Zehn Tiere gestorben

Drama um eingefrorene Schwäne im Berliner Landwehrkanal

Es ist ein schockierender Anblick. Im Landwehrkanal sind etwas zehn Schwäne eingefroren und gestorben. Das könnten die Gründe dafür sein.

Author - Sebastian Krause
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Zahlreiche verendete Schwäne liegen derzeit im Landwehrkanal.
Zahlreiche verendete Schwäne liegen derzeit im Landwehrkanal.Axel Billig / Pressefoto Wagner

Fassungslos und mit Tränen in den Augen blicken die Menschen auf den zugefrorenen Landwehrkanal in Berlin-Kreuzberg. Etwa zehn tote Schwäne liegen dort. Elendig verendet, zugefroren auf vereister Oberfläche.

Nun drängen sich Fragen auf: Könnten die Tiere verhungert sein, wie manche vermuten? Oder waren es Kälte oder Krankheiten?

Ursache für den Tod ist noch unklar

Die genaue Ursache ist noch unklar. Das liegt auch daran, dass man die Kadaver noch nicht im Labor untersuchen konnte, wie eine Sprecherin des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg mitteilte.

„Aufgrund der aktuellen Witterungsbedingungen ist eine Bergung im Landwehrkanal derzeit nicht möglich, ohne dass sich die Kolleginnen selbst in Lebensgefahr begeben.“

Unter Wildvögeln grassiert noch die Vogelgrippe

Ihren Angaben nach waren Mitarbeiter der Veterinäraufsicht bereits vor Ort, kamen mit den Keschern aber nicht an die Tiere heran. Der Landwehrkanal sei für Boote aktuell nicht passierbar, ein Betreten des Eises lebensgefährlich.

Für den Tod der Schwäne gibt es mehrere mögliche Ursachen, wie Berlins Wildtierexperte Derk Ehlert erklärt. Zum einen zirkuliere unter Wildvögeln in Berlin nach wie vor die Vogelgrippe. Nach Angaben der Verbraucherschutzverwaltung sind zuletzt 14 Wildvögel positiv auf das hoch ansteckende Virus getestet worden – darunter viele Schwäne.

Toter Schwan im Landwehrkanal.
Toter Schwan im Landwehrkanal.Axel Billig / Pressefoto Wagner

Zugefrorenes Wasser erschwert die Futtersuche

Zum anderen könnte tatsächlich das Wetter eine Rolle spielen. „Höckerschwäne sind Vegetarier und suchen ihr Futter unter Wasser“, sagt Ehlert. Momentan seien aber viele Gewässer zugefroren, es gebe weniger offene Wasserstellen, an denen die Schwäne nach Nahrung fischen könnten.

Ist eine Stelle abgegrast, fliegen die Tiere normalerweise einfach an einen anderen Ort, wie Ehlert erklärt. Am Landwehrkanal würden die Schwäne aber von Menschen mit Brot und ähnlichem zugefüttert – und blieben.

Tiere könnten an der Oberfläche eingefroren sein

Für die Tiere kann das fatale Folgen haben. Brot fülle den Magen der Schwäne, mache sie aber nicht satt. Die Tiere könnten dann trotz der falschen Zufütterung verhungern, sagt Ehlert. Zugefüttert werden dürfe, wenn überhaupt, dann nur mit speziellem Futter für Wassergeflügel.

Kann es sein, dass die Tiere in der Eisfläche eingefroren sind und deswegen starben? „Ein gesunder Schwan friert in der Regel nicht ein“, meint Ehlert. Wenn das Tier geschwächt sei, könne das aber durchaus passieren. Es könnte also auch eine Verkettung von mehreren Umständen zum Tod der Tiere geführt haben.

Trauriger Anblick. Hunger oder Vogelgrippe? Die Tiere treiben tot auf dem Wasser.
Trauriger Anblick. Hunger oder Vogelgrippe? Die Tiere treiben tot auf dem Wasser.Axel Billig / Pressefoto Wagner

Winter ist eine gewöhnliche Auslesezeit

Auch wenn es viele betroffen macht – dramatisch ist der Tod der Tiere aus Sicht der Wildtierexperten nicht. Der Winter sei eine gewöhnliche Auslesezeit.

Weil es seit vielen Jahren nicht mehr so einen Dauerfrost gegeben habe, seien es Menschen einfach nicht mehr gewohnt, tote Schwäne zu sehen. Um den Bestand von Schwänen mache er sich keine Sorgen. Höckerschwäne seien nicht gefährdet.