem nutzen auch viele Hauptstädter religiös Öffis oder Fahrrad. Immer mehr Berliner wollen aber auch ihren Lappen machen.

Deutschland will nach wie vor Autofahren

Der neue Datenreport des Tüv-Verbands zeigt: 2025 ist die Zahl der Führerscheinprüfungen erneut gestiegen. Insgesamt wurden 2,04 Millionen Theorieprüfungen abgelegt, rund 33.000 mehr als im Vorjahr. Bei den praktischen Tests gab es sogar ein Plus von fast 90.000 auf 1,89 Millionen.

Dichter Verkehr auf der Karl-Liebknecht-Straße. Berliner wollen nach wie vor Autofahren lernen.
Dichter Verkehr auf der Karl-Liebknecht-Straße. Berliner wollen nach wie vor Autofahren lernen.Wolfgang Maria Weber/imago

Besonders beliebt bleibt der Pkw-Führerschein: 80 Prozent der Theorie- und 73 Prozent der Praxisprüfungen entfallen auf die Klassen B/BF17. „Der Führerschein boomt wie eh und je“, sagt Richard Goebelt vom Tüv. Für viele sei er „der Schlüssel zu mehr Unabhängigkeit“.

In Berlin gab es 2025 102.275 durchgeführte theoretische Prüfungen und 88.422 durchgeführte praktische Prüfungen.

Hohe Durchfallquoten – doch die Jüngsten glänzen

Die Nichtbestehensquoten bleiben insgesamt hoch: 41 Prozent fallen durchschnittlich in Deutschland in der Theorie durch, 31 Prozent in der Praxis. Beim klassischen Pkw-Führerschein sind es 44 Prozent (Theorie) und 37 Prozent (Praxis).

Doch unter 18-Jährige überzeugen: Nur 35 Prozent scheitern in der Theorie, nur 24 Prozent in der Praxis. Goebelt erklärt: „Diese Fahrschüler:innen sind hoch motiviert und durch Schule und Ausbildung systematisch vorbereitet.“

Berliner schneiden besonders schlecht ab

Dem KURIER liegen Bundesland-spezifische Zahlen vor, Berlin kommt dabei nicht gut weg. Die Hauptstadt ist von allen Bundesländern auf dem letzten Platz gelandet: In der Theorie-Prüfung sind 2025 49 Prozent, also die Hälfte aller Prüflinge, durchgerasselt. Auch bei der Praxisprüfung gab es in Berlin eine Nichtbestehensquote von 48 Prozent.

Die Flops der Bundesländer, Berlin liegt hier vorn.
Die Flops der Bundesländer, Berlin liegt hier vorn.TÜV / DEKRA

Besonders gut hat sich hingegen Schleswig-Holstein geschlagen: Hier sind nur 37 Prozent durch die Theorieprüfung geflogen und 32 Prozent durch die Praxisprüfung. Hamburg ist mit einer niedrigen Durchfallquote von 34 Prozent in der Theorieprüfung auf Platz 1 gelandet. In der Praxisprüfung jedoch haben die Hamburger sich mit 47 Prozent Nichtbestehensquote ins Aus geschossen.

Besonders gut hat sich Schleswig-Holstein geschlagen.
Besonders gut hat sich Schleswig-Holstein geschlagen.TÜV / DEKRA

Warum schneiden Berliner so schlecht ab?

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, woran das liegt. Hat Berlin einfach die strengsten Prüfer oder die schlechtesten Schüler? Natürlich muss man hier auch die erschwerten Bedingungen im Großstadtverkehr beachten.

Immerhin müssen sich Fahrschüler im Osten der Hauptstadt mit etlichen Tramschienen herumschlagen: Mit über 190 Kilometern Streckenlänge haben wir das größte Straßenbahnnetz der Bundesrepublik. Und im gesamten Stadtgebiet gibt es ein sehr hohes Verkehrsaufkommen, was wohl jeden Fahranfänger stressen würde.

Haben Sie damals Ihre Führerscheinprüfungen beim ersten Versuch bestanden? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.